Durango Gesamtausgabe, Band 3 (Splitter) | Comicleser

Durango Gesamtausgabe, Band 3 (Splitter)

January 8, 2018

Eine abgeschlossene Geschichte und einen Zweiteiler aus den Jahren 1987 bis 1990 beinhaltet dieser Sammelband mit den Abenteuern von Durango, dem Revolverhelden im späten Wilden Westen, der beinahe schneller zieht als sein Schatten. Den Anfang macht „Loneville“. Ein wahrhaft passender Name für das üble Kaff, in das es Durango im tiefsten Winter verschlägt. Der Ort ist halb verlassen, halb verfallen und wird obendrein noch seit drei Monaten von einer Bande terrorisiert, die sich (ebenso passend) Outlaws nennt. Der Rest der verbliebenen Bürger ist von einem dubiosen Bankier abhängig. Klar, dass sich Durango einmischt, sich auf die Seite der wehrlosen Bürger schlägt und einen blutigen Ein-Mann-Feldzug (gut, er bekommt Hilfe von einem Waisenmädchen) gegen die Outlaws startet… Obwohl es bereits ab Seite 3 standesgemäß zu einem ersten Massaker kommt, zeichnet sich „Loneville“ mehr durch die Story als durch Geballere aus, wenngleich Autor und Zeichner Yves Swolfs natürlich nicht gänzlich auf die charakteristischen und genretypischen Italowestern-Motive verzichtet. Aber Elemente wie ein maskierter, mysteriöser Gangsterboss oder ein Wasserfall als Eingang zum Versteck der Outlaws erinnern eher an Western-Vertreter der Karl May- oder Zorro-Fraktion. Was frischen Wind in die Geschichte trägt. Das Finale präsentiert sich gewohnt cineastisch, mit schnellen Schnitt- bzw. Bild-Folgen und Close-Ups – ganz wie man es von einem Italowestern erwartet.

„Ein guter Tag zum Sterben“: Nach seinem Winter-Abenteuer verschlägt es Durango nach Dale City. Dