Huck (Panini) | Comicleser

Huck (Panini)

November 7, 2017

Irgendwo in Amerika ist eine stinknormale Kleinstadt mit einem ganz besonderen Tankwart gesegnet: Huck, von großer Statur und mit einem noch größeren Herzen versehen, ist der städtische Superheld. Der Held des kleinen Mannes, sozusagen. Jeder kennt ihn, jeder schätzt ihn, jeder weiß, dass Huck nie eine Bitte abschlägt. Jeden Tag eine gute Tat, ist seine Maxime und neben den üblichen Helden-Eigenschaften wie Kraft und Schnelligkeit besitzt Huck die Gabe, dass er verlorene Dinge und vermisste Personen zielsicher aufspüren und finden kann. Und: niemand in der Stadt hängt Hucks Kräfte an die große Glocke. Man genießt und schweigt – sowohl Huck, als auch die Bürger. Bis eine „Zugezogene“ der Presse einen heißen Tipp gibt, sich Hucks Leben dadurch schlagartig ändert und windige Politiker ihn für sich vereinnahmen wollen. Und dann ist da noch die Sache mit Hucks Mutter, die einzige, die er nicht finden kann. Sie ist unbekannt, hatte sie ihn als Baby doch ausgesetzt. Mit einer Nachricht, die aus nur wenigen Worten besteht und die alles ist, was Huck von ihr besitzt: „Bitte habt ihn lieb“…

Smallville forever. Starautor Mark Millar (Kick-Ass, Die Ultimativen, Wanted, Kingsman u.v.a.) schnappt sich hier ein bekanntes Motiv aus dem Superhelden-Genre und verleiht ihm ein eigenes „Leben“, indem er es konsequent weiter denkt, zumindest im ersten Teil dieser Miniserie, die Panini hier komplett in einem Band vorlegt. Was, wenn Superman nie aus Smallville weggegangen wäre? Wenn er geblieben wäre und dort mehr oder weniger im Verborgenen seine guten Taten vollbracht hätte? Damit Huck, sein Held, nicht in Versuchung kommt, wie der berühmte Stählerne das Weite zu suchen und Ruhm zu ernten, gibt Millar ihm gleich eine Schwäche mit: Huck ist einfältig und naiv. Nicht unbedingt zurückgeblieben, aber ihm ist es völlig egal, ob er als gute Tat in Afrika Geiseln befreit oder Entenküken über die Straße hilft. Huck wertet nicht. Hauptsache, Menschen (und Tiere) sind wieder glücklich und zufrieden. Dann ist Huck das auch. Nur eines nagt an ihm: wer ist seine Mutter und weshalb hatte sie ihn abgegeben?

Was uns zum zweiten Teil des Bandes bringt. Zuvor kann auch der Presserummel ihn nicht davon abhalten, weiter seinen Weg zu beschreiten. Huck macht es auch nichts aus, dass Reporterscharen ihn auf Schritt und Tritt verfolgen, um seine guten Taten, die er per Liste abarbeitet, für die breite Öffentlichkeit zu dokumentieren. Auch den Gouverneur lässt Huck abblitzen. Er hat nicht das geringste Interesse an übertriebener Zurschaustellung und geht einfach wieder nach Hause. Aber dann wird im zweiten Teil des Bandes doch alles anders, die traute Helden-Idylle endgültig eingetauscht gegen eine furiose Thriller-Handlung: Hucks verschollener Zwillingsbruder Tom taucht auf. Er berichtet ihm von seiner Herkunft (Russland!) und kennt auch den Grund für seine Kräfte (Supersoldaten-Experiment, wieder einmal!). Und noch viel wichtiger: er weiß, wo seine Mutter lebt! Doch das Wiedersehen wird dann doch ganz anders als geplant und gedacht. Denn die dunkle Vergangenheit holt die gerade vereinte Familie schlagartig ein…

Der Schotte Mark Millar haut in schöner Regelmäßigkeit über seine Firma Millarworld hochwertige wie originelle Miniserien raus, die in den USA bei Image und bei uns bei Panini veröffentlicht werden. Und vor kurzem schloss Netflix einen exklusiven und wohl auch Millionen schweren Deal mit Millarworld ab. Serien-tauglicher Stoff ist dabei wahrlich genug vorhanden (Chrononauts, Empress, Starlight, Jupiter’s Legacy…). Hier, bei „Huck“ zeigt Millar einmal mehr das richtige Gespür und ist klug genug, es nicht beim Smallville-Motiv zu belassen, was der zweite action-lastige Teil des Bandes zeigt, der etwas konventioneller und dafür furioser gehalten ist. Die Zeichnungen des Brasilianers Rafael Albuquerque (preisgekrönt für American Vampire) passen bestens zum Stoff. Seine Panels setzen Huck großformatig und ausladend in Szene, voller Dynamik und ausdrucksstark vollbringt er seine Taten, wobei die Farbgebung von Dave McCaig wie handgemacht wirkt. Der Band vereint die kompletten sechs Hefte der Image-Reihe, die einmal mehr bestens unterhält und Millars Story-Qualitäten schon beinahe routinemäßig unterstreicht. (bw)

Huck: Held wider Willen
Text: Mark Millar
Bilder: Rafael Albuquerque, Dave McCaig (Farben)
164 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
19,99 Euro

ISBN: 978-3-741-60261-0

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