Invincible, Band 1 (Nona Arte) | Comicleser

Invincible, Band 1 (Nona Arte)

August 23, 2011

Mark ist ein Teenager und ein Einzelkind. Er geht auf die Highschool. Nebenher jobbt er eher widerwillig in einer Bulettenbraterei. Seine Mutter kümmert sich um den Haushalt, sein Vater geht täglich zur Arbeit. Alles ganz normal. Fast. Oder besser gesagt, überhaupt nicht. Denn Marks Vater ist ein Außerirdischer vom Planet Viltrum, ein Angehöriger einer hochentwickelten, friedlichen Rasse, der zur Erde kam als deren Beschützer. Marks Vater ist Omni-Man, der mächtigste Superheld der Welt.

Und so kommt es beinahe ganz zwangsläufig und natürlich, dass Mark eines Tages selbst Superkräfte entwickelt. Er wird stärker und kann, wie sein Vater, fliegen. Mit dessen Hilfe wird schnell ein Kostüm besorgt und ruckzuck ist Mark selbst als Superheld on Tour. Ein Name ist auch schnell gefunden: Invincible, unbesiegbar. Bei einem seiner ersten Einsätze trifft er das Teen-Team, in dem u.a. Atom Eve mitstreitet, die zufällig auch Marks Highschool besucht. Es folgen ein Team-Up mit seinem Vater und die Aufklärung einer heimtückischen Bombenserie mit Hilfe seiner neuen Teen-Kumpels.

Invincible ist eine (na ja, fast) klassische Superheldenserie, die in den USA 75 Hefte umfasst (bei Image Comics), dort seit 2003 veröffentlicht wird und damit eine der längsten Independent-Reihen ist. Der erste Deutsche Band (Familienbande), vom italienischen Verlag Nona Arte, beinhaltet die US-Hefte eins bis vier. Robert Kirkman, Autor und Schöpfer, kennen wir bestens als Mastermind der genialen Zombie-Reihe ‚The Walking Dead’, die hierzulande bei CrossCult erscheint und erfolgreich als TV-Serie adaptiert wurde.

Dass Kirkman auch ohne Zombies kann, zeigt er hier. Invincible ist nicht nur ausgesprochen gradlinig erzählt, sondern auch komisch und trägt mitunter parodistische Züge. Natürlich auch Parallelen zum gängigen Superhelden-Universum. So kommt Marks Vater wie Superman von einem fernen, hochentwickelten Planeten. Um andere essentielle Superhelden-Motive, wie die Geheimidentität oder die sensationelle, möglichst außergewöhnliche Origin kümmert sich Kirkman wenig oder gar nicht. Atom Eve trifft man so nebenher in der Schule und dass Mark seine Kräfte bekommt, ist eben so normal wie die Pubertät. Apropos normal: Marks Mutter und Omni-Mans Frau stellt mit ihrer ironischen und lockeren Art einen absoluten Gegenpol zur üblicherweise besorgten Verwandtschaft von Superhelden dar, man denke nur an die arme Tante May (die von Serie zu Serie aber auch immer jünger zu werden scheint). Als ihr Mann in Taiwan einen Drachen bekämpft, bemerkt sie lakonisch, „hoffentlich bringt er mir was schönes mit“. Und als Omni-Man am Ende des Bandes nach einem ausgiebigen Aufenthalt in einer fernen Dimension in bester Reed Richards Manier von seiner aufwändigen Heimkehr berichtet, hat sie auch eine passende Schlusspointe parat.

Noch ein Wort zu den Zeichnungen. Walkers Strich ist kantig modern, dabei sehr klar und beschränkt sich auf das Nötigste. Er ähnelt dem von Cully Hamner in ‚RED’, ist aber noch spartanischer. Da könnte man noch eine Schippe drauflegen. Farblich ist der erste Band recht bunt und ebenso klar angelegt wie die Zeichnungen selbst. Keine Experimente. Kirkman hat mit Invincible seine Superhelden-Nische gefunden – was ja bei der ganzen Genreflut nicht mehr ganz so einfach ist. Der Anfang ist sehr unterhaltsam und humorvoll. Hoffen wir, dass es bald weiter geht und Nona Arte die Reihe stemmen wird. (bw)

Text: Robert Kirkman
Bilder: Cory Walker
96 Seiten in Farbe, Softcover
Nona Arte Verlag
12,80 Euro

ISBN 978-88-97062-26-4

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