Prinz Eisenherz, Band 12: 1993-1994 (Bocola) | Comicleser

Prinz Eisenherz, Band 12: 1993-1994 (Bocola)

November 18, 2015

Prinz Eisenherz, Band 12 (Bocola)

Mordred. Einmal mehr. Eisenherz‘ und Britanniens Erzfeind plant eine perfide wie clevere Aktion, um die Insel wirtschaftlich zu schwächen: er lässt tausende von Kaninchen (die in Britannien nicht heimisch sind) aussetzen. Die sollen die Ernte zerstören und die anschließende Hungersnot soll die Bürger zermürben. Doch sein Plan schlägt nicht nur aufgrund der Intervention seines Sohnes Cormac fehl. Auch Eisenherz erkennt die Gefahr und setzt tierische Gegenmaßnahmen in Form von Falken ein. Natürlich zieht Mordred bei der folgenden militärischen Auseinandersetzung wieder den Kürzeren. Zurück in Camelot suchen Ginevra, König Arthurs Gattin und Aleta Abwechslung in einem ausgiebigen Ausritt, der nicht ungefährlich bleibt (sie werden mit zwei vermeintlichen Hexen verwechselt) und Folgen hat. Denn Eisenherz und Gawain reisen mit den zwei ‚Hexen‘, die tatsächlich von adligem Geschlecht sind, in deren afrikanische Heimat, um dort dem Despoten Musa das Handwerk zu legen.

Wieder zurück in Camelot wohnen wir der Hochzeit von Karen und Vanni bei, die überraschend kurz abgehandelt ist, ehe sich Eisenherz mit den aufmüpfigen Sachsen beschäftigen muss, die nach den Eisenminen Arturs trachten. Nach der weisen Beendigung dieses Konfliktes zieht es Aleta nach Jahren Abwesenheit wieder in ihr Königreich, in ihre Heimat zu den Nebelinseln. Eisenherz und Nathan, der jüngste Sproß, begleiten sie. Doch ihr Schiff wird von Piraten aufgebracht. Der Schurke Alarich schickt Eisenherz auf eine gefährliche Mission und nimmt Aleta und Nathan solange als Geiseln. Später, als man endlich die Nebelinseln erreicht und freudig begrüßt wurde, muss sich die Familie mit Piraten und einem Verräter am Hofe herumschlagen, hinter dem ein alter Bekannter steckt, der mit Aleta noch ein Hühnchen zu rupfen hat…

Im Gegensatz zu früheren Bänden bzw. Jahrgängen erwartet uns hier keine epische Storyline, die sich über etliche Seiten erstreckt. Dafür teilt Murphy das Geschehen in mehrere kürzere Episoden auf und geht dabei gewohnt originell und einfallsreich vor. Wobei auch Charaktere, die zuvor weniger im Rampenlicht standen, nun in den Fokus gerückt werden, wie Königin Ginevra, die Abwechslung von den Hof-Etiketten sucht und mit Aleta ein Abenteuer besteht, das wiederum Auslöser für Eisenherz‘ Afrika-Reise wird. Dann begegnen wir gleich drei hartnäckigen Erzschurken aus dem Eisenherz-Universum: zuerst Mordred, der seinen Sohn Cormac für sich gewinnen will, ihn dabei aber nach Väter Unsitte wie jeden anderen manipuliert und hintergeht. Am Ende der Episode wird Mordred wieder vom kleinen Volk in die Fittiche genommen, das ihn erneut seiner auferlegten Strafe zuführt. Fortsetzung also nicht ausgeschlossen. Dann ist da der Chef-Erpresser Alarich, der Aleta und Sohn Nathan als Geiseln nimmt. Der Schild, den Eisenherz für ihn suchen soll, stellt dann wieder eines der immer wieder auftauchenden zarten Fantasy-Elemente dar, ähnlich der seltsamen Inseln aus den Vorbänden. Als letzter Schurke kommt am Ende Kaiser Justinian ins Spiel, der ja seinerzeit Nathan entführte und dessen Hass auf Aleta wohl noch immer unverändert lodert.

Murphy (Jahrgang 1919) zeichnete als Foster-Nachfolger den Prinzen von 1971 bis 2004, kurz vor seinem Tod. Eine lange Zeit. Unterstützt wurde er – vor allem in späteren Jahren – von seinem Sohn (Story) und seiner Tochter (Farben). Der Band enthält die Originalseiten 2917 bis 3020 und damit auch die Jubiläumsseite 3000, die unter Verwendung einiger Foster-Panels auf diverse gefährliche Episoden aus Eisenherz‘ Leben zurückblickt und dabei geschickt und flüssig in die Handlung eingebunden ist. Die Familie Eisenherz wächst stetig. In diesem Band heiratet Karen, seine Tochter, Vanni, den Sohn Prester Johns, den der Prinz einst in China besiegte. Prinz Arn, der Erstgeborene, ist als mittlerweile bereits erfahrener Stratege und Krieger immer dabei und auch der kleine Nathan übernimmt bereits für die Handlung wichtige Funktionen. Dabei vergisst Murphy auch nicht das Stammpersonal: Gawain, der alte Recke, begleitet Eisenherz nach Afrika und pflegt sein Image als Frauenschwarm, indem er (freilich erfolglos) um die junge Lady Bridget wirbt, ehe er selbst erkennt, dass in seinem Alter selbiges doch reichlich albern erscheint.

Wir stellen kaum überrascht fest: die Abenteuer des Prinzen und seiner Familie zu verfolgen macht Spaß wie eh und je. Auch nach so vielen Jahren erfüllt die Serie damit noch immer ihren Zweck, auch wenn (oder trotzdem) man sie inzwischen aufgrund ihrer unspektakulären Erzählweise und Präsentation getrost als einen angenehm wohligen Anachronismus bezeichnen darf. Das Vorwort stammt einmal mehr von Übersetzer Wolfgang J. Fuchs und beleuchtet Stilmittel wie diverse auffällige Panels des Bandes, in dem die Seiten wie gewohnt digital restauriert bzw. aufbereitet wurden. (bw)

Prinz Eisenherz, Band 9: Jahrgang 1993/1994
Text & Bilder: John Cullen Murphy
112 Seiten in Farbe, Hardcover
Bocola Verlag
24,90 Euro

ISBN: 978-3-939625-52-0

 

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