Lonesome, Band 2 (Splitter) | Comicleser

Lonesome, Band 2 (Splitter)

November 24, 2020
Lonesome, Band 2: Die Ruffians (Splitter Verlag)

Winter 1861 in dem verschneiten Städtchen Holton in Kansas. Nach dem furiosen Showdown hat sich unser namenloser Held – nennen wir ihn vorerst „Lonesome“ – festnehmen lassen. Aber der korrupte Bürgermeister Harper, der noch immer sein Unwesen treiben kann, heuert Marshal Longbaugh an, was für Lonesome wieder nichts Gutes bedeutet. Denn Longbaugh soll ihn unauffällig zur Strecke bringen. Doch der örtliche Sheriff, der seinen Mut und seine Ehre wiedergefunden hat, kann diese erneute Schandtat vereiteln. Lonesome sucht nun weiter nach Pastor Markham, einem sadistischen Hetzer, mit dem er offenbar eine gemeinsame Vergangenheit hat. Dessen Spur führt in den Nachbarstaat Missouri. Dort trifft Lonesome auf einen Trupp Border Ruffians, die – auch mit Gewalt – für die Sklaverei eintreten, und die ebenfalls Markham suchen. Man traut sich nicht, glaubt v.a. Lonesomes Rachemotiv nicht und setzt ihn fest, während der Trupp wieder Richtung Kansas reitet, wo sich Markham samt Bande aufhalten soll. Doch Lonesome kann sich befreien und heftet sich sowohl Markam, als auch den Ruffians an die Fersen…

Während „Durango“, Yves Swolfs‘ andere Western-Serie, die er inzwischen nur noch schreibt, als reiner Italo-Western angelegt ist, spielt „Lonesome“ nicht nur zeitlich früher, sondern ist auch handlungstechnisch komplexer. Da ist einmal die mysteriöse Hauptfigur, die ihren Namen – schon fast als Running Gag – partout nicht nennen will. Wir wissen bisher nur Bruchstücke aus seiner mysteriösen Vergangenheit, etwa dass er ein ausgezeichneter Schütze ist, der es mit jedem Revolverhelden aufnehmen kann (siehe Band 1) und dass er von Indianern aufgezogen wurde. Band 2 lüftet hier ein weiteres Geheimnis: endlich erfahren wir, warum er Markham sucht und lebend fassen will. Dazu kommt seine übersinnliche Gabe, die unmittelbare Vergangenheit derer zu „sehen“, die er mit seiner Hand berührt. Und wieder ist es eine Frau, die Lonesome weiter hilft (siehe Lucy in Band 1) – auch sie bleibt vorerst namenlos, auch sie bleibt geheimnisvoll. Langsam bestätigt sich auch, dass Markham von Hintermännern gesteuert und finanziert wird, was Harper bereits im Erstling andeutete.

So zeigt der Band – ganz aktuell – eine gespaltene amerikanische Gesellschaft, deren fundamental gegensätzliche Ansichten in dem Bundesstaat Kansas direkt aufeinander prallen. Ein Konflikt, hier konzentriert auf ein Gebiet, der sich in Kürze als Sezessionskrieg im ganzen Land entladen wird. Die Reihe spannt bis jetzt einen angenehm weiten Storybogen, auch mit Hilfe des historischen Hintergrunds. Lonesome handelt ausschließlich aus persönlichen Gründen, bei seinem Tun schert er sich weder um die eine, noch um die andere Seite des Konflikts. Dennoch muss er sich mit den skrupellosen Hintermännern und potenziellen Kriegsgewinnlern, deren Tun politisch und finanziell motiviert ist, auseinandersetzen, will er seinen Rachetrieb und die Umstände seiner tragischen Jugend klären. Auch zeichnerisch schöpft Yves Swolfs wieder aus dem Vollen. Erneut punktet er mit realistischen Bildern und stimmigen Winterlandschaften, ohne dabei anständige, actionreich inszenierte Massen-Schießereien zu vernachlässigen. Was sich beides mit Band 3 ändern kann, denn der verspricht ein ganz neues Setting. Wir sind gespannt. (bw)

Lonesome, Band 2: Die Ruffians
Text & Bilder: Yves Swolfs
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
16 Euro

ISBN: 978-3-96219-173-3

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