Black Panther, Band 1 (Panini) | Comicleser

Black Panther, Band 1 (Panini)

March 9, 2017

Etwas ist faul im Staate Wakanda. Ein Land im Herzen Afrikas, das doch bisher auf seine Art ein Vorzeigestaat war: ein reiches Land, maßlos reich. Dazu im Besitz von einzigartigen futuristischen Technologien, was mit dem seltenen Metall Vibranium zusammenhängt, das außerirdischen Ursprungs ist und nur hier vorkommt und das als unerschöpfliche Energiequelle gilt (auch Captain Americas Schild besteht daraus). Wakanda war ein Musterländle, ein vorbildlicher Sozialstaat voller schlauer und gebildeter Köpfe, dem als König von Generation zu Generation der Black Panther vorstand und dies noch tut. Nur mit der Herrlichkeit ist es nun vorbei. Wakanda und sein König T’Challa mussten in der jüngeren Vergangenheit viel erleiden: fremde Invasoren, den Tod von T’Challas Schwester. All das hat den Herrscher, den man nun den Waisenkönig nennt, von seinem Volk entfremdet, wie auch umgekehrt. Und war doch erst der Anfang.

Denn noch immer brodelt es in dem zentralafrikanischen Land, vor allem an dessen Grenzen, wo der starke Arm des Staates seine Macht verloren hat. Hier bestimmen Warlords das Geschehen und Korruption ist an der Tagesordnung. Dann taucht auch noch der mächtige Schamane Tetu auf, der mit der Metadame Zenzi (nein, sie stammt nicht aus Oberbayern) paktiert, um die Arbeiter, die das Vibranium abbauen, gegen den Staat und dessen König aufzuwiegeln. Oder die Kriegerin Aneke, die zum Tode verurteilt und anschließend von Ayo, ihrer Geliebten, befreit wird. Ayo hat die Prototypen zweier Kampfrüstungen gestohlen und gemeinsam mit anderen bilden sie nun die Midnight Angels, die losgelöst von Staat und Gesetz eigenmächtig gegen Korruption und Unrecht vorgehen. T’Challa, der noch immer den Tod seiner Schwester verkraften muss, sieht sich bald gezwungen, an mehreren Fronten sein Land und seine Stellung zu verteidigen.

Die limitierte Ausgabe

Was ist Recht, was ist Unrecht? Die neue Reihe um den afrikanischen Superhelden, der sein Debut 1966, von Stan Lee und Jack Kirby geschaffen, in der Fantastic Four-Heftreihe feierte und später zum Rächer wurde, kommt bisweilen sehr philosophisch daher. Die Texte aus dem Off sind wortgewaltig und bedeutungsschwanger. Es wird John Locke zitiert, der sich schon im 17. Jahrhundert philosophisch mit der Thematik der Legitimation von Regierenden und Regierten auseinandersetzte. T’Challa muss verstehen lernen, warum ihn das Volk, das in der Vergangenheit nie Grund zur Klage hatte, nicht mehr schätzt. Gewalt scheint keine Lösung. So hört er auf seine Stiefmutter und nähert sich dem Volk wieder an. Das Motiv der politischen Entfremdung ist sicher dem Autor geschuldet. Ta-Nehisi Coates (der Vorname kommt aus dem Ägyptischen), wie Zeichner Brian Stelfreeze aus afroamerikanischer Familie stammend, feiert hier sein Debut als Comic-Autor (sein Vater war übrigens Mitglied der Black Panther Party – ‘nuff said) und machte sich u.a. als politischer Autor und Journalist einen Namen.

Dazu kommt: die Serie lässt sich völlig losgelöst von den bisweilen komplexen Verflechtungen des Marvel-Universums lesen. Sie spielt komplett in Wakanda, es gibt keine prominenten Superhelden-Gaststars, um die Reihe zu befeuern. Dennoch ist die Handlung durchaus vielschichtig und nicht immer gleich nachvollziehbar. Zeichner Brian Stelfreeze versucht dabei mit seinem kräftigen und immer klaren, realistischen Strich eine Schnittstelle zwischen Tradition und Moderne, die in Wakanda stets nebeneinander existieren, herauszuarbeiten. Was bestens aussieht und funktioniert. Ob es wirklich zur offenen Revolution gegen T’Challa und die Herrscherfamilie kommt, wird der zweite Band zeigen. Ausgabe 1 enthält die ersten vier US-Hefte der neuen „Black Panther“-Serie von 2016. Auch von diesem Band stellt Panini für Sammler eine Variant-Cover-Ausgabe zur Verfügung, die auf nur 333 Exemplare begrenzt ist und jeweils 20 € kostet. Ein kurzes Interview mit Brian Stelfreeze und ein kleiner Einblick in den Schaffensprozess samt Skizzen (inkl. Landkarte von Wakanda!), sowie eine Covergalerie runden den Band ab. (bw)

Black Panther, Band 1: Ein Volk unter dem Joch
Text: Ta-Nehisi Coates
Bilder: Brian Stelfreeze
108 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
14,99 Euro

ISBN: 978-3-7416-0119-4

Tags: , , , , , ,

Comments are closed.