Ei8ht, Band 1 (Popcom) | Comicleser

Ei8ht, Band 1 (Popcom)

Juni 5, 2016

Eight, Band 1 (Popcom)

Irgendwo und irgendwann ist Joshua gestrandet. Eigentlich sollte er als Raum-Zeit-Pilot einen Nazi aufspüren und im Gegenzug seine schwer erkrankte Frau gerettet werden. Dann kommt alles anders. Denn Joshua findet sich nach einer Bruchlandung – nur mit bruchstückhafter Erinnerung an seine Vergangenheit – mit seiner Zeitkapsel im Meld wieder. Einem seltsamen, unbestimmten Ort. Dort herrscht in der Hauptstadt ein grausamer Tyrann, dessen rechte Hand, ein General, den man nur den Speer nennt, nicht minder rigoros gegen den Widerstand vorgeht. Dem schließt sich Joshua zwangsweise an, als er von Nila in der Wüstenei des Meld aufgegabelt wird. Nila gehört zu den Aufständischen, die versteckt leben und die ständig auf der Hut vor den Soldaten des Tyrannen sein müssen. Während der die geborgene Zeitkapsel begutachtet und ungeahnte Möglichkeiten entdeckt (bisher gelang es niemand, den Meld zu verlassen), erwägt der Rat der Widerständler, Joshua auszuliefern, um den Tyrannen und den Speer so zu besänftigen. Daraus wird aber nichts. Nicht im Geringsten. Denn Nila, deren Bruder Hari sich inzwischen mit Joshua angefreundet hat, entdeckt auf dessen Arm die Zahl 8. Die sollte Joshua eigentlich nur helfen, die richtige Frequenz des Funkgerätes zu finden, das durch Zeit und Raum reicht, stellt aber auch als Unendlichkeitssymbol das Markenzeichen des Widerstandes dar. Ist Joshua vielleicht eine Art Auserwählter? Kann es gelingen, sich endlich mit seiner Hilfe gegen den bisher übermächtigen Tyrannen zu erheben?

Stranger in a strange land: das Ausgangsmotiv kennen wir. Durch einen seltsamen Zufall gelangt unser Held in eine fremde Welt, auch hier eine Mischung aus Fantasy und Science Fiction, behauptet sich dort trotz aller Widrigkeiten und wird schließlich zum Zünglein an der Waage im Kampf gegen den bösen Widersacher. Diesem wohl bekannten Storybogen (vgl. Lemuria, Drifter, Die Schiffbrüchigen der Zeit) fügt Autor Mike Johnson zwei weitere Elemente hinzu, die äußerst bereichernd wirken und ganz neue Möglichkeiten in Sachen Handlung eröffnen: Zeitreisen. Und der Meld. Zeitreisen kennen wir auch. Aber der Meld ist neu: ein diffuser Ort, an dem jene Dinge, Menschen und Tiere stranden, die der Zeitstrom – warum auch immer – mit sich gerissen hat. Deshalb gibt es dort auch Flugdinos, die als Reittiere fungieren, bunt zusammengewürfelte Technik, die kaum einer kennt und eine archaische Gesellschaft, in der der nicht näher benannte Tyrann herrscht. Nach und nach werden diverse Dinge klar, die wir hier nicht verraten wollen, um die Spannung nicht zu zerstören. Nur so viel: das Schicksal des Nazis wird klar. Eine Parallelhandlung um Dr. Hamm und die taffe Soldatin Collins erklärt uns den Meld näher. Und Joshuas Erinnerung kommt langsam zurück.

Immer wieder lassen sich Querverbindungen in der Story und zwischen den verschiedenen Zeitebenen und handelnden Personen ausmachen, vermuten oder erahnen, was den Leser tief in die Story eintauchen lässt und neugierig macht. Dennoch wird das Spiel mit der Zeit nicht übertrieben (ein Zeitparodox haben wir noch nicht), nur geschickt eingesetzt. Etliche Dinge bleiben dabei noch im Dunkeln oder werden nur angekratzt, was Raum für Fortsetzungen schafft. Der Brasilianer Rafael Albuquerque, der auch bei uns durch seine Arbeit an „American Vampire“ bekannt und mit dem Eisner Award ausgezeichnet wurde, zeichnet nicht sonderlich detailliert, bisweilen auch skizzenhaft, aber immer ungeheuer kraftvoll und doch bestimmt. Beim ersten Blick ins Buch mag man sich über die außergewöhnliche (mutige?) Farbgebung wundern, die sich nämlich genau an den verschiedenen Zeiten orientiert. Jede Zeitebene ist einer bestimmten Farbe zugeordnet. Die Vergangenheit, in der Dr. Hamm und Collins stranden, ist grün unterlegt, die Gegenwart (wobei die bei einem Comic über Zeitreisen äußerst relativ ist) blau. Die Hintergründe des Meld sind in Ockergelb/Sandfarben getaucht. Rot dient in erster Linie als Farbtupfer der Gesichtsbemalung der Widerständler. So setzen die Autoren die ungewöhnlichen Farben als prägendes Stilmittel ein. Gute Idee. Der Band von Popcom fasst die ersten fünf Hefte der Reihe zusammen, die ursprünglich als Webcomic konzipiert war. (bw)

Eight, Band 1: Gestrandet
Text: Mike Johnson
Bilder: Rafael Albuquerque
130 Seiten in Farbe, Hardcover
Popcom
16 Euro

ISBN: 978-3-8420-2061-0

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