Conan der Cimmerier, Band 6 (Splitter) | Comicleser

Conan der Cimmerier, Band 6 (Splitter)

Januar 16, 2020
Conan der Cimmerier, Band 6: Schatten im Mondlicht (Splitter Verlag)

Ruppig geht es wieder einmal zu für den Cimmerier: da hat er sich einer wilden Horde von Kozaken angeschlossen und gerät mitsamt seinen neuen Kumpanen in eine Falle. Der Hyrkanier-König Shah Amurath macht nämlich mit der Truppe kurzen Prozess und metzelt tausende Kozaken gnadenlos nieder, Conan kommt nur mit List und Tücke mit dem Leben davon. Man sieht sich aber ja bekanntlich stets zweimal im Leben: als Shah Amurath seine entlaufene Frau Olivia sucht, läuft er dem grimmen Barbaren über den Weg, der ihn nach allen Regeln der Kunst zur blutigen Rechenschaft zieht. Dann heisst es aber Beine in die Hand nehmen, wobei sich Olivia dem Cimmerier kurzerhand anschließt, der übers Meer von Vilayet rudert.

Auf einer hübsch anzuschauenden Insel landet man glücklich an und stellt gleich beim ersten Erkundungsgang fest, dass hier irgendetwas nicht stimmt: aus dem Dschungel heraus bewirft man die beiden mit massiven Felsbrocken. Alsbald stößt der Erkundungstrupp auf Ruinen, die Schutz für die Nacht versprechen. Aber Olivia wird von fürchterlichen Alpträumen heimgesucht, in denen die gewaltigen Metallstatuen, die die Innenräume zieren, zum Leben erwachen und eine geisterhafte Figur quälen. Entsetzt fliehen Olivia und Conan ins Freie und stellen am nächsten Morgen fest, dass sie auf der Insel nicht mehr alleine sind: eine Horde Piraten überfällt sie und überrumpelt den Hünen hinterrücks. Olivia muss mit ansehen, wie die Freibeuter ihren Gefangenen vor den Tempel schleppen, wo das absolute Grauen wartet…

Mit „Shadows in the Moonlight“ rückte Robert E. Howard 1932 erneut eine Frauenfigur ins Zentrum des barbarischen Geschehens. Waren es in Gestalt von Ymirs Tochter und der Piratin Belit bislang jeweils mythische oder in ihrer Stärke fast schon symbolische weibliche Gestalten, liefert Olivia anfangs die typische Dame in Gefahr, die von Conan vor ihren Peinigern gerettet wird. Dabei wird ein Leitmotiv klar, das sich durch das gesamte Howard-Universum zieht: die so genannte Zivilisation erscheint korrupt und schwach, der angebliche Barbar dagegen bei aller Gewalt ehrenhaft und aufrichtig: „Wir verkaufen unsere Kinder nicht“, kommentiert der Cimmerier knorrig Olivias Erzählung, sie sei von ihrem Vater an Shah verschachert worden. Als man sich dann den drei typischen Gefahren des hyborischen Zeitalters gegenübersieht – Piraten (in Form der Roten Bruderschaft, die sich noch öfter die Ehre gibt), monströsen Tieren und schwarzer Magie – kommt es allerdings zu einer erstaunlichen Wendung: es ist Conan, der schließlich von der mutigen Olivia gerettet wird, die er als frisch gebackener Piratenkapitän als seine „Königin des blauen Meeres“ auf große Fahrt mitnimmt.

Auch wenn die Erzählung, die erst 1934 in Weird Tales erschien, streckenweise wirkt, als ob Howard nach dem Motto „more thrills – more fun!“ verfahren wäre, ergibt sich durch das spannende Geschlechterrollenspiel und den alten Konflikt Zivilisation – angebliche Barbarei doch einiges an inhaltlicher Masse und Verortung im Conan-Universum. Das Licht der Comic-Seiten erblickte die Story bereits mehrfach: schon 1974 verliehen Roy Thomas und John Buscema in Ausgabe 4 von „Savage Sword of Conan“ der Geschichte ihren klassischen Touch, und in der Conan der Cimmerier-Serie von 2010 befassten sich ebenfalls diverse Ausgaben mit dem ungewöhnlichen Team Up. In der aktuellen Serie darf sich für diese Episode Virginie Augustin (u.a. Alim der Gerber, Das Schattenreich von Troy) versuchen, die Wort und Stift gleichermaßen virtuos erledigt: ausladende Panels, die vor allem die Exotik der Insel sowie die alptraumhafte Atmosphäre der uralten Kultstätte kongenial spiegeln. Ein weiterer furioser Beitrag zur Serie, die mit „Aus den Katakomben“ und „Der schwarze Kreis“ ihre Fortsetzung finden wird. (hb)

Conan der Cimmerier, Band 6: Schatten im Mondlicht
Text: Virginie Augustin, nach Robert E. Howard
Bilder: Virginie Augustin
64 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
16 Euro

ISBN: 978-3-96219-207-5

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