John Tiffany, Band 1 (dani books) | Comicleser

John Tiffany, Band 1 (dani books)

Juli 8, 2015

John Tiffany, Band 1 (dani books)

John Tiffany ist das, was man einen modernen Kopfgeldjäger nennt. Offenbar ein guter, mit Sinn für Stil und Anstand. Aber anders als bei Colt Seavers (die Älteren werden sich noch erinnern) geht es bei ihm richtig zur Sache. Denn er sucht sich nur wirklich lukrative – und demnach auch gefährliche – Jobs aus, die viel Kohle bringen. Nun wird ihm in Mexiko unverhohlen von einem ‚Kollegen‘ klar gemacht, dass auch auf ihn ein Kopfgeld ausgesetzt ist: 800.000 Dollar! John ist überrascht, denn nur vier Personen aus seinem engsten Kreis wissen, dass er in Mexico City ist. Ergo muss eine davon ihn verraten haben. Aber wer? Und warum das Kopfgeld auf ihn? Hat es mit einem Job in Pakistan zu tun, den er vor einigen Monaten erfolgreich abschloss? Dort sollte er einen berüchtigten Drogenboss mit dem kuriosen Namen O Animal dingfest machen. Ein Vorhaben, dass gerade so gelingt und ihm 1,5 Millionen Dollar einbringt. Oder hat es etwas mit dem serbischen ‚Besitzer‘ der Prostituierten Magdalena zu tun, die er für drei Monate ‚bucht‘ und sich dann auch noch in sie verliebt? Die (elektronischen) Spuren scheinen aber nach Pakistan zu führen, wohin sich Tiffany dann auch aufmacht. Und prompt in eine Falle tappt. Denn er wird dort schon erwartet, Überraschung inklusive…

Der Band bedient sich spielerisch einiger Noir Elemente ohne sich komplett dem Genre einzuordnen. So erfährt der Leser Tiffanys Gedanken, er kommentiert das Erlebte selbst (beim Film würde man sagen, ‚aus dem Off‘), allerdings weniger lakonisch-sarkastisch, wie man es vom Genre her kennt, sondern eher sachlich und analytisch. Die Femme Fatale in der Figur der Prostituierten Magdalena gibt es auch. Nur spinnt sie (noch) keine Intrigen, scheint aufrichtig in John verliebt, hat aber offenbar eine dunkle Vergangenheit. Und John Tiffany selbst ist kein selbstzerfressener Zweifler, sondern ein Strahlemann vor dem Herrn, der mit seinem üppigen Verdienst durchaus offensiv umgeht, wie sein Fuhrpark und seine verglaste Protz-Villa beweisen.

Hier geht es auch nicht subtil zu Werke, sondern immer gleich in die Vollen. Noch ehe man weiß warum, wird Tiffany ganz offen bedroht und behält anschließend bei einer wilden Verfolgungsjagd knapp die Oberhand. Später wird er von seiner ‚Sekretärin‘ Dorothy brachial befreit (die eine wunderbare Parodie auf die US-Politikerin Sarah Palin abgibt – falls man diese Dame überhaupt noch parodieren muss…). Überhaupt sorgen die ungewöhnlichen Nebenfiguren aus seinem Team, die gleichzeitig auch die potentiellen Verräter sind, für skurrile Aspekte. Neben dem Palin-Lookalike Dorothy, die Rassistin ist und im Irak Terroristen ‚verhörte‘, haben wir da noch Reverend Lovejoy, der Tiffanys Job und dessen Lebensstil ganz unkatholisch eine geistliche Carte Blanche gewährt, und das Computergenie Chao, der Johns Aufträge beschafft und der als Chinese akribisch das Judentum studiert, um irgendwann seine Angebetete heiraten zu können.

John Tiffany ist einmal mehr ein Joint Venture zweier Comicwelten (s.a. ‚Träume‘ von Denis-Pierre Filippi und Terry Dodson (Splitter Verlag) oder Cross Cults ‚Ich bin Legion‘ von Fabien Nury und John Cassaday). Der versierte Autor Stephen Desberg ist Belgier und vertritt seit Jahren erfolgreich die franko-belgische Comickultur (u.a. mit ‚Der Skorpion‘, den er mit Enrico Marini schreibt). Dan Panosian lebt in Los Angeles und zeichnet in erster Linie Superhelden für Marvel (früher auch für Image). Bei uns erschienen von ihm u.a. X-Men und Iron Man Ausgaben. Sein Zeichenstil ist kantig, auch bisweilen roh und plakativ, was zur action-betonten Grundstimmung des Bandes bestens passt. Trotzdem sind die Panels, gerade was Stadtszenen betrifft, sehr opulent ausgestaltet. Der Serienauftakt (es wird mindestens noch drei weitere Bände geben) ist ein vordergründig gradliniger Action-Thriller, der aufgrund der angedeuteten Verknüpfungen zwischen einzelnen Personen und Vorkommnissen schon den Grundstein für eine komplexere Handlung in den weiteren Bänden legt – man beachte den kleinen subtilen Hinweis im allerletzten Panel. Außerdem will man als Leser ja wissen, wer denn nun John Tiffany verraten hat. (bw)

John Tiffany, Band 1: Das Geheimnis des Glücks
Text: Stephen Desberg
Bilder: Dan Panosian
56 Seiten in Farbe, Hardcover
dani books
14,99 Euro

ISBN: 978-3-95956-001-6

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