Odyxes, Band 1 (Splitter) | Comicleser

Odyxes, Band 1 (Splitter)

September 16, 2015

Odyxes, Band 1 (Splitter)

Oscar Rimbaud trägt einen berühmten Nachnamen, lebt aber ‚nur‘ als Medizinstudent in Paris, der gerade ein Praktikum in einer Klinik absolviert. Oder auch nicht, denn als wir ihn erstmals treffen, ist er Kapitän einer kleinen griechischen Flotte, die irgendwann in der Antike nahe der ägyptischen Küste einem gewaltigen Sturm trotzt. Eben noch Gegenwart – jetzt Antike, Oscar – oder Odyxes, wie er von seiner Mannschaft genannt wird – weiß kaum, wie ihm geschieht, ihm bleibt keine Zeit zum langen Grübeln. Als Kapitän erwartet man von ihm Entscheidungen und Befehle. Und so beschließt er, das ägyptischen Auaris anzulaufen, um seine arg ramponierten Schiffe dort reparieren zu lassen. Dafür braucht er Geld, das er nicht hat. Doch Odyxes, der noch immer keine Ahnung hat, wie und warum er sich in der Antike wiederfindet, ist erfinderisch, spielt seine ‚futuristischen‘ Kenntnisse aus, und lässt einen Destillations-Apparat bauen, den er als Göttergeschenk tarnt. Pastis im alten Ägypten! Der Handel mit dem Schnaps floriert und bringt das nötige Geld zum Verlassen des Landes. Schließlich wird der Pharao, der überall Spione unterhält, auf ihn aufmerksam. Und hat eine faustdicke Überraschung für Odyxes parat…

Menschen, die von höheren Wesen gelenkt oder beeinflusst werden. Ein Zeitreisender in einer antiken Vergangenheit. Vielschreiber Arleston (die Troy-Titel, ‚Chimaira 1887‘ und etliche andere, zumeist bei Splitter oder Carlsen) zitiert sich hier bei ersterem selbst (‚Die Schiffbrüchigen von Ythaq‘) und greift daneben ein bekannt-beliebtes Motiv aus der Science Fiction auf. Schon Mark Twain ließ seinen Yankee zu König Arthur zurückreisen, um so Gesellschaftskritik zu üben. Die spart sich Arleston jedoch weitgehend (wir lernen aber, dass die alten Ägypter genauso kapitalistisch gepolt sind wie wir), erweitert das Motiv aber um eine Fantasy-Komponente, die im Auftakt nur angerissen und nicht näher beleuchtet wird. Es handelt sich um das Warum. Warum wurde Arthur in die Vergangenheit geschickt? Und wer steckt dahinter? Offenbar spielt die antike Mythologie hier eine gewisse Rolle. Wie man es storytechnisch stets von Arleston gewohnt ist, bietet er so diverse Möglichkeiten an, wie die Geschichte weiter geht: wie wird es Odyxes in Ägypten ergehen? Trifft er seine Freunde wieder? Was stellt er noch mit seinem anachronistischen Wissen an? Tauchen noch weitere Zeitreisende auf? Was hat es mit der mythologischen Rahmenhandlung auf sich? Genug Stoff für den Autor, die Serie beliebig lange auf dem heißen Herd zu behalten (wie bei seinen ‚Die Schiffbrüchigen von Ythaq‘). Und da Arleston eigentlich immer beste Unterhaltung garantiert, hoffen wir das auch.

Wie der Leser wird Oscar/Odyxes buchstäblich ins kalte Wasser geworfen. Arleston platzt mit dem Auftakt sofort mitten in das stürmische Geschehen. Erklärungen folgen später, zuerst heißt es die neue Situation zu akzeptieren und zu meistern. Das Verstehen kommt noch. Was in der Gegenwart geschah, wird nur gestreift. Die Rolle der geheimnisvollen Helene Paris, die Oscar erfolgreich umgarnt und die mit seiner Zeitreise zu tun hat, bleibt noch im Dunkeln. Die Haupt-Story im alten Ägypten macht richtig Laune, was auch an den starken Charakteren (der gierige Kaufmann Pturah, Odyxes ergebene Freunde Erlokh und Plothes und schließlich der Pharao) und der flotten Inszenierung liegt, die sich um irgendwelche Zeitparadoxa (noch) nicht schert. Wie so oft hat Arleston auch hier mit Steven Lejeune (bekannt durch ‚Die Chroniken von Sillage‘) einen Zeichner gewählt, dessen Stil einerseits ans Funny-Lager klopft, der Gesichter kantig und vereinfacht darstellt und der aber trotzdem bei der Darstellung von Stadtansichten beeindruckend detailliert realistische Panoramen abliefert, egal ob es sich dabei um das heutige Paris oder das antike Auaris handelt. Fazit: lesen und Spaß haben – Arleston überzeugt einmal mehr auf der ganzen Linie. (bw)

Odyxes, Band 1: Schiffbrüchiger der Zeit
Text: Christophe Arleston
Bilder: Steven Lejeune
480 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
14,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-075-1

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