Androiden, Band 3 (Splitter) | Comicleser

Androiden, Band 3 (Splitter)

June 29, 2018

Sanftes Aufwachen sieht irgendwie anders aus. Das denkt sich zumindest Jerrod, der aus einer schleimigen Masse gezerrt wird und erst einmal keine Ahnung hat, was da vor sich geht. Drei seltsame Gestalten erwarten ihn da, gekleidet in Spandex-Anzüge, die Jerrod sarkastisch als „Star Trek“-Klamotten bezeichnet. Eine tatkräftige Blondine renkt ihm erst einmal die Schulter wieder ein, aber bevor er viel fragen kann, sieht sich Jerrod schon in den Angriff einer bizarren, amorphen Masse verwickelt, der von einem anderen, ähnlich gewandeten Trupp abgewehrt wird – der dabei allerdings samt und sonders draufgeht. Offenkundig sind alle Anwesenden mit erstaunlichen Kräften gesegnet, von Pyro-Salven aus den Handflächen über telekinetische Fähigkeiten bis hin zu dem, was wohl auch Jarrod plötzlich draufhat: er ist Empath, kann sich also in die Gedanken und Erinnerungen anderer Wesen einschalten, wie ihm das Amber Pick erklärt, die rabiate Blondine, die vormals professionelle Basketballerin war.

Gemeinsam mit Sergeij Tomolov und Oliver Rulka bildet Amber eine von wenigen versprengten Gruppen, die eine offenbar stattgefundene gewaltige Apokalypse überlebt haben. Die Menschheit ist weitgehend von der Erde verschwunden, die Städte sind entvölkert und liegen in Ruinen: irgendeine Alien-Rasse muss attackiert und die Menschheit ausgelöscht haben. Die wenigen Überlebenden sind wohl auch dank der seltsamen Anzüge mutiert, wissen aber samt und sonders nichts mehr von den zurückliegenden Ereignissen. Als es einer der Gruppen gelingt, einen der gestaltlosen Invasoren zu schnappen, nimmt Jerrod die Herausforderung an, in den Geist des Aliens einzudringen – wobei sich dann erstaunliche Erkenntnisse ergeben…

In Band 3 der locker thematisch verbundenen Reihen um künstliche Menschen, die sich um die auch hier vorangestellten drei Gesetze der Robotik aus Isaac Asimovs Roboter-Geschichten und -Romanen drehen, spart sich Sylvain Cordurié den Clou bis fast ganz zum Schluss auf. Was denn nun das dystopische Endzeit-Independence Day-12 Monkeys-Matrix-Setup mit dem Androiden-Motiv zu tun hat, kann man sich zwar relativ bald zusammenreimen, wobei dieser Komplex in Gegensatz zu Band 1 und 2 – wo sich die Stories um die Herausforderungen und Paradoxa von künstlicher Intelligenz drehten – eher hinter eine leicht angeschrägte Superhelden/Mutanten verteidigen die Erde-Attacke zurücktritt.

In den neuen Kräften der unfreiwilligen „Metawesen“ steckt mehr oder weniger die halbe Schule für Begabte von Professor Xavier, von der Telekinese einer Jean Grey über die Feuerkraft von Pyro bis hin zur Gedankenleserei des guten Professors selbst. Cordurié, der ja üblicherweise in seinem Sherlockversum vielschichtige Pastiches aus literarischen Vorbildern und historischen Fakten liefert, serviert uns somit eine eher geradlinige, straighte Action-Geschichte mit einem nicht ganz überraschenden Twist, die aber durch die schnelle Handlungsführung und auch durch die teilweise großformatige Umsetzung von Emmanuel Nhieu für ein kurzweiliges Lesevergnügen sorgt. Der abschließende Band 4, „Kielkos Tränen“, ist in Vorbereitung. (hb)

Androiden, Band 3: Invasion
Text: Sylvain Cordurié
Bilder: Emmanuel Nhieu
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
15,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-570-1

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