Walt Disneys Fröhliche Weihnachten (Ehapa ECC) | Comicleser

Walt Disneys Fröhliche Weihnachten (Ehapa ECC)

Dezember 18, 2014

Walt Disneys Fröhliche Weihnachten (Ehapa ECC)

„Süüßer die Kassen nie kliiingeln, aaals zu der Weihnaaachts-Zeiiit!“ Dieses beschwingte Lied von Onkel Dagobert (nicht zuletzt dank der wie stets brillianten Übersetzung der Frau Dr. Fuchs) führte in meinem Knabenalter (also in den 70er Jahren des vorigen Jahrtausends) zu großem Vergnügen, das muss irgendwo in einem Lustigen Taschenbuch gewesen sein. Weihnachtsgeschichten haben Tradition in Entenhausen, das begann schon früh in den 30er Jahren mit Micky-Weihnachtskarten und setzte sich dann über Walt Disney’s Christmas Parade fort, die in Deutschland dann jeweils in den regulären Serien, Weihnachts-Sonderheften oder eben den Lustigen Taschenbüchern das Licht der Leserwelt erblickte. Genug Material also, um damit einen schönen neuen Band der Egmont Comic Collection zu füllen, der uns in edler Ausführung eine amüsante, abwechslungsreiche Zusammenstellung verschiedener Weihnachtsgeschichten aus Duckburg bringt. Bemerkenswert dabei vor allem: hier herrscht keinerlei Sentimentalität oder Kitsch, wie man ihn etwa eher mit einem Disney-Weihnachtskinofilm verbinden würde. Nein, vor allem die älteren Beiträge zeigen ein immer spaßiges, oftmals jedoch auch konsumkritisch-satirisches Bild vom Festtagsrummel.

So etwa beschließen die drei Neffen in „Rate Mal“ von Altmeister Carl Barks zunächst, auf Geschenke zu verzichten, eine Großmut, die sich angesichts eines begehrten Metallbaukastens schnell in Luft auflöst. Donald (gerade 80 geworden) wünscht sich gleichzeitig nichts sehnlicher als ein neues Auto. Durch verschiedene Missverständnisse und schlechtes Gewissen ihrer „lieben“ Nächsten hagelt es dann am Weihnachtstag gleich 15 Baukästen und vier Autos – eine schöne Satire auf den schon in den 50ern ausgebrochenen Konsumwahn. Der vom Weihnachts-Skeptiker Barks ersonnene Dagobert erweist sich dabei als wahrhaftiger Erbe seines Namensvetters: „Ich hab mich in meinem ganzen Leben noch nie dafür interessiert, was sich andere Leute zu Weihnachten wünschen. Wohin soll das führen? Das kostet nur Geld.“ Im Gegensatz zur echten Läuterung, die sein Vorbild Scrooge („Christmas? Bah! Humbug!“) in der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens durchläuft, lässt sich der Enterich Scrooge McDuck nur widerwillig zum Einkauf hinreißen – bezeichnenderweise im Kaufhaus Zum billigen Jakob.

Dass Weihnachten nicht erst seit kurzem zum Riesengeschäft verkommen ist, zeigt die ebenso aus den 50ern stammende Geschichte „Weiße Weihnacht“ (schon der Titel parodiert die Weihnachts-Seligkeit der Bing-Crosby-Ära): dort sieht sich Dagobert schon vor dem sicheren Ruin, da er seine gesamte Produktion auf Schlitten ausgerichtet hat, es aber partout nicht schneien will. Mit diversen Kniffen (erst lanciert man eine falsche Wettervorhersage, dann verteilt man großzügig Seifenflocken in ganz Entenhausen) wendet Donald das – finanzielle – Blatt doch noch zugunsten des alten Geizkragens. Etwas festlicher geht es dann in „Wie ein hungriger Wolf“ zu, als Giminy Cricket auf der Flucht vor einem Wolf in Klopfers Höhle gerät, aber in „Ein Päckchen für den Weihnachtsmann“ muss sich Donald dann als überlasteter Postbote redlich abmühen.

So fügt sich der Reigen zu einem schönen Überblick über verschiedene Schaffensperioden zusammen, angefangen von kurzen Frühwerken wie „Streiche im Schnee“ von 1935 (Donald noch mit langem Schnabel) und „Besuch von Oma“ (1949, eine resolute Oma Duck zwingt alle zum Aufräumen, nur um am Weihnachtsabend selbst beseelt im Chaos zu sitzen) über die genannten Klassiker bis hin zu den modernen Vertretern wie etwa Bas und Mau Heymans oder Daan Jippes. Besonders spannend ist die Aufnahme einer vollständigen Fassung der Story „Weihnachten mit Hindernissen“, die 1967 schon gekürzt in der deutschen Micky Maus erschien, und einer Adaption des Trickfilms „Kampf mit dem Weihnachtsbaum“, in dem Pluto sich eine heiße Schlacht liefert. Ein echter Festtags-Leckerbissen also für alle Freunde der Entenfraktion, in dem man sich dem Thema durchaus differenziert-launig und auch sarkastisch nähert. Aber wie sagte selbst der echte Scrooge, als ihm die drei Geister Mores gelehrt hatten: ho ho ho – merry Christmas everyone! (hb)

Walt Disneys Fröhliche Weihnachten
Text & Bilder: Carl Barks, Bas Heymans, Mau Heymans, Daan Jippes, Daniel Branca,
Floyd Gottfredson, Al Taliaferro, Vicar, Arild Midthun, William van Horn u.a.
176 Seiten in Farbe, Hardcover
Ehapa/Egmont Comic Collection
24,99 Euro

ISBN: 978-3-7704-3795-5

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