Giacomo C., Band 5 (Comicplus) | Comicleser

Giacomo C., Band 5 (Comicplus)

März 26, 2019
Giacomo C. Gesamtausgabe, Band 5 (Comicplus)

Manchmal geht der Schuss nach hinten los. Da sucht der vornehme Ratsherr Valdi außereheliches Vergnügen und muss gleichsam bestürzt und mit einem male bloßgestellt erkennen, dass seine Angetraute Giustina selbst auf der diskreten Liste der verfügbaren Damen steht. Eine Schmach, die der Gehörnte, der freilich selbst betrügt, nicht hinnehmen kann, darf und will. Wutentbrannt tötet er seine Frau, nur um anschließend vom Liebhaber der Dame, Graf D’Arcoli, erpresst zu werden. Denn der ist im Besitz diverser Liebesbriefe, die er zu veröffentlichen droht. Eine Druckerei ist bereits beauftragt. Dort ist auch Giacomo Kunde. Er lässt ein anonymes Pamphlet drucken, um Venedigs Polizeichef, den Marquis San Vere, zu belasten. Doch Giacomo wird enttarnt und schlägt San Vere, um seine Haut wieder einmal zu retten, einen Handel vor, die Geschichte mit der Veröffentlichung der Liebesbriefe betreffend…

Der vorletzte Band der Giacomo C. – Gesamtausgabe beinhaltet die Einzelalben 11 bis 13, die ursprünglich bei Comicplus zwischen 2008 und 2011 erschienen sind. Die erste, in sich abgeschlossene Story („Vertauscht, getäuscht“) ist eine intelligent konstruierte Geschichte mit diversen Handlungsfäden, die alle in der besagten Druckerei zusammenlaufen oder von dort ausgehen. Eine Geschichte, die ganz ohne Damen auskommt, die von Giacomo betört oder beglückt werden. Federleicht und charmant erzählt, mit feinem Humor (Diener Parmeno inszeniert wieder eine durchschaubare, aber dennoch wirksame Schmierenkomödie) und Tragik angereichert, fügt sich am Ende einmal mehr alles zu Gunsten Giacomos, der sich erfolgreich aus der Affäre zieht.

Im folgenden Zweiteiler spielt dann wieder eine Dame die Hauptrolle. „Die Fiammina“, attraktive Angehörige einer Schauspieltruppe, die von dem greisen Marchese Patane, einem Mitglied der Familie des Dogen, protegiert wird, schlägt ihren adeligen Verehrern einen gnadenlosen Handel vor: wird sie im Duell besiegt, gehört sie dem Bezwinger und ist ihm zu Willen. Was freilich noch nie geschah, denn alle Duellisten wurden bisher ausnahmslos von Fiammina getötet. Der Schwund an Blaublütern kommt natürlich auch der Obrigkeit zu Ohren. Der Doge will das „Problem“ lösen ohne den Marchese zu brüskieren. Ein guter Fechter und ein Edelmann, der nichts zu verlieren hat, muss her. Weshalb San Vere eher widerwillig Giacomo engagiert, der die Sache zuerst vorsichtig über einen Mittelsmann angeht.

Giacomo C., Band 5 (Panel)
Der Vorhang fällt. Vorerst…

Nachdem dieser von Fiammina ebenso „entsorgt“ wird, sucht Giacomo die direkte Konfrontation mit der tödlichen Femme Fatale. Natürlich finden sich beide anziehend, was man sich ebenso natürlich nicht eingesteht. Schließlich kommt es zum Duell – Giacomo hat inzwischen den Fechtstil der Dame „entschlüsselt“ – in dem Fiammina erstmals den Kürzeren zieht, aber verschont wird. Jetzt hat Giacomo ein Problem: nicht nur ist die Dame noch am Leben – er hat also seinen Auftrag nicht erfüllt, weshalb San Vere den brutalen und skrupellosen Häscher namens „Die Axt“ auf die sie ansetzt – er findet auch heraus, das ihn und Fiammina eine gemeinsame Vergangenheit verbindet (in Teil 3: „Trennungen“)…

Der erste Part des Zweiteilers beginnt und endet wie ein Theaterstück: zu Beginn hebt sich der Vorhang, wie auch nach dem ersten Akt und am Ende des Albums fällt er – passend zur Thematik (die Schauspieltruppe, der Fiammina angehört). Im zweiten Teil erfahren wir mehr über die Dame und deren Motive und wieder versteht es Autor Jean Dufaux (u.a. Murena, Saga Valta, Jessica Blandy), getrennte Erzählungen miteinander zu verknüpfen. Dann geht es nicht mehr darum, Fiammina zu bezwingen und zu erobern, sondern Giacomo macht mit ihr gemeinsame Sache um Licht in ihre und seine Vergangenheit zu bringen und mit ihr Frieden zu schließen. Das Ende ist dann melancholisch aber auch versöhnlich. Wie bereits gewohnt, wird der Band von Griffo wieder in wunderbaren Bildern illustriert, die in Eleganz und Farbgebung immer wieder an die Arbeiten von Milo Manara oder André Juillard erinnern. Der Sekundärpart stellt die realen baulichen Vorbilder und das Theater vor und die künstlerischen „Fehler“ die Griffo dabei in der Darstellung beging. Der abschließende Band 6 der Gesamtausgabe ist in Vorbereitung. (bw)

Giacomo C. Gesamtausgabe, Band 5
Text: Jean Dufaux
Bilder: Griffo
160 Seiten in Farbe, Hardcover
Verlag Sackmann und Hörndl
34 Euro

ISBN: 978-3-89474-306-2

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