Lanfeust von Troy, Band 1 (Splitter) | Comicleser

Lanfeust von Troy, Band 1 (Splitter)

May 3, 2018

Magie und „Super“-Kräfte bestimmen den Alltag weiter Teile der Welt von Troy. Denn dort, wo einer der Weisen von Eckmül seinen Dienst tut, verleiht dessen magische Aura, die wiederum von dem sagenumwobenen Fabeltier Magohamoth stammen soll, den Bürgern übernatürliche Gaben. Die können unnütz, bestenfalls kurios sein, aber auch sinnvoll, mächtig und gewinnbringend. Lanfeust beispielsweise, der in dem Dorf Glinin lebt, kann mit seinem Blick Metall schmelzen, weshalb er folglich auch als Schmied arbeitet. Eines Tages muss er das Schwert von Ritter Blaugold reparieren. Als er den Griff der Waffe anfasst, durchströmt ihn mächtige Magie, woraufhin er zum Erstaunen von Meister Nicolas, die absolute Kraft offenbart. Der Grund: der Elfenbein-Knauf des uralten Schwertes stammt von jenem Magohamoth, dem Quell aller Magie in der Welt Troy. Nicolas will die Nachricht den Weisen des Konservatoriums von Eckmül überbringen, schnappt sich dazu Lanfeust und macht sich gemeinsam mit seinen ungleichen Töchtern Cixi und C’ian auf die beschwerliche, lange und vor allem gefahrvolle Reise dorthin…

Jetzt also doch. Nachdem vor Jahren schon diverse Troy-Ableger im Splitter Verlag erschienen sind („Gnome von Troy“, „Die Kriegerinnen von Troy“ usw.) schafft nun auch die Hauptserie den Sprung vom Carlsen-Softcover zum Splitter-Hardcover. Mit „Lanfreust von Troy“ gelang Autor Christophe Arleston ab 1994 der Durchbruch, er fand seine Serienblaupause und schuf zugleich sein wichtigstes und erfolgreichstes Fantasy-Universum. Hier kombiniert er Elemente aus dem Fantasy- und dem Superhelden-Genre, reichert sie mit etwas Humor an, konstruiert ein Alben übergreifendes Hintergrundmotiv und präsentiert all dies mit einer Leichtigkeit, die in ihrer Mischung für beste Unterhaltung sorgt. Dazu gehören natürlich auch starke Charaktere: Neben dem unbekümmerten Lanfeust bringen vor allem die beiden Schwestern Pfeffer in die Geschichte. Die ungestüme Cixi betört Lanfeust, ohne dass der dies merkt, denn er hat nur Augen für C’ian, deren Fähigkeit darin besteht, nur in der Nacht Verletzungen heilen zu können.

Oben die alte, unten die neue Kolorierung

Für den Spaßfaktor sorgt der „gezähmte“, weil verzauberte Troll Hebus, der ständig von einem Schwarm Mücken umkreist wird. Das große Ganze hat Meister Nicolas im Blick, der die Tragweite des Geschehens erkennt und der in der Hauptstadt Eckmül, gleichzeitig das Zentrum der Weisen, vorstellig werden will. Kleine originelle Details, die zum Teil in den Textkästen süffisant beschrieben werden, reichern die Story zusätzlich an. Wie der Petaurus, ein riesiges, gutmütiges Reittier, das sich aber nur in Bewegung setzt, solange sein Reiter fröhliche (und wahlweise auch frivole) Liedchen anstimmt. Oder der Schlussgag, der den kompletten Reiseweg nach Eckmül ad absurdum führt. Auch der Zeichenstil von Didier Tarquin, der der Serie bis heute die Treue hält, ist typisch für Arleston-Titel, pendelt er doch irgendwo zischen Realismus und Funny-Stil (siehe auch u.a. „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“ und „Sangre“).

Die Geschichte von Lanfeust in Deutschland begann zwischen 1995 und 1999 im alten Splitter Verlag, wo die ersten sechs Bände der Serie erschienen. Mit dem Wechsel zu Carlsen 2001 startete die Serie von vorne und wurde bis 2016 in drei Zyklen fortgeführt, wobei der letzte, „Lanfeust Odyssee“, nicht beendet wurde. Daneben erschienen bei Carlsen zwei Sekundär-Bände der „Enzyklopädie von Troy“ – diesmal sogar als Hardcover – deren Inhalt hier in der Neuausgabe für die Zusatzseiten „verbraten“ werden – ein feiner Zug und eine gute Idee, die Hintergrundwissen über die Welt von Troy liefert. Ob der Serien-Ableger „Troll von Troy“ (bisher 19 Bände bei Carlsen) auch bei Splitter einen Neustart erfährt? Wir sind gespannt. Einstweilen begnügen wir uns mit der Hauptserie, die hier übrigens mit einem Update daherkommt, sprich: mit einer Neukolorierung. Die ist moderner, wirkt plastischer, aber auch düsterer. Das mag vielleicht Puristen stören, stellt im Grunde aber keinen Faktor dar und fällt ohnehin nur ins Gewicht, wenn man alt mit neu direkt vergleicht. Monatlich erscheint ein neuer Band der Serie, die Geschichte um Lanfeust geht also zügig weiter. (bw)

Lanfeust von Troy, Band 1: Das Elfenbein des Magohamoth
Text: Christophe Arleston
Bilder: Didier Tarquin
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
15,80 Euro

ISBN: 978-3-96219-094-1

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