The Walking Dead, Band 1 (Cross Cult) | Comicleser

The Walking Dead, Band 1 (Cross Cult)

Oktober 20, 2015

The Walking Dead, Band 1 (Softcover)

Massenphänomene und Erfolgsgeschichten haben auch immer einen Anfang. Dies gilt auch für Robert Kirkmans im wahrsten Sinne des Wortes monströsen Siegeszug namens ‚The Walking Dead‘, der es mittlerweile nicht nur auf bald 24 Comicbände, sondern auch auf eine hochgelobte Spiele-Versoftung und eine eigene TV-Serie gebracht hat, die ihrerseits bereits auf einen Ableger zurückblicken kann (‚Fear The Walking Dead‘). Und nachdem das Interesse an der Armee der Untoten offenkundig ungebrochen weiterwächst, legt Cross Cult für alle, die sich von der Vielzahl der Einzelbände oder auch der schieren Masse der drei Sammelausgaben im handlichen Ziegelformat (jeweils über 1000 Seiten) abgeschreckt sehen, das Epos nochmals neu auf: in Form von schlanken, preisgünstigen Softcover-Taschenbuch-Ausgaben, die den Einstieg in die Serie erleichtern und auch Novizen die Chance geben, von Anfang an dabei zu sein.

Und schon dieser Anfang, erstmals erschienen im Jahr 2003, hat es in sich: der Polizist Rick Grimes, der im Dienst angeschossen wurde, wacht aus dem Koma auf und macht eine erschreckende Feststellung: die Welt, wie er sie kannte, existiert nicht mehr. Das Krankenhaus ist von grauenerweckenden Wesen bevölkert, aber auch die Flucht hilft nicht wirklich weiter. Die Außenwelt ist verlassen, durchstreift nur von Zombies, die die Herrschaft übernommen zu haben scheinen. Sein Haus ist verlassen, Frau und Kind sind verschwunden – und der erste Mensch, den er trifft, klärt ihn auf: eine unbekannte Seuche ist ausgebrochen, die Menschen in Untote verwandelt, jeder Biss ist verhängnisvoll und läutet das unausweichliche Schicksal von Tod und Wiederkehr ein. Die Armee hat die Bevölkerung in die großen Städte gelotst, in der irrigen Annahme, sie dort schützen zu können.

Rick macht sich auf den Weg nach Atlanta, wo er seine Frau Lori und seinen Sohn Carl vermutet, zuerst im „geliehenen“ Polizeiwagen, dann per Pferd. In Atlanta findet er statt seiner Familie nur Tod und Verwüstung, der junge Glenn rettet ihm seine Haut und führt ihn in ein Lager außerhalb der Stadt, wo sich die wenigen Überlebenden versammelt haben. Darunter sind dann tatsächlich auch Lori und Carl, die von Ricks ehemaligem Partner Shane beschützt werden. Die anfängliche Wiedersehensfreude weicht schnell der Ernüchterung: die kleine Schar sieht sich der einsetzenden Kälte ebenso ausgesetzt wie der allgegenwärtigen Gefahr, dass ihr Lager von den Untoten überrannt wird. Von einem waghalsigen Ausflug in die Stadt, um Waffen und Munition zu besorgen, kehrt Rick nur um Haaresbreite unverletzt zurück. Die Schlinge der untoten Belagerung zieht sich derweil immer weiter zu – und zu allem Überfluss brodeln auch noch ganz andere Konflikte, denn Shanes Motive sind alles andere als nur von Selbstlosigkeit getrieben…

Auch noch erhältlich: die ursprüngliche HC-Ausgabe

Auch noch erhältlich: die ursprüngliche HC-Ausgabe

Schon im Vorwort zum ersten Band macht Kirkman ganz klar, dass ‚The Walking Dead‘ für ihn niemals ein billiger Horror-Schocker sein sollte, sondern vielmehr das, was einen wahrlich guten Zombie-Film ausmacht: nicht um die krassen Effekte geht es ihm, nicht um den um die Ecke schlurfenden, zerfallenden Untoten, sondern vielmehr um die Menschen, die irgendwie damit klarkommen müssen, dass die Zivilisation nicht mehr existiert. Von einem Tag auf den anderen geht es nicht mehr um Erste-Welt-Probleme wie Handy-Empfang oder Karriere, sondern ums nackte Überleben in einem Szenario permanenter tödlicher Gefahr. Wie schnell in einer solchen Versuchsanordnung atavistische Züge durchbrechen, wie sehr sich archetypische Verhaltensmuster etablieren, die die Zivilisation nur dünn übertüncht hat – es gibt Anführer und Nachfolger, grundlegende Triebe wie Angst, Rache, Begehren und Machtstreben übernehmen wieder das Ruder – , all das hat uns schon H.G. Wells im Krieg der Welten vorgeführt.

George A. Romero lieferte in seinen Wiedergänger-Filmen dann präzise soziale Studien der gleichgültigen, konsumbesessenen amerikanischen Gesellschaft der 60er und 70er Jahre, die sich in den kommerziellen Splatter-Festen den 90er und 2000er im Stile von Resident Evil auflösten, und erst durch Kirkmans Neubelebung des Genres fand das Zombie-Epos wieder zu seinem eigentlich Sinn zurück: der Analyse menschlichen Verhaltens in einer amoralischen, urtümlichen Extremsituation. Möglichst lange wolle er das Schicksal von Rick verfolgen, beobachten, wie er überlebt und wie er sich verändert, so Kirkman im Vorwort, und in der Rückschau ist ihm dies in der ja nach wie vor kolossal erfolgreichen Reihe famos gelungen. Stimmig dabei in jeder Sekunde die schwarz-weiß-Inszenierung von Tony Moore, die der romanhaft-gemächlichen Gestaltung in jeder Sekunde adäquat ist und neben ruhigem Erzählfluss auch so manchen Horrormoment bereit hält. Zum Wiederlesen, wieder gruseln und neu einsteigen gleichermaßen bestens geeignet. Band 2, ‚Ein langer Weg‘, kommt demnächst. (hb)

The Walking Dead, Band 1: Gute alte Zeit
Text: Robert Kirkman
Bilder: Tony Moore, Cliff Rathburn
144 Seiten in schwarz-weiß, Softcover
Cross Cult
8,99 Euro

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