Flash Gordon, Band 2 (Hannibal) | Comicleser

Flash Gordon, Band 2 (Hannibal)

Februar 24, 2020
Flash Gordon, Band 2: Der Tyrann von Mongo (Hannibal Verlag)

Gerade noch können Flash, Dale und Dr. Zarkov den Häschern von Ming entkommen und finden bei Prinz Barin Unterschlupf, dem Herrscher der Waldmänner. Der hat inzwischen Mings Tochter Aura geehelicht, was allerdings kaum dazu beiträgt, dass ab jetzt Beschaulichkeit einkehrt: auch in Arboria lauern Gefahren, etwa in Gestalt der grimmen Affenmenschen oder des Verräters Grombo, der versucht, das Kopfgeld zu kassieren, das Ming auf den blonden Erdenmann ausgesetzt hat. Tatsächlich fällt Flash seinem Erzfeind in die Hände und wird in der Hauptstadt Mingo publikumswirksam hingerichtet – allerdings nur scheinbar, denn der Arzt Dr. Bono rettet Flash mit einer Schlafdroge das Leben. Unterstützt von Dr. Zarkov und Dale, taucht Flash bei den Freimännern unter, einer Gruppe von Widerständlern, die sich ihm vereint im Groll gegen den Tyrannen begeistert anschließen. Besonders angetan zeigt sich dabei Sonja, die Tochter des Grafen Bulok, die mehr als nur ein Auge auf Flash wirft, was Dale natürlich gar nicht schmeckt. In einer unterirdischen Toteninsel schlagen die Aufständischen ihr Lager auf, während Flash mit Kapitän Sudin einen weiteren Verbündeten aus Mings Marine gewinnt. Mit vereinten Kräften gelingt es, den Gewaltherrscher zu entführen, aber die von Flashs Zurückweisung gekränkte Sonja befreit Ming gegen das Versprechen, Kaiserin von Mongo zu werden (was der natürlich gerne einlöst, Sonja allerdings im nächsten Moment hinrichten lässt – Fall gelöst).

Schließlich gelingt Flash und seinen Freunden die Flucht zurück nach Arboria, wo Prinz Barin stolz verkündet, dass er mittlerweile Vater des Thronfolgers Prinz Alan geworden ist. Großvater Ming versucht natürlich umgehend, das Kind als Faustpfand in seine Gewalt zu bringen, was Flash und Barin gerade noch verhindern können. Um die junge Familie nicht länger in Gefahr zu bringen, begibt sich Flash mit dem edlen Ronal auf eine Expedition ins wilde Nordland Mongos, wo ihr Raketenschiff in einem gewaltigen Schneesturm abstürzt. Im ewigen Eis lauert allerlei Kroppzeug, aber Flash und seine Gefährten werden von Fria, der Königin des Eislandes Frigia, und ihrer Armee aufgegriffen und gerettet. Auch Fria hegt alsbald zarte Gefühle für Flash, was den beiden Anwärtern auf die Krone Frigias, den Grafen Malo und Korro, überhaupt nicht gefällt. Als barbarische Sklavenjäger Dale in die Fänge des wilden Königs Brukka entführen, startet Flash eine waghalsige Rettungsaktion. Nach allerlei weiteren Abenteuern im Eisland kehrt man zurück nach Arboria, aber immer noch kehrt keine Ruhe ein: Dale wird von Mings Geheimdienst entführt, und einmal mehr macht sich Flash auf in Richtung Mingo, um seine Geliebte zu befreien…

