Isnogud Gesamtausgabe, Band 10 (Egmont) | Comicleser

Isnogud Gesamtausgabe, Band 10 (Egmont)

Februar 19, 2018

Und jetzt alle: „Ich will Kalif werden anstelle des Kalifen!“ Kaum eine Comicserie lässt sich an nur einem ikonischem Spruch festmachen. Kaum eine Comicserie ist so langlebig und dreht sich dabei nur um ein einziges Motiv, das dieser Ausspruch, der in keinem Album der Reihe fehlen darf, formuliert. 1962 von Jean Tabary und dem legendären René Goscinny erdacht, wütet sich Großwesir Isnogud noch immer durch die Seiten seiner Abenteuer und jagt bis heute immer stur und verbissen seinem großen, wohl auf alle Ewigkeiten unerfüllbaren Wunsch nach – zur Freude seiner Anhängerschaft, die in diesem zehnten Band der Gesamtausgabe, welcher bereits seit einiger Zeit in den Regalen steht, gesammelten und noch immer aktuellen Nachschub erhält.

Der Band beinhaltet die letzten drei Alben der Reihe: „Tausendundeine Nacht für den Kalifen“ erschien 2008 in Frankreich als Band 28. Hier fand, bedingt durch den angeschlagenen Gesundheitszustand Jean Tabarys (er starb 2011), ein Generationswechsel statt, komplett innerhalb der Familie: Tabarys Sohn Nicolas übernahm die Zeichnungen, die er ganz im Stile seines Vaters fortführt, während seine Geschwister Muriel und Stéphane das Szenario besorgten. Die Geschichte wird hier auf Deutsch erstmals in Album- bzw. Buchformat abgedruckt. Zuvor erschien sie als Fortsetzungsstory im neuen Zack (Heft 119-122). Für den Nachfolger suchte sich Nicolas Tabary dann jemanden „vom Fach“: Nicolas Canteloup und Laurent Vassilian sind im humoristischen Bereich beheimatet und übernahmen bei „Präsident Isnogud“ (2012 erschienen) das Szenario, und Laurent Vassilian schrieb dann solo das noch aktuelle Album „Wie der Vater, so der Sohn!“, das 2015 als Band 30 der Albenreihe veröffentlicht wurde. Isnoguds gegenwärtige verlegerische Heimat hier in Deutschland ist zweigeteilt: Die Einzelalben erscheinen bei dani books (bisher zwei Stück, jeweils auch wahlweise als Vorzugsausgabe), während die Gesamtausgabe nach wie vor in der Egmont Comic Collection erhältlich ist.

Zum Inhalt: „Tausendundeine Nacht für den Kalifen“ (2008): Ham Suschi, der Präsident von Kerschokomun, besucht Bagdad. Erstaunt erfährt Großwesir Isnogud, dass Ham Suschi seinen Titel quasi in Rotation an seinen Bruder Sam abgibt, nämlich nach genau 1001 Nacht, was gemeinhin „die große Wende“ genannt wird. Eine gute Idee, findet auch Kalif Harun al-Pussah – vor allem die 1001 Tage Urlaub klingen für ihn doch verlockend. Und mit wem sonst als mit Isnogud könnte man rotieren? Doch damit der giftzwergige Großwesir nun endlich Kalif werden kann, muss er zuerst Kalif werden – in einem Land seiner Wahl, das es aber erst noch zu erobern gilt… „Präsident Isnogud“ (2012): Kalifatswahlen in Bagdad! Eigentlich keine große Sache. Denn der einzige Kandidat ist der amtierende Kalif Harun al-Pussah und selbiger ist auch der einzige Wahlberechtigte. Doch dann beschließt er, „demokratische“ Wahlen abhalten zu lassen, indem er Isnogud als Gegenkandidaten präsentiert, der natürlich absichtlich verlieren soll. Doch Isnogud denkt nicht daran und versucht einmal mehr, Kalif zu werden anstelle des Kalifen (HIER geht’s zu unserer ausführliche Besprechung des Einzelalbums bei dani books)

Nicolas Tabary 2017 beim Comicfestival in München

„Wie der Vater, so der Sohn!“ (2015): Frisch zurück vom G20-Gipfel in Indien (Treffen der 20 gewichtigsten Herrscher des Orients) erkrankt Kalif Harun al-Pussah – er hat das Fleisch einer heiligen Kuh gegessen! Dem Rinderwahn anheim gefallen kann er seinen Regierungsgeschäften nicht mehr nachgehen, weshalb man ein Erbe sucht. Was sich als schwierig erweist, da der Kalif keine Angehörigen zu haben scheint. So forscht man im Stammbaum und kann ausgerechnet Tunichgut, Isnoguds Mietsklave, als nächsten, wenn auch massiv entfernten Verwandten ausmachen. Isnogud kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und wittert seine Chance, endlich sein lang ersehntes Ziel zu erreichen. Doch dazu muss er erst mal seinen verschollenen (und unbekannten) Vater suchen und finden, der ebenfalls einst nur fast Kalif geworden wäre…

Alle drei Alben zeichnen sich – neben dem allgegenwärtigen Urmotiv, das ja immer Motor der Geschichten ist – durch die typischen Gags aus, die an sich nichts oder wenig mit der Story zu tun haben. Diese beziehen sich gerne auf aktuelle Ereignisse (G20 Gipfel), lassen bekannte Persönlichkeiten auftreten (Prince, Karl Lagerfeld, Lawrence von Arabien), sind schöne Hommagen (so erspäht man Obelix und immer wieder den kleinen Nick, eine weitere Figur, die René Goscinny erfunden hat) oder bestehen aus Meta-Gags, eben wenn die Akteure den Leser direkt ansprechen oder sich auf die Historie der Serie beziehen. Ein Unterschied zu Asterix: Dort ist der Humor vergleichsweise subtil verpackt und in die Story eingebunden, während hier immer wieder die Klamauk-Keule geschwungen wird. Vor allem die Story der ersten Geschichte wird damit zu oft blockiert und holpert so vor sich hin. Zu textlastig, zu viel Brachialhumor. Das wird dann, als Canteloup und Vassilian übernehmen, besser, flüssiger und auch witziger, wenngleich auch hier nicht alle Gags zünden. Trotzdem: Die Serie geht weiter, wie auch Asterix, kommt aber im Gegensatz zu den neuen Abenteuern des kleinen Galliers noch immer aus dem gleichen Stall. Und noch immer jagt der kleine giftige Großwesir vergebens seinem Traum nach… (bw)

Die gesammelten Abenteuer des Großwesirs Isnogud, Buch 10
Text: Muriel Tabary-Dumas, Stéphane Tabary, Nicolas Canteloup, Laurent Vassilian
Bilder: Nicolas Tabary
160 Seiten in Farbe, Hardcover
Egmont Comic Collection
29,00 Euro

ISBN: 978-3-7704-3803-7

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