Kick-Ass: Frauenpower (Panini) | Comicleser

Kick-Ass: Frauenpower (Panini)

Dezember 7, 2018

Manchmal ist das Leben echt fies. Da hält die gute Patience Lee als Soldatin in Afghanistan Knochen, Leib und Leben hin, um ihre Familie daheim durchzubringen – nur um bei ihrer Rückkehr festzustellen, dass ihr Hallodri von Musiker-Ehemann mit einer Bürokollegin abgehauen ist und sie mit ihren zwei Kindern kurzerhand ohne einen Cent sitzen lässt. Aber Lee hat zur Genüge gelernt, wie man kämpft: sie verlegt ihr College-Studium auf die Abendstunden und schlägt sich am Tag mit Gelegenheitsjobs durch. Dennoch reicht das Geld hinten und vorne nicht, worauf die gute Patience einen gewagten Plan entwickelt: sie will Fieslinge, die ihr Viertel durch Bandenkriminalität ruinieren, um ihre Barschaft erleichtern – und davon dann zum Teil ihren Lebensunterhalt bestreiten, zum guten Teil aber auch an Bedürftige spenden. Damit das nicht auffliegt, zieht sie sich kurzerhand einen grünen Neopren-Anzug über, klemmt sich einen Schlagstock auf den Rücken und marschiert los.

Erstes „Opfer“ ist Bronco, ein Geldeintreiber für den Bandenchef Hoops, dem Patience sehr rabiat auf die Pelle rückt und eine ganze Tasche voller Riesen abjagt. Die wird getreulich zur Hälfte gespendet, und schon nimmt Patience das nächste Ziel ins Visier: dieses Mal will sie einem Geldkurier aus dem Bikermilieu seine Fracht abluchsen. Als sie Locations erkundet, spricht sie in kleiner Junge an, der sie sofort durchschaut – und der ihr erzählt, ein gewaltsamer Typ namens Tyler habe sich bei seiner Mutter daheim eingenistet und würde beide drangsalieren und schlagen. Anfangs will sich Lee noch heraushalten, immerhin ist sie kein Superheld, sondern eher eigennützig unterwegs – aber bald holt sie ihr Gewissen eben doch ein: nachdem sie den Biker ordentlich vermöbelt hat, stattet sie auch Tyler einen Besuch ab und schlägt den Lumpensohn windelweich. Aber bei der nächsten Mission wird es dann deutlich brenzliger: da gerät sie nämlich an Violencia, einen entstellten, psychopathischen Handlanger Hoops, der ihr in Sachen Kampf haushoch überlegen scheint. Und dann tritt auch noch Lees Schwager Maurice auf den Plan, der offenkundig deutlich mehr für Hoop erledigt als in einem seiner Nachtclubs zu jobben…

Nur 333 Stück: Die Variant-Cover-Edition

Vor ziemlich genau 10 Jahren ließen Mark Millar und John Romita jr. mit ihrem Kick-Ass eine wunderbare, pervertierte Hommage auf alle Superhelden in langen Strampelanzügen auf die Welt los. Was wäre, wenn wirklich ein verwirrter Jüngling auf die Idee käme, im Taucheranzug herumzurennen und Ganoven anzugreifen? Dazu vermengte man diverse Story-Twists mit vermeintlichen Helden, wunderbaren Schurken und vor allem jede Menge äußerst graphischer Gewalt, und fertig war das Phänomen, dass es auf zwei eigene Runs, einen Spin-Off (Hit-Girl) und einen leider am Ende enttäuschenden Leinwandausflug brachte (wobei die noch rabiatere Variation unter dem Titel „Super“ als Film durchaus Laune machte). Für ihren Reboot des Stoffs greifen Millar und Romita nun erneut tief in die Versatzstück-Kiste des aktuellen Helden-Universums: der neue Kick-Ass ist – natürlich – eine Frau (wie Ms Marvel, Thor, Iron Man und ihre Freundinnen), afro-amerikanisch und handgreiflich feministisch auf die wunderbarste Art.

Die Origin-Story der Afghanistan-Veteranin, deren Familie zerstört wird, verweist natürlich auf den grimmen Frank Castle, der mittlerweile auch die heimischen Fernseher zerstört, und Violencia ruft selbst den Geist eines all time classics auf, als er feststellt, als echter Superschurke brauche er wohl irgendeinen Tick – da war doch dieser Typ mit dem kaputten Gesicht und der Münze, wobei sich Violencia natürlich nicht sklavisch an das Gesetz des Schicksals hält. Patience selbst wird vermöbelt wie ihr Vorgänger selbst (oder auch Daredevil, Arrow und die anderen modernen, düsteren Fernseh-Helden) und schreckt ihrerseits nicht vor drastischer Gewaltanwendung zurück, was einiges an Düsterkeit in diese Fabel bringt. Zeichnerisch gewohnt lebendig-explosiv inszeniert, liefert diese neue Inkarnation eines wunderbaren Antihelden atemlose Unterhaltung mit so manchem wissenden Zwinkern – und einfach nur mitreißende Action. Der vorliegende Band enthält die US-Hefte Kick-Ass 1-6, die von Februar bis Juli 2018 erschienen. Girl Power! (hb)

Kick-Ass: Frauenpower
Text: Mark Millar
Bilder: John Romita Jr.
164 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
20 Euro

ISBN: 978-3-7416-0996-1

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