Freaks‘ Squeele (Hauptserie), Band 1 (Splitter) | Comicleser

Freaks‘ Squeele (Hauptserie), Band 1 (Splitter)

Januar 15, 2016

Freaks' Squeele (Hauptserie), Band 1

Studentenleben, das ist lustig, da wird doch in erster Linie gefeiert, rumgegammelt und ab und an eine Vorlesung besucht. So entnehme ich das zumindest dem Hörensagen, bei mir war das immer irgendwie anders. So radikal anders als für Chance und Xiong Mau allerdings dann doch nicht – kaum verwunderlich, schreiben sich die beiden doch nicht an irgendeiner Universität ein, sondern an der Fakultät für akademische Helden-Studien, kurz F.A.H.S. Dort lehrt man nicht Elektrotechnik oder Sozialpädagogik, sondern bildet begabte junge Wesen (nicht nur Menschen!) zu angehenden neuen Superhelden aus. Neben den zentralen Fertigkeiten wie Beherrschen ihrer Fähigkeiten und Überleben im Kampf lernen die staunenden Schüler auch Marketing und PR (ein Superheld will ja auch ordentlich positioniert werden). Mit bestandenem Diplom winkt dann eine garantierte Festanstellung an der Uni, um dem Heldendasein ungehindert frönen zu können. Beim Einschreibungstag werden Chance und Xiong Mau in eine Lerngruppe zusammengewürfelt, wozu sich dann auch noch ein ebenso gewaltiges wie scheues Hundewesen namens Schatten gesellt.

Diese bunte Truppe, bald von den Mitschülern herablassend Scooby Doo Gang genannt, tut sich reichlich schwer mit den gestellten Aufgaben, wie etwa Kampftechnik oder auch heldengerechtes Kostümieren, und vor allem Xiong Mau darf sich zusätzlich noch mit den Diva-Allüren ihrer Zimmergenossin Amanita herumschlagen. Bei einer der Übungseinheiten kommt es dann zu einer brenzligen Situation: die Firma, die für die Lieferung der Monster (jaja) zuständig ist, lässt aus Versehen neben einem harmlosen auch noch ein wahrlich bedrohliches Untier auf die auf dem Campus verstreuten Schülergrüppchen los. Nur durch das Eingreifen einer mysteriösen Gestalt – einarmig, entstellt, seltsam gekleidet und mit einem abgebrochenen Schwert bewaffnet – gelingt es den Dreien, die Viecher in die Flucht zu schlagen. Der Retter stellt sich als Prätorius Totenfeier vor und warnt eindringlich, nachts alleine auf dem Campus herumzulaufen. Xiong freundet sich einstweilen ein wenig mit dem spaßigen Wechselbalg Changelin an, das sich immer zum ungünstigsten Zeitpunkt in einen Mann verwandelt, bevor wir dann erleben, wie sie des nachts in einer Krypta ein Instrument schmiedet, das verdächtig nach dem Schwert von Herrn Totenfeier aussieht. Und auch die Direktoren der Schule scheinen alles andere als ehrenwerte Herrschaften zu sein – hinter vorgehaltener Hand spricht man darüber, bald alle Schulen des Landes zu kontrollieren, und ein Tor zu einem nicht näher bezeichneten Abgrund scheint dabei eine durchaus gewichtige Rolle zu spielen…

In seinem Euro-Manga rührt Zeichner und Autor Florent Maudoux eine bunte Mischung aus so ziemlich allem an, was in der Welt des Übernatürlichen Rang und Namen hat – etwas ähnliches würde herauskommen, wenn Buffy Summers das erste Semester in Hogwarts besucht, das von Professor Xavier betrieben wird. Mit viel Augenzwinkern und hintersinnigen Rückbezügen nimmt Maudoux den Superheldenmythos aufs Korn – im Gegensatz zu Xaviers Schule für begabte Jugendliche, in der Geld irgendwie keine Rolle zu spielen scheint, lassen sich die Schüler hier ihre Ausbildung ein kleines Vermögen kosten, die Betreiber wollen eine möglichst gute Rendite erwirtschaften und lancieren so gezielt Medienberichte und PR. Die Streitigkeiten unter den Studenten scheinen direkt diversen Teenie-Highschool-Romanzen entsprungen; das bei Buffy noch symbolische Anderssein der Heranwachsenden wir hier durch allerlei Viehzeug, Mutanten und Hexen direkt inszeniert, und wie Sunnydale High liegt auch die Heldenuniversität offenbar direkt auf einem Höllenschlund. Der gewaltige, aber sanfte Hund Schatten bringt ein leichtes Flair von Hellboys B.U.A.P., während im Kostümwettbewerb und der leichten Bekleidung der Damenwelt auch die optische Umsetzung der Superhelden-Stoffe ironisch thematisiert wird („Man kann nicht gerade behaupten, dass Vinyl deinen Oberschenkeln schmeichelt“, darf sich Xiao anhören).

Die einzelnen Prüfungen wirken dabei teilweise wie Levels aus einem PC-Game, die es zu bestehen gilt, um die nächste Ebene zu erreichen. Spätestens mit dem Erscheinen von Prätorius Totenfeier – dem zwielichtigen Gesellen, dem Maudoux auch ein ganz eigenes Spin Off widmete (HIER unsere Besprechung) – kommt allerdings auch ein Hauch Bedrohung und Mystik ins Geschehen, das sich durch die geschickt gestreuten Andeutungen und Nebenszenen somit zu einem unterhaltsamen, teilweise satirischen, immer spannenden Geheimnis verdichtet, das Maudoux in einer ganz eigenen Form domestizierten Mangas inszeniert, mit großen Augen, knalligen Farben und behutsamer Stilisierung, die aber die Grenze zum Surrealen nie übersteigt. Witzig, schmissig, schnell, intelligent. Vielleicht sollte ich doch nochmal ein Aufbaustudium machen. Oder vielleicht auch nicht. Band 2, „Die Ritter, die nicht mehr Ni sagen“ (schon wieder diese Anspielungen), ist für April angekündigt. (hb)

Freaks‘ Squeele Hauptserie, Band 1: Ein seltsames Uni-Leben
Text & Bilder: Florent Maudoux
144 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
22,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-089-8

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