Lucky Luke, Band 94 (Egmont) | Comicleser

Lucky Luke, Band 94 (Egmont)

April 2, 2016

Lucky Luke, Band 94 (Egmont)

Siebzig Jahre Lucky Luke! Das will in großem Stil gewürdigt werden. Den Anfang machte bereits Ende Januar eine große Ausstellung beim Comicfestival in Angoulême. Eine weitere wird beim Comicsalon in Erlangen folgen. Als Comic-Auftakt zum Jubel-Jahr veröffentlicht Egmont Ehapa, der Stammverlag des Lonesome Cowboys, nun ein neues Album, das sich erstmals aus der Feder von Morris-Nachfolger Achdé mit den Flegeljahren des Helden beschäftigt. Als Lucky Kid erlebt der Junge, der später als Mann schneller schießen wird, als sein Schatten, kleine Abenteuer und Lausbubenstreiche. So wirbt er ungeschickt um seine Angebetete Joannie, muss sich mit diversen Wasch- und Bademarotten seiner Tante Martha herumschlagen, oder ist mit seinem indianischen Freund Kleiner Kaktus unterwegs. Dabei gibt es Gastauftritte des „großen“ Lucky Lukes, von Rantanplan und Jolly Jumper. Den Abschluss macht eine erwärmende weihnachtliche Kurzgeschichte mit einem gewissen Herrn Claus, die sowohl Lucky Kid als auch sein erwachsenes Alter Ego bestreiten.

Lucky Kid ist nicht neu. Pendants dazu finden sich bei franko-belgischen Comic-Ikonen inzwischen einige. So gibt es auch von Spirou seit langem bereits Jugendabenteuer (dt. im Carlsen Verlag), ebenso wie von Franquins Gaston, der als Gastoon bei toonfish sein kindlichen Unwesen treibt. Und auch schon vor Achdé gab es Geschichten mit Lucky Kid, die in den neunziger Jahren vom Duo Jean Léturgie und Pearce (ein Pseudonym, hinter dem sich Yann und Didier Conrad verbargen) gestaltet wurden. Jetzt greift Achdé die Idee wieder auf, wobei er auf Alben lange Geschichten verzichtet und stattdessen einseitige Episoden im Cartoon-Charakter wählt. Natürlich bieten diese kurzen, witzigen Episoden nicht den Tiefgang einer kompletten Lucky Luke Geschichte und sind vergleichsweise einfach, aber eben auch für ein jüngeres Publikum gedacht. Dazu passt, dass jeder der One-Pager eine abschließende lehrreiche Information über den Wilden Westen enthält, die thematisch mit der jeweiligen Episode zusammenhängt. Wer wusste schon, dass das Rattern der Waggonräder der Züge die Afroamerikaner zum Rhythmus des Boogie-Woogie inspirierte? Oder woher das ursprünglich indianische Lacrosse Spiel seinen Namen hat?

Nach dem Tode von Morris im Jahre 2001 übernahm der Franzose Achdé (d.i. Hervé Darmenton) den Prestige trächtigen Klassiker und führt ihn bis heute fort. Achdés erstes Lucky Luke Album erschien 2004. Wie auch Morris (in der Zeit nach Goscinny) arbeitet er dabei meist mit diversen Autoren zusammen. Die neuen Lucky Kid One-Pager von „Martha Pfahl“ entstanden jedoch in Alleinregie. Bemerkenswert und erstaunlich ist dabei immer, wie genau und pointiert er den Stil des großen Morris trifft, wobei man auch stets merkt, mit welchem Respekt Achdé den Lonesome Cowboy und dessen Welt behandelt. Wie immer bei Lucky Luke (und auch bei Asterix) veröffentlicht Egmont Ehapa den Band in einer Softcover und einer Hardcover Edition. Und der runde Geburtstag wird natürlich noch weiter gefeiert. Weitere Sonderausgaben und zwei Hommage-Alben folgen. Wir bleiben am Ball und werden darüber berichten. (bw)

Lucky Luke, Band 94: Martha Pfahl
Text & Bilder: Achdé
48 Seiten in Farbe, Hardcover
Egmont Comic Collection
12 Euro (Hardcover)
6,50 Euro (Softcover)

ISBN: 78-3-7704-3919-5

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