Prinz Eisenherz, Band 18: 2005/2006 (Bocola) | Comicleser

Prinz Eisenherz, Band 18: 2005/2006 (Bocola)

November 30, 2017

Nathan, jüngster Spross von Prinz Eisenherz, lernt bei seinem Vater das Knappen-Handwerk. Dazu streifen die beiden durch Britannien und treffen auf den zwielichtigen Pikten Brogut. Der erzählt eine verrückte Geschichte: sein Dorf, hoch im Norden, werde von Ungeheuern, von Drachen bedroht, die in einem See hausen! Natürlich begleiten der Prinz und sein Sohn den seltsamen Gesellen, trotz diverser Bedenken. Bald stoßen sie tatsächlich auf die Seeungeheuer, die dem jungen Nathan – im Gegensatz zu Vater Eisenherz und Brugut – so gar nicht gefährlich erscheinen… Nach der glimpflich verlaufenen Drachenepisode machen sich die beiden per Schiff auf Richtung heimatliches Camelot. Bald entern Seeräuber das Schiff und verschleppen Eisenherz und Nathan. Der kann nach einer List fliehen und muss sich an Land alleine Nach Camelot durchschlagen. Derweil – der Prinz soll als Sklave in Galizien zu Geld gemacht werden – treffen die Seeräuber auf einen seltsamen Turm. Dort lebt Zamestra Dagon, ein nicht minder seltsamer Geselle, der dem gierigen Piratenpack offenbart, dass er das Gold Salomons bewacht. Dass hier etwas nicht stimmen kann, ist Eisenherz sofort klar…

Nachdem dem Generationswechsel (erst der dritte in der Serie, die seit 1937 durchgängig erscheint!) im letzten Band in zwei Schritten vollzogen wurde – zuerst übernahm Gary Gianni die Zeichnungen, dann kam mit Mark Schultz ein neuer Autor – liegt nun die erste Ausgabe vor, die komplett ohne die Mitwirkung von John Cullen Murphy und dessen Sohn Cullen entstand. Natürlich gehen damit Veränderungen einher, inhaltlich, wie auch optisch. Schultz bringt wieder mehr Fantasy-Motive in die Geschichten ein. Zuerst treffen die beiden Reisenden Eisenherz und Nathan auf drei Macbeth’sche Hexen, danach nimmt Schultz mit den Dinosauriern im Wasser die Loch Ness/Nessie-Legende ins Visier (kein Wunder, hat er doch mit seiner Reihe Xenozoic Tales bereits ausreichend Dino-Erfahrung gesammelt). Auch der verwunschene Turm mit seinem Hüter Zamestra Dagon wird zum tragenden (Fantasy-) Element in der Handlung. Murphy setzte Fantasy nur bedingt und dosiert ein, wie die seltsamen Inseln, auf die es Eisenherz beinahe regelmäßig verschlug, oder das unter der Erde lebende kleine Volk. Auch wenn man nun mehr auf das Phantastische setzt, wirken die Episoden beileibe nicht als Fremdkörper innerhalb der Saga, vielleicht eher als Variation, und in ihrer Form gelungen und das Geheimnisvolle der Eisenherz’schen Artus-Welt betonend.

Was auch auffällt: die Story teilt sich nicht mehr auf. So sehr es Murphy beherrschte, die Familienmitglieder des Eisenherz-Clans einzeln auf Reisen zu schicken und zwischen den jeweiligen Erzählsträngen zu wechseln und dabei immer wieder auf die Chroniken zu verweisen, konzentrieren sich Schultz und Gianni nun ausschließlich auf die Reise-Abenteuer von Vater und jüngstem Sohn. Prinz Arn, dessen Bruder Galan und die Zwillinge erscheinen gar nicht und Aleta bleibt vorerst auf Camelot zurück. Trotzdem müssen wir im Laufe der Handlung nicht auf vertraute Gesichter verzichten. In der zweiten Hälfte des Bandes, nachdem Nathan die Flucht gelungen ist, spaltet sich die Handlung und springt zwischen Nathan und Eisenherz hin und her. Nathan trifft auf Ritter Gawain, der einmal mehr junge Damen umgarnt und seine Mutter Aleta wird zur Anführerin des Rettungstrupps, der sich auf die Suche nach Eisenherz macht. Was das neue Kreativ-Duo von seinen namhaften Vorgängern abschaut sind die romantischen Episoden, die ritterlich und galant geschildert werden, wie Nathans nachhaltige Begegnung mit dem Pikten-Mädchen Bel, die ihm einen Talisman vermacht.

Schultz baut seine Handlung auf bekannten Motiven auf: das Monster von Loch Ness, König Salomons Schatzkammer, die Königin von Saba. Das schafft – trotz Fantasy – Vertrautheit beim Leser. Und natürlich Neugierde. Und die Zeichnungen? Gary Giannis Bilder gleichen denen von Murphy mehr, als sie Hal Fosters Stil ähneln. Doch gibt es einige markante Unterschiede zu seinem Vorgänger: der Strich ist fester und kraftvoller, was sich besonders an der Darstellung der Personen ausmachen lässt, welche härtere Konturen zeigen. Und Eisenherz sieht wieder jugendlicher aus: war er bei Murphy sichtlich gealtert, zeichnet Gianni wieder einen Prinzen mit verjüngtem Antlitz, was wieder in Richtung Foster geht. Gleiches gilt auch für Sir Gawain, der bei Murphy zuletzt gar ergraut war. Was Gianni von seinem Vorgänger übernommen hat, sind die Panorama-Panels, die wichtige Momente, entscheidende Kampfszenen oder einfach nur prachtvolle Szenen einfangen, wie den Auszug Aletas mit ihrer Rettungs-Truppe aus Camelot. Damit führt das neue Kreativ-Team (Gianni wird 2012 durch Thomas Yeates abgelöst) den ewigen Klassiker in etwas frischerem und trotzdem vertrautem Fahrwasser fort. Band 19 (Jahrgang 2007/2008) ist gerade erschienen. (bw)

Prinz Eisenherz, Band 16: Jahrgang 2005/2006
Text: Mark Schultz
Bilder: Gary Gianni
112 Seiten in Farbe, Hardcover
Bocola Verlag
24,90 Euro

ISBN: 978-3-939625-58-2

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