Prinz Eisenherz, Band 16: 2001-2002 (Bocola) | Comicleser

Prinz Eisenherz, Band 16: 2001-2002 (Bocola)

Januar 19, 2017

Endlich hat Prinz Eisenherz Camelot mit List und Verstand zurückerobert. Arthur ist wieder rechtmäßiger König, Ethelbert und Lady Cordelia sind geflohen und (vorerst) verschwunden. Trotzdem ist dem Prinzen und seiner Familie keine Ruhe gegönnt. Denn der Gelehrte und Mönch Dionysius Exiguus kommt nach Camelot und bittet im Namen des Papstes um Hilfe: aus dem sagenhaften Schatz des Philosophen Seneca, der in den Überresten von Neros Palast entdeckt wurde, fehlt eine Karte. Diese soll angeblich den Weg zum Garten Eden zeigen. Und wie sich bald herausstellt, ist die Karte ausgerechnet in den Händen von Kaiser Justinian, des Erzfeindes der Familie Eisenherz. Mit Hilfe ihres chinesischen Freundes Yuan Chen und dessen Nachbau einer antiken Trireme geht die Reise über das halb verfallene Rom ins blühende Konstantinopel. Dort schließen sich Gawain, Eisenherz und dessen Söhne Arn und Galan unerkannt als einfache Hilfskräfte dem gewaltigen Expeditionstrupp Justinians an, der Richtung Osten auszieht, den Garten Eden zu finden…

John Cullen Murphy spinnt (mit Hilfe seines Sohnes) die Geschichte unseres Lieblingsprinzen flott weiter. Kaum ist Camelot wieder in den richtigen Händen, steht die nächste Aufgabe an. Ausgerechnet der Garten Eden soll entdeckt und letztendlich geschützt werden. Ein neuer epischer Quest bahnt sich an, der auch diverse unangenehme Nachwirkungen für einzelne Familienmitglieder mit sich bringt – wobei wir hier nicht zu viel verraten wollen. Erste Spuren auf dem Weg zum Garten Eden findet Eisenherz in Rom, ohne dass er sie verstehen oder zuordnen kann. Die Story wird dadurch geheimnisvoll und spannend, auch weil die Rollen einzelner Akteure noch völlig unklar sind. Wobei Murphy immer wieder kleine historische Exkursionen unternimmt. So finden wir Eisenherz auf den Spuren der römischen Gladiatoren im halb verfallenen Kolosseum wieder und später wird sogar eine Verbindung zu Tutanchamun hergestellt. Bald führt der Weg nach Konstantinopel, also in die Höhle des Löwen. Denn dort herrscht bekanntlich Justinian, der vor Jahren Eisenherz‘ und Aletas neugeborenen Sohn Nathan entführte und der seitdem der verhasste Erzfeind der Prinzen-Familie ist. Wie die Wölfe im Schafspelz nisten sich Gawain, Eisenherz und dessen Söhne in den Tross Justinians ein und säen dort geschickt Zwietracht zu ihrem eigenen Vorteil.

Das halb verfallene Rom als Murphy-Panorama

Die Geschichte um die Suche nach dem Garten Eden und deren Folgen nimmt den kompletten Band ein und wird im Folgeband fortgeführt. Darin ist ein Großteil der Familienmitglieder involviert (bis auf die Zwillinge des Prinzen). Daher gibt es keine Sprünge zwischen einzelnen Erzählsträngen, was die übergeordnete Erzählinstanz (die auch im Vorwort erörtert wird, wie auch diverse historische Ungereimtheiten, die sich in das Epos eingeschlichen haben) steuert, die bestimmt, über welche Teile der Chroniken hier berichtet wird. So verabschieden wir uns auch ganz schnell von den Unholden der letzten Geschichte (Ethelbert, Cordelia) und es entsteht ein durchgehender Lesefluss, wobei Murphy die Suche nach dem Paradies nicht nur dramaturgisch sondern auch zeichnerisch einmal mehr gekonnt inszeniert. Viele Seiten haben nur drei Panels, zwei im oberen Drittel nebeneinander und darunter ein Panoramabild, das zwei Drittel der Seite einnimmt (u.a. eine Totale des halb verfallenen Roms, der komplette Tross Justinians, ein detailliertes Schlachtengetümmel).

Mit dem Band, der die Originalseiten 3335 bis 3438 beinhaltet, wird eine Zeitenwende eingeläutet. Es ist der letzte, den Murphy noch komplett zeichnete. Im nächsten Band (März 2004) wird er die Serie an Gary Gianni abgeben. Murphy war da bereits 85 Jahre alt und sollte nur Monate später sterben. Seit 1970 lenkte er die Geschicke des Prinzen mit, 1979 übergab ihm der große Hal Foster die Reihe komplett. Damit geht die zweite große Ära in der Geschichte der Serie zu ende. Schön, dass Bocola auch die folgenden Jahrgänge weiterführt und damit das ewige, stets faszinierende und herrlich altmodische Prinzen-Epos schließlich komplett (und erstmals digital restauriert) veröffentlichen wird. (bw)

Prinz Eisenherz, Band 16: Jahrgang 2001/2002
Text & Bilder: John Cullen Murphy
112 Seiten in Farbe, Hardcover
Bocola Verlag
24,90 Euro

ISBN: 978-3-939625-56-8

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