Batman: Black Glove (DC/Panini) | Comicleser

Batman: Black Glove (DC/Panini)

November 14, 2011

Helden in den sprichwörtlichen langen Unterhosen, vermengt mit dem (allerdings fast schon ein bißchen ausgenudelten) psychopathischen Spitzohr des Millenniums: diesen Spagat wagt Autorenveteran Grant Morrison in Black Glove. Die Sammlung von insgesamt 6 Einzelheften aus der US-Batman-Serie liest sich wie eine Art Prequel zum Mega-Event (nichts wird mehr so sein wie früher! Robin wird Ministerpräsident von Italien! Bruce Wayne moderiert „Wetten, Dass…?“) Batman RIP und tut das auf eine durchaus unterhaltsame Weise. Grob lassen sich zwei Storylines unterscheiden: Zunächst gibt‘s in der eigentlichen Black Glove Geschichte einen Auftritt des kuriosen Club der Helden, einer typischen Silver Age Erscheinung aus dem Jahr 1955, als die öffentliche Empörung um die angeblich moralisch zersetzende Wirkung der Comics (Ballerspiele und Facebook gab‘s halt noch nicht als flugs bereiter Grund für alles Böse auf der Welt) für allerlei bunt-harmloses Treiben sorgte. Neben Krypto dem Superhund und den absolut keimfreien Abenteuern von Batmans Butler Alfred entstand da auch diese Kombo von Möchtegern-Batmännern, denen ein gelangweilter Multimillionär namens Mayhew Kost und Logis bot. Weit kamen die Herren mit den illustren Namen Man of Bats, Dark Ranger, Knight, Wingman etc. allerdings nie, und auch ihr großes Idol wollte nie so richtig viel von ihnen wissen.

Hier setzt Morrison nun an: Ganz in Agatha Christie Manier lädt der Gönner Batman und Robin auf eine Insel zur Reunion-Party ein, die – man glaubt es kaum – nur ein Vorwand dazu ist, einen nach dem anderen grimm zu meucheln. Ein bißchen zehn kleine Negerlein, „gefährliche Stlasse wie flische Pilze“, ein ganz, ganz klein wenig Watchmen, und mittendrin ein cooler Mitternachtsdetektiv der es anständig krachen läßt. Macht Spaß, nicht zuletzt wegen der immer wieder gerne mal ungewöhnlichen Panel-Aufteilung der Zeichnungen.

Die Psycho-Karte so richtig spielt dann aber die zweite Storyline „Batman stirbt im Morgengrauen“, in der unser Lieblingsflattermann im Kampf gegen einen von diversen Batmans, die die Gotham Polizei selbst als Ersatz für den Fall der Fälle gebastelt hatte, eine Herzattacke erleidet und daraufhin diverse Nahtoderfahrungen durchlebt. Geboten sind dabei die üblichen Psychosen, als da wären Tod der Eltern (Joe Chill treibt er dieses mal in den Selbstmord, na zeit wurd‘s auch mal für den Lumpensohn) und natürlich die ewig nagenden Vorwürfe wegen Tim Drake, dem glücklosen zweiten Robin. Dies wäre dann wohl die Vorbereitung auf RIP, ok – verstanden. Neben diesen teilweise reichlich psychedelischen Ausritten gibt’s auch harte Action zu bestaunen, die die etwas wirreren teile der Story verdaulich macht.

Vor allem durch die Kombination von klassischen Elementen und modernen Zügen macht der Band trotz mancher Logiklöcher Freude, und auch die zeichnerische Ausführung weiß zu gefallen. Warum genau man jetzt diese Hefte herausbringt, die im Original schon 2007/2008 erschienen, diese Frage können die Paninis wohl selbst am besten beantworten. Für Sammler ist der Band auch als limitiertes Hardcover (nur 222 Exemplare!) für 39 Euro erhältlich. (hb)

Text: Grant Morrison
Bilder: J.H. Williams III, Tony S. Daniel
180 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
16,95 Euro

ISBN 978-3862012183

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