Storm: Die Chroniken von Rothaar, Band 2 (Splitter) | Comicleser

Storm: Die Chroniken von Rothaar, Band 2 (Splitter)

August 19, 2016

Storm: Rothaar, Band 2 (Splitter)

Angenehme Tage sehen irgendwie anders aus: auf ihrem Weg durch die tiefe Welt wird Storms künftige Holde Rothaar von Tinuide-Nomaden geschnappt und äußerst ruppig angefasst. Das aber ficht sie wenig an, denn im letzten Moment greift ihr Kumpane Kiley ein, der sich absichtlich ebenfalls hat einfangen lassen, nur um die tumbe Räuberschaft ordentlich plattzumachen. Nachdem die Luft rein ist, holen die beiden ihr wertvolles „Päckchen“ aus seinem Versteck: seine jugendliche Hoheit Nerlin, als dessen Leibwächter sie engagiert sind, um ihn zu seinem Vater, dem Abgeordneten der schwebenden Region, zu begleiten. Doch auch der weitere Weg hinaus aus der tiefen Welt birgt so seine Tücken: in einem eigentlich als sicher geltenden Haus werden Rothaar und Kiley vom Hausherr namens Sol attackiert, der sich angabegemäß allerdings nur selbst schützen will. Denn es hat sich so einiges geändert im Lande: der Papa des kleinen Schützlings ist der Regierungsgeschäfte enthoben worden und schmachtet in Gefangenschaft dahin.

Die Befreiung scheint schwierig, denn der Arme wird im Fünften Turm unter Verschluss gehalten, einer hermetischen Anlage, die üble Verbrecher beherbergt und deren Umgebung anarchisches Niemandsland ist. Sol erklärt sich bereit, beim tollkühnen Wagnis dennoch teilzunehmen, und so rollt der Tross durch die Wälder von Orbenga los in Richtung Papa, während Sol sich eine Flasche Barnik-Schnaps nach der anderen reinschüttet. Als Wegelagerer ihre Chance wittern und angreifen, dürfen auch diese in Form einer feurigen Überraschung vom Alkoholvorrat kosten. Angelangt entpuppt sich der fünfte Turm als Relikt der aus der Storm-Welt ja bekannten, uralten, längst verlorenen Hochzivilisation, die weitere Überraschungen bereit hält – unter anderem die medusenhafte Erscheinung Miselda aus der Rasse der Kredulpan, die eine jahrelange Freundschaft mit Sol verbindet. Miselda ist die einzige, die die Wege rund um den Turm und vor allem die wenigen Einfalltore hinein kennt, und so macht man sich mit der sonderbaren Erscheinung daran, die Festung zu erstürmen – aber manche Freunde entpuppen sich bei näherem Hinsehen als durchaus trügerisch…

Storm: Rothaar, Band 2 (Panel)

Rothaar: leicht geschürzt und immer voran

Wunderbar trashig, wie ein kunterbunter Pulproman kommt diese Episode aus der Storm-Spin-Off-Reihe um den feschen Rotschopf daher. Wie in einem Serial hetzen Rothaar und Kiley von einer Gefahr zur nächsten, während sie in einem fabelhaften Road Movie durch die vorzeitliche Kulisse hasten, die von anachronistischer Hochtechnologie unterbrochen wird – aber das kennen wir ja aus dem Storm- und Trigan-Universum allzu genau. Die Story des Geleitschutzes und des wagemutigen Einbruchs in einen Hochsicherheitsturm könnte (wie Elemente aus Teil 1 der Reihe) ebenso gut dem Geiste Robert E. Howards entsprungen sein, der seinen Cimmerier gerne mal auf solche Missionen schickte – den Autorenstift schwingt hier allerdings Rob van Bavel, der die Nachfolge von Veteran Roy Thomas antritt und zumindest die gleichen Zutaten (Fantasy, Technik, Fabelwesen) übernimmt.

War die Handlung bei Thomas doch noch etwas komplexer (inklusive Ausführungen auf die technologisierte Vergangenheit der jahrhundertelang unter Wasser stehenden Welt) und waren sogar einige kleinere Kommentare auf die Rolle der Frau in einer archaisch-männlichen Gesellschaft herauslesbar, setzt Bavel (der sich für die Atmosphäre seiner Version offenbar am zweiten Storm-Band „Der letzte Kämpfer“ aus der Feder von Martin Lodewijk orientierte) dagegen voll auf die Action-Karte, was die Melange leicht und flott lesbar macht. Romano Molenaar seinerseits zeigt wieder einmal eindrucksvoll, dass er scharfe Damen einfach kann – das geht zwar, wie schon bei seinen anderen Beiträgen zum Storm-Kanon – weg vom Original-Stil der Lawrence-Werke, aber entfaltet seine ganz eigene Charakteristik, die mehr an US-geprägte Arbeiten wie „Witchblade“ und Konsorten erinnert. Molenaar, der seine Zeichnungen teilweise an reale Vorlagen anlehnt (z.B. ist Miselda der Schauspielerin Gina Torres nachempfunden, die wir unter anderem in den Matrix-Filmen bewundern durften), sorgt vor allem dafür, dass Rothaar im Vergleich zu Band 1 deutlich freizügiger auftritt – da darf die wogende Pracht gerne öfter mal unter dem knappen Oberteil herauslugen, und das Beinkleid ist kaum der Rede wert. Jungensfantasie? Klar, keine Frage – aber wenn die so aussieht, sind wir gerne wieder Jungens. Band 3 folgt hoffentlich in Bälde. (hb)

Storm: Die Chroniken von Rothaar, Band 2: Der fünfte Turm
Text: Rob van Bavel
Bilder: Romano Molenaar
64 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
14,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-204-5

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