Deathstroke, Band 1 (Panini) | Comicleser

Deathstroke, Band 1 (Panini)

September 15, 2015

Deathstroke, Band 1 (Panini)

Boshafte, durchgeknallte Damen sind nicht gerade die besten Bekanntschaften, vor allem, wenn sie eigentlich die Freundin des Jokers sind, ein lustiges Harlekin-Kostüm tragen und die Psychopathen-Truppe namens Suicide Squad anführen. Aber Slade Wilson ficht das nicht an, in seiner Identität als eiskalter Auftragskiller Deathstroke verpfeift er seine ehemaligen Kumpels in Russland und zieht frohgemut neuen Taten entgegen. Das geht allerdings gehört den Bach runter, als sein geheimnisvoller Auftraggeber sich als genauso hinterhältig herausstellt: der geheimnisvolle, maskierte Red Fury (nicht zu verwechseln mit dem Namensvetter Nick) sorgt zwar dafür, dass Wilson gehörig verjüngt und runderneuert wird – nebst wieder sehendem Auge, das er längst verloren hatte – hetzt ihn aber gleichzeitig auf die Fährte des mysteriösen Odysseus. Den macht Deathstroke zwar noch erfolgreich ausfindig, aber bald wird ihm klar, dass man hier mehr als nur doppeltes Spiel treibt: Odysseus, der niemand anders als Wilsons Vater ist, hat Wilsons Sohn Jericho (also dieser Name stand bestimmt nicht im Buch der populärsten Kindernamen 2015) in seine Gewalt gebracht, um sich an dessen Mutation – der bemerkenswerten Selbstheilungskraft, die auch Deathstroke unkaputtbar macht – gütlich zu tun.

Das gefällt dem guten Herrn Wilson gar nicht, er entledigt sich seines alten Herren (wenigstens für einen Moment) durchaus rabiat, aber Jericho – der mit seinem Paps irgendwie weniger anfangen kann – macht Reißaus, und Deathstroke sieht sich plötzlich von seinem alten Kumpel Bronze Tiger unter Beschuss, den ihm Fury auf den Hals jetzt. Denn diese dubiose Figur arbeitet eigentlich für die Dead Bastards, eine Truppe von Söldnern, die der CIA die Drecksarbeit abnimmt und Deathstroke absichtlich auf seinen Vater angesetzt hat, der die Geheimdienste mal ordentlich reingelackt hatte. Nachdem diese Katze aus dem Sack ist, heftet sich Wilson an die Fersen seines Sohnes – und der wurde zuletzt in Gotham City gesichtet, wo seine Schwester Rose Wilson für den Pinguin blutige Arbeit macht und ihm verspricht, ihn zu beschützen. Aber in Gotham warten auf Deathstroke auch eine alte Bekannte im oben schon erwähnten Harlekin-Fummel und ein ebenso psychopathischer Herr in dunklem Fledermausanzug…

Es ist ja mittlerweile gut gelebte Praxis, Film- und Fernsehevents zum Anlass zu nehmen, Charaktere auch im Comic wieder auf die Startlinie zu bringen. So auch geschehen bei Slade Wilson, der von Marv Wolfman und George Pérez schon 1980 eigentlich als Mitglied der spaßigen Teen Titans geschaffen und bald darauf zum sauberen Antihelden wurde, der als Profikiller ungerührt für den Meistbietenden mordet. In den 90ern brachte es der Veteran mit den übernatürlich scharfen Sinnen und der famosen Selbstheilungskraft (böse Zungen würden ja sagen, ein gewisser Wade Wilson liefert eine treffliche Parodie als untötbarer Irrer alias Deadpool) sogar auf eine eigene Serie, die dann im Nirvana verschwand. Mittlerweile ist Slade allerdings wieder durchaus aktiv, und das sogar multimedial: in der TV-Serie Arrow ist er ein gern gesehener Stammgast, was im Rahmen der New 52 bei DC dann 2014 in einem Neustart mündete, in dem – wie gewohnt bei diesen Reboots – die bisherige Historie soweit herausgelöst wird, dass auch neue Leser den Zugang zur Serie finden können.

Spätestens seit dem Hype um das Kinodebut der Suicide Squad 2016 macht auch Harley Quinn einiges her, eine deutsche Veröffentlichung war somit nur folgerichtig. Ob sich denn nun neue Leser in diesem Kosmos zurechtfinden, in dem trotz der auch optischen Runderneuerung des Titelhelden jede Menge alte Bekannte auftreten und Verweise auf die Historie nicht fehlen, das sei dahingestellt – auch einem Veteranen mag bei Deathstroke, Deadshot, Deadpool und Lady Deathstrike langsam der Kopf brummen. Was hier überzeugt, ist die grandiose optische Aufmachung durch Tony S. Daniel, der das auch von ihm geschriebene Abenteuer in rasanten, farbenprächtigen und teilweise nicht gerade zimperlichen Bildern umsetzt. In explosiven, gerne auch großformatigen Panels platzt die Handlung vor allem im epischen Kampf mit Batman auch optisch aus allen Nähten und nimmt den staunenden Betrachter mit auf die Wahnsinnsfahrt, in der sich Deathstroke mit der Vergangenheit und seinen eigenen fragwürdigen Motivationen konfrontiert sieht. Brachiale Action als Augenschmaus! Die vorliegende Ausgabe versammelt die US-Originale ‚Deathstroke‘ 1-6, die von Dezember 2014 bis Mai 2015 erschienen. (hb)

Deathstroke, Band 1: Tödliche Mission
Text: Tony S. Daniel
Bilder: Tony S. Daniel, Sandu Florea
132 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
14,99 Euro

ISBN: 978-3-95798-491-3

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