Drifter, Band 1 (Cross Cult) | Comicleser

Drifter, Band 1 (Cross Cult)

August 18, 2015

Drifter, Band 1 (Cross Cult)

Raumschiffkapitän Abram Pollux trifft es echt hart. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zuerst crasht er sein Schiff auf einem unbekannten, kargen Planeten. Mit großem Glück überlebt er und kann aus dem versinkenden Wrack entkommen. Am Ufer trifft er dann ein seltsam aussehendes Alien, dem er gleich mal präventiv den Garaus macht, nur um kurz darauf von einem Unbekannten zwei Schüsse in den Rücken gejagt zu bekommen. Nach drei Tagen erwacht er, zusammengeflickt von der taffen Lee, die sowohl als Ärztin wie auch als Soldatin eine gute Figur macht. Lee lebt mit diversen seltsamen Mitbürgern in einer provisorisch anmutenden Blech-Siedlung und eröffnet Abram, dass sein Schiff bereits vor einem Jahr abgestürzt sei. Wie das? Was ist inzwischen geschehen? Was hat Abram in der Zeit getrieben, an die er keinerlei Erinnerung mehr hat? Viel Muße zum überlegen bleibt ihm nicht, denn ständig hindert ihn etwas anderes am Grübeln. Mal trifft er seinen Attentäter wieder, der prompt abhaut und nur weitere Fragen aufwirft. Dann arbeitet er als Tagelöhner im Bergwerk, wo er eine seltsame Substanz von einer noch seltsameren Kreatur abbauen soll. Dazwischen rettet er die Siedlung, indem er einen Schutzschirm reaktiviert. Auf der Suche nach seinem Attentäter erwartet Pollux eine fiese Überraschung, die zugleich eine schöne Hommage an Sergio Leones ‚Zwei glorreiche Halunken‘ ist…

Im ersten Band liegen die Rollen der Personen und deren Motive noch im Dunkeln. Und nach und nach, aber beeindruckend konsequent, wird ein Mysterium um Pollux und die unbekannte Welt aufgebaut, das sich in alle Richtungen ausbreitet. Natürlich möchte er seine unbekannte Vergangenheit aufklären doch verhält er sich dabei impulsiv und draufgängerisch, agiert ohne Rücksicht auf (eigene) Verluste, gerät dadurch in Schwierigkeiten und wird zum Helden aber auch zum Spielball dieser ungastlichen Endzeitwelt. Seine Aufklärungsquote ist somit freilich gleich null. Aber so sind die einzelnen Kapitel sehr unterschiedlich und sorgen damit für massive Abwechslung und Kurzweil beim Leser. Und wirken mitunter wie ein Videospiel, das jede neue Episode als einzelnes Level präsentiert, bis nach und nach Zusammenhänge sichtbar werden. Aber noch bleibt es völlig mysteriös, was Pollux in der Welt zu suchen hat, die Handlung geht eher in die Breite als stringent nach vorne. Die verschiedenen Facetten der Welt werden präsentiert und vorgestellt, ehe es mit Abrams Geschichte weiter geht und Band 1 schließlich mit einem veritablen Cliffhanger endet.

Die limitierte Vorzugsausgabe

Die limitierte Vorzugsausgabe

Die Bilder des gebürtigen Düsseldorfers Nic Klein beeindrucken. Sie sind aufwendig und dadurch, dass der Zeichner auch die Kolorierung besorgte, wirken die Panels stimmig und nuanciert. Eine Optik wie aus einem Guss. Als Orientierung lassen sich Parallelen zum Stil des legendären Blueberry-Zeichners Jean Giraud erkennen (man beachte einen Grabstein auf dem Friedhof). Auch Colin Wilsons Strich geht in dieselbe Richtung (der Neuseeländer besitzt ja ebenfalls reichlich SF-Erfahrung). Klein hat erfolgreich im amerikanischen Comicmarkt Fuß gefasst und bereits u.a. für Marvel an Captain America und Thor gearbeitet. Drifter erscheint aktuell bei Image Comics und rangiert optisch an der Spitze der gängigen US-Comics. Das Motiv des Draufgängers, der sein Heil in einer ihm fremden Welt sucht, ist in der Science Fiction nicht neu (John Carter, Planet der Affen etc.), erfährt hier aber durch Autor Ivan Brandon eine erfrischende und actionreiche Variation.

Der Band fasst die die ersten fünf US-Hefte zusammen, in den USA ist man schon bei Ausgabe 8 angelangt. Es existiert eine bereits verlagsvergriffene, auf nur 222 Stück limitierte Vorzugsausgabe (€ 39,80) mit einem von Nic Klein signiertem Druck. (bw)

Drifter, Band 1: Crash
Text: Ivan Brandon
Bilder: Nic Klein
128 Seiten in Farbe, Hardcover
Cross Cult
25 Euro

ISBN: 978-3-86425-678-3

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