Auf den Sonntagsseiten vom 25.04.1937 bis 12.01.1941, die dieser voluminöse zweite Band der aufwändig restaurierten Gesamtausgabe umfasst, schwang sich Alex Raymond endgültig zu der Meisterschaft empor, die sein Schaffen so stilprägend machen sollte. Standen die Panels in den ersten Abenteuern Flashs noch hübsch regelmäßig nebeneinander, bricht Raymond die Struktur der Seite bewusst auf, kombiniert unterschiedliche Formate und lässt einzelne Szenen geradezu hervorspringen. Nach den fast noch cartoonhaften Anfängen setzt Raymond zunehmend auf realistische Physiognomie, die er (wie Jahrzehnte später auch Alex Ross) häufig aus eigens arrangierten Aktmodellen übernahm. Auch die exotischen Landschaften, futuristischen Gefährte und ausgedehnten Stadtansichten gestaltet Raymond immer opulenter, kulminierend in den Eiswüsten Frigias und den Ansichten von Mingo (bei denen mehr als einmal Fritz Langs Metropolis Pate gestanden haben dürfte, ebenso wie beim Bildübertragungssystem Space-O-Phon). Beflügelt durch den enormen Erfolg der Comicserie schob man (auch beeindruckt von Orson Welles‘ spektakulärer Radiofassung des „Krieg der Welten“) 1938 das zweite Flash-Kino-Serial „Flash Gordon’s Trip To Mars“ nach, das sich weniger streng an die Vorlage hielt als der Vorgänger (hier traten Flash und seine Freunde gemeinsam mit den Lehmmenschen gegen Ming und die böse Marskönigin Azura an), aber spätestens mit dem dritten und letzten Serial „Flash Gordon Conquers The Universe“ kamen dann 1940 Prinz Barin und auch Königin Frigia und Lady Sonja zu Leinwand-Ehren, als Flash in den Eiswüsten Mongos nach einem Gegenmittel gegen den purpurnen Tod sucht.

Aber nicht nur auf der Leinwand dominierten die Sonntagsstrips um den blonden Proto-Superhelden: flankiert von Kinoserials, Magazinen, Romanen, Merchandise-Artikeln und sogar einem speziellen Raumschiff-Simulator auf der Weltausstellung in Queens 1939 (!), beeinflusste Raymonds Werk eine ganze Generation von Comickünstlern und Filmemachern. Dass Flash die Blaupause für so ziemlich alle Superhelden des Golden Age sein dürfte, wird in diesen späteren Strips überdeutlich: da tritt Dale bei den Waldmenschen in einem Kostüm auf, das mehr als offenkundig die Vorlage für den 1940 von Bob Kane eingeführten Batman-Sidekick Robin liefert, und Flashs Verkleidung als einer von Mings „Technikern“ stand mit rotem Trikot und gelbem Blitz optisch zweifelsohne Pate für den Look des Silver Age-Flash (nomen est eben omen) aus der Zeichenfeder von Carmine Infantino. Aber auch die bekannteste SF-Saga überhaupt steht unübersehbar tief im Schatten von Alex Raymond: „Eigentlich wollte ich ja einen Flash Gordon-Film machen, mit allem Drum und Dran“, so George Lucas, der in den 70ern bekanntlich zunächst das Projekt einer Flash-Verfilmung verfolgte, allerdings am Erwerb der Rechte scheiterte.

Aber der „Krieg der Sterne“ steht dennoch tief in Flashs Schuld, angefangen von den ikonischen eröffnenden Textpassagen bis hin zu den Charakterkonstellationen. Vor allem die Eiswelt von Frigia mit ihren tödlichen Stürmen dürfte Lucas zu den Szenen auf dem Eisplaneten Hoth inspiriert haben, komplett mit den exotischen Reittieren, auf denen unsere Helden sich bewegen. Selbst frisur- und accessoir-technisch zeigte sich Lucas beeindruckt: Leias ikonische Schneckenwickel in den Haaren trug Jahrzehnte zuvor auch Königin Fria sehr apart, und mehr als eine Dame wandert in dem Kleidungsstück umher, das als „Princess Leia’s Golden Bikini“ Heerscharen von jungen Knaben den Schlaf raubte. In der Zusammenschau der Strips schön auch die schneller gestaltete Handlungsführung mit den immer wiederkehrenden Motiven Idylle, Verrat, Flucht und Kampf, wobei sich größere Handlungszyklen trotz aller Dauer-Cliffhanger durchaus unterscheiden lassen. Der vorliegende, wieder wunderbar eingerichtete Band enthält auf 208 Seiten die Handlungsbögen „Die Tiermenschen von Mongo“ (25.04.1937-08.08.1937), „Die Geächteten von Mongo“ (15.08.1937-29.05.1938), „Der Tyrann von Mongo“ (05.06.1938-05.03.1939), „Das Eiskönigreich von Mongo“ (12.03.1939-07.04.1940) und „Die Techniker von Mongo“ (14.04.1940-12.01.1941), ergänzt durch ein Vorwort und einen Anhang mit reichlich Zusatzinformationen. Wir hoffen auf Fortsetzung. (hb)

Flash Gordon, Band 2: Der Tyrann von Mongo – Die Sonntagsseiten 1937-1941
Text & Bilder: Alex Raymond
208 Seiten in Farbe, Hardcover, Querformat
Hannibal Verlag
35 Euro

ISBN: 978-3-85445-676-6

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