Die Saga von Atlas und Axis, Band 1 (toonfish) | Comicleser

Die Saga von Atlas und Axis, Band 1 (toonfish)

Oktober 10, 2016

Die Saga von Atlas und Axis, Band 1 (toonfish)

Beschaulich geht es zu im Dorf Kanina im Lande Pangea: die Bevölkerung, bestehend aus Hunden aller Couleur, bereitet sich gerade in aller Ruhe auf das Welpenfest vor. Aber da schlägt das Schicksal grausig zu – in Form einer Horde von marodierenden Wikötern, die ihrem Namen alle Ehre machen, in einem Langschiff anlegen und das Dorf nebst Bewohnern dem Erdboden gleichmachen. Der kleine Terrier Axis und der afghanische Windhund Atlas, die gerade von einem Auftrag zurückkommen, finden nur noch den sterbenden Canuto vor, der ihnen berichtet, dass die Wiköter die Welpen und einige Frauen entführt haben – darunter auch Atlas‘ Schwester Erika und die Füchsin Raposa. Der einzige Hinweis auf die Angreifer ist eine Mantelschnalle, die Canuto umkrallt hält. Atlas und Axis machen sich mit der Schnalle als heiße Spur auf den ebenso beschwerlichen wie gefährlichen Weg nach Norden, um ihre Lieben aus den Klauen der Wiköter zu befreien.

Der erfahrene Atlas weiß, wie man anhand von Spuren, Vegetation und der Sternbilder den Weg findet – aber als er eines Morgens aufwacht, ist der etwas orientierungslose Axis spurlos verschwunden. Atlas setzt seinen Weg dennoch fort und trifft dabei auf die hübsche Mika, mit der er zusammenrumpelt und dabei aus Versehen die Schwerter vertauscht. Nachdem ihm in einem Dorf von Wegelagerern übel mitgespielt wird, findet er tatsächlich die Hütte von Mika, die es ihm auch romantisch angetan hat. Bald stellt sich heraus, dass auch Mikas Familie von den Wikötern umgebracht wurde – und so macht sich Atlas wieder auf den Weg, immer mit dem Versprechen, zu Mika zurückzukehren. Im Gasthaus zum Turm, das von der Bärendame Honey betrieben wird, trifft Atlas endlich wieder auf Axis, der sich schlicht und ergreifend nur heillos verirrt hatte. Honey, die ihrerseits unter den Angriffen der Wiköter zu leiden hat, schickt die beiden schließlich in ihrem Boot entlang die Küste, immer nach Norden, direkt ins Reich der Verbrecher, wo mehr als nur eine handfeste Überraschung auf die beiden Helden lauert…

Mit der Saga von Atlas und Axis nimmt der Spanier Pau (eigentlich Rodríguez Jiménez-Bravo) eine honorige literarische Tradition auf: die der Fabel, in der Tiere menschliche Eigenschaften erhalten und dadurch allzu menschliche Züge aufdecken. Im Gegensatz allerdings zu den eher funny-lastigen Ausgestaltungen eines Walt Disney, in denen Mäuse, Enten und Hunde eher anthropomorph daherkommen, belässt Pau die animalischen Züge durchaus bestehen und integriert die (angeblichen) Charaktereigenschaften der Tiere in ihr Handeln: der Windhund Atlas ist ein flinker Bote, die Bärin mit dem klingenden Namen Honey eine fürsorgliche Gastgeberin, die Schakale hinterhältig und so fort. Die Namen der Protagonisten sind dabei Programm: Atlas und Axis bezeichnen in der Medizin den ersten und zweiten Halswirbel, die sich gegenseitig stützen und nur zusammen richtig funktionieren – eben wie die beiden Vierbeiner. Dabei gesellen sich in der abenteuerlichen Handlung durchaus humorige Elemente (explodieren Schafe wirklich, wenn man sie tötet, oder meint das Axis nur?) zu existentieller Tragik (Verlust der Heimat, Tod) und durchaus gewalttätigen Tableaus, die den Rahmen der funny-Gestaltung bewusst konterkarieren und somit für Kinder kaum geeignet sind.

Die Geschichte, die streckenweise wie ein Hollywood-Streifen der 50er wirkt und mehr oder weniger direkt die Attacken der Wikinger auf die umliegenden Küsten aufgreift, reifte dabei mehrere Jahre: 1995 fertigte Pau erste Skizzen seiner tierischen Helden an, 1999 widmete er sich in Vollzeit seinem Herzensprojekt. Nachdem sich allerdings kein Verlag fand, ging dem Kollegen irgendwann das Geld aus, wodurch er eine Zwangspause einlegen musste und sich als Animateur auf der Baleareninsel Menorca verdingte, wobei die Arbeit an Axis und Atlas niemals wirklich ruhte. 2001 schließlich hatte der Verlag Ankama ein Einsehen und brachte „La Saga d’Atlas & Axis“ unter die Leserschaft, was der Splitter-Ableger toonfish nun auch für das deutsche Publikum erledigt. Band 1 der Saga ist schön eingerichtet, mit einem kleinen Bonus-Teil inklusive Skizzen und ganzseitigen Portraits. Wir sind auf Band 2 gespannt, denn Atlas muss ja auch noch einen magischen Knochen finden. Aber das ist eine andere Geschichte. (hb)

Die Saga von Atlas und Axis, Band 1
Text & Bilder: Pau (d.i. Rodríguez Jiménez-Bravo)
80 Seiten in Farbe, Hardcover
toonfish / Splitter Verlag
15,95 Euro

ISBN: 978-3-95839-925-9

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