Taxi (Erko) | Comicleser

Taxi (Erko)

May 14, 2018

Natürlich heißt sie nicht in Wahrheit so, sondern führt einen ganz normalen Namen, die blonde Dame – aber für ihre Aufträge als private Ermittlerin in den Diensten des Enthüllungsblattes Control Press braucht frau eben einen Decknamen. Verpasst hat ihn ihr ein gewisser Nelson, der ihr vor Jahren einmal den Hals rettete, als die Gute noch jede Nacht Taxi fuhr durch das leicht dystopische Barcelona mit „sozialpolitischen Brigaden“, in dem Alfonso Font seine Action-/Agenten-Stories ansiedelt. Nelson heuerte die tatkräftige Dame gerne an, nannte sie fortan „Taxi“ und muss sich im Gegenzug dazu seither gefallen lassen, selbst als „Admiral“ angesprochen zu werden – was ihm genauso gefällt wie die Tatsache, dass er sich auch nach Dienstschluss mit Taxi ab und an zu gemeinsamen Leibesübungen treffen kann.

Unerschrocken ist sie allemal, die Gute, und als ein mysteriöser Virus um sich greift und ausnahmslos schwarze Bürger dahinrafft, schaut sich das Team von Control Press die Sache doch einmal näher an. Taxi fällt auf, dass seit Tagen ein Privatflugzeug über der Stadt kreist, welches sie des Nächtens fotografiert und dabei zu erkennen glaubt, dass von der Maschine ein geheimnisvolles Pulver ausgestreut wird. Kurz entschlossen nimmt sie (trotz nur minimaler Flugerfahrung) in der nächsten Nacht in einer Cessna die Fährte auf und verfolgt die Missetäter, die sie prompt vom Himmel schießen. Aber Taxi gelingt es noch, weitere kompromittierende Fotos zu erhaschen, die schließlich ein skandalöses Komplott enthüllen, in das nicht nur die konkurrierende Info-Agentur, sondern auch Kreise der Regierung verstrickt sind…

Nächster Fall: Bei der nächtlichen Ankunft eines Güterzuges machen sich diverse Fieslinge an einem Waggon zu schaffen, den sie zuerst abkoppeln und dann verschwinden lassen. In diese Sache werden Taxi und Nelson hineingezogen, als die sich am nächsten Tag in der Stadt treffen und zufällig Zeuge eines Anschlags werden, dem ein Autofahrer zum Opfer fällt. Der drückt Taxi im Sterben noch einen Umschlag in die Hand, mit der dringenden Bitte, den Inhalt einem gewissen Herrn Eisig zu übergeben, der im Hotel Continental abgestiegen ist. Natürlich weckt dieses Geheimnis das Interesse unserer Ermittler, die im Umschlag Fotos des Güterwaggons sowie den kryptischen Hinweis „Aurora Barcelona“ finden.

Relativ schnell stellt sich heraus, dass an Bord des Zuges höchst brenzlige Güter waren: nichts anderes als Plutonium wurde transportiert, das spurlos verschwunden ist. Die Spur führt über die städtische Leichenhalle, in der die letzten Toten jeweils jüdischer Abstammung waren, hin zur Theorie, dass man es hier mit einem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu tun haben muss, in den der berüchtigte arabische Waffenhändler Djadou verwickelt ist. Undercover schleicht sich Taxi, die sich als neue Freundin von Eisig ausgibt, auf die Yacht des Fieslings, die zur Übergabe der heißen Fracht Richtung Afrika ausläuft. Aber Taxi hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn Djadou durchschaut ihr Spiel und überlässt sie auf hoher See seinen finsteren Komplizen…

Der hoch produktive spanische Zeichner und Autor Alfonso Font legte 1987 mit der dreibändigen Albenreihe um die Journalistin/Ermittlerin/Agentin Taxi atemlose Abenteuer um eine Art weiblichen James Bond vor (direkt hatte er dieses Motiv kurz zuvor im erotischen Agententhriller „Carmen Bond“ abgehandelt), die erzähltechnisch (ein Hinweis führt zum anderen, die Spurensicherung gerät ausnahmslos spektakulär) in einer Reihe mit Rick Master stehen. Zeichnerisch fühlt man sich – wie schon in Fonts Jon Rohner-Serie – immer wieder an Hugo Pratts Corto Maltese erinnert, während Font (dessen Carmen Bond bezeichnenderweise in Deutschland indiziert wurde) auch hier eine gehörige Prise Erotik einstreut, wenn Taxi im leichten Kleidchen, Taucherdress oder mit noch weniger Textilien ausgestattet durch die Szenerie schlendert. Taxi erscheint dabei aber nie als hübsch-naives Blondchen, sondern immer als selbstbewusste, selbstbestimmte Frau der Tat – und liefert somit die Art des Feminismus, die schon Lieutenant Ripley gegen außerirdisches Kroppzeug einsetzte.

Ausgeprägt erscheint daneben vor allem der kritische Zeitbezug, der in fast schon beklemmender Aktualität Themen wie auch offiziell propagierten Fremdenhass oder den ewig schwelenden Konflikt im Nahen Osten in den Mittelpunkt der Geschehnisse stellt, so dass die Handlung der drei Geschichten in keiner Weise veraltet daherkommt. In Deutschland waren die Abenteuer von Taxi unter dem Titel „Im Labyrinth des Drachens“ schon einmal 1989 bis 1991 als drei Softcover-Alben aus dem holländischen Arboris-Verlag zu haben. Der Erko-Verlag des umtriebigen Ervin Rustemagić, der sich ja auf oft komplettierte Neuausgaben vergriffener Werke spezialisiert (z.B. „Die Partisanen“ oder auch „Jeremiah“) und bereits Alfonso Fonts opulente Conquistadores-Saga „Blume einer neuen Welt“ herausbrachte, legt die drei Taxi-Alben nun in einem schön eingerichteten Hardcover als Integral, ergänzt um einen kleinen Skizzenteil, wieder vor und bietet so ungetrübten Lesegenuss für alle Freunde der actionreichen, detektivischen Unterhaltung. (hb)

Taxi Intergral
Text & Bilder: Alfonso Font
144 Seiten in Farbe, Hardcover
Erko Verlag
24,80 Euro

ISBN: 978-90-89821-24-9

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