The Walking Dead, Band 28 (Cross Cult) | Comicleser

The Walking Dead, Band 28 (Cross Cult)

January 10, 2018

Heiß her ging‘s bereits im letzten Band: erst meldete sich Negan zurück, indem er den Kopf von Alpha brachte, der Anführerin der unheimlichen und unheimlich gefährlichen Flüsterer. Die gingen dann auch prompt zum Angriff über, indem sie Horden von Untoten in Richtung Alexandria und der Anhöhe führten, sich zwischen diesen versteckten und damit der Gemeinschaft übel mitspielten, ehe Rick und seine Leute es unter schweren Verlusten schafften, der „Plage“ Herr zu werden und die Flüsterer mit eigenen Mitteln zu schlagen. Vermeintlich. Denn all dies war –so stellt sich nun heraus – nur Vorgeplänkel. Beta, der neue Chef der Flüsterer, zieht sein letztes Ass und schickt eine gigantische Herde, bestehend aus Tausenden von Zombies, in Richtung Alexandria, wo sich die schon arg ramponierten Überlebenden gerade neu sortieren. Während die Siedlung überrannt wird und sich die Menschen in den Häusern verstecken, versucht die Gruppe um Andrea, Michonne und Eugene, die Untoten grüppchenweise und wie die Lemminge über die Klippen im Meer zu „entsorgen“. In Alexandria selbst muss Rick mit dem geläuterten (?) Negan notgedrungen ein Team bilden. All dies gelingt halbwegs. Man übersteht auch diese Krise. Doch dann gibt es doch noch ein prominentes Opfer…

Ja, Robert Kirkman tut es wieder einmal und schockt seine Leser, indem er Schicksal spielt und eine der Hauptfiguren aus dem Spiel nimmt. Sie einfach sterben lässt. Gnadenlos. Das tat er in der Vergangenheit schon öfter (siehe Ricks erste Frau Lori samt Tochter in Band 8) und ohne Vorwarnung. Hier jedoch wird der Abschied, das Sterben minutiös geschildert, ja beinahe zelebriert. Die Charaktere haben Zeit, Abschied zu nehmen. Und man merkt, dass sich Kirkman diesmal schwer tat – siehe auch seine schriftliche „Rechtfertigung“ am Ende des Bandes. Wen es trifft, verraten wir natürlich nicht… Vorher spielen sich dramatische Ereignisse in wahrhaft epischem Ausmaß ab. Während Negans „Comeback“ im Vorband angesichts des Krieges mit den Flüsterern beinahe unterging (und das will bei der Figur Negans und dessen „blumiger“ Sprache schon etwas heißen), wird ihm hier von Kirkman eine größere und wichtigere Rolle angedacht: er rettet Rick (und übrigens umgekehrt), bildet mit ihm ein Kampf-Duo und gegen Ende des Bandes scheint er tatsächlich ernsthaft geläutert und wieder bei Verstand – vielleicht auch wegen des Abgangs „Lucilles“, seines geliebten Baseballschlägers, der den Namen seiner Frau trug. Mehr zu Negan und dessen Vita findet sich in einem Walking Dead Sonderband, der ausschließlich ihm gewidmet ist.

Nach ruhigeren Episoden dreht Kirkman hier wieder voll auf. Schon im letzten Band gab er Gas und hier erreicht die Erfolgs-Serie wieder einmal einen ihrer absoluten Höhepunkte. Action und Dramatik wechseln sich ab mit tiefer Tragik und den Kirkman-typischen Dialogen, die tiefgründig daherkommen und nicht selten die Seelenzustände der Protagonisten widerspiegeln. Er hat sein inzwischen umfangreiches Figuren-Ensemble, in dem Rick Grimes schon lange nicht mehr die alleinige Hauptrolle spielt, fest im Griff und schafft es wieder einmal, direkt vom Epischen ins Persönliche überzugehen. Wieder einmal ist ein Schlusspunkt erreicht, der gleichzeitig einen Neuanfang offeriert. Für alle Überlebenden. Und natürlich auch für den Leser selbst. Der ist einmal mehr zumindest verblüfft und im besten Falle emotional gepackt und gar berührt ob der Ereignisse. Und gleichzeitig erstaunt, wie sehr die Comic-Reihe der TV-Serie doch überlegen ist (dort treibt Negan ab dem Ende der Staffel 6 sein Unwesen). So bleibt erfreut zu konstatieren, dass auch nach nun 28 Bänden keine Ermüdungserscheinungen zu sehen sind – weder auf Seiten der Macher, noch auf Leserseite. Wir sind gespannt, welchen der diversen Handlungsstränge, die sich anbieten, Kirkman und Adlard nun jetzt aufnehmen. Fortsetzung folgt. In neuer alter Frische. (bw)

The Walking Dead, Band 28: Der sichere Tod
Text: Robert Kirkman
Bilder: Charlie Adlard, Stefano Gaudiano, Cluff Rathburn
176 Seiten in Schwarz-Weiß, Hardcover, Kleinformat
Cross Cult
18 Euro

ISBN: 978-3-95981-229-0

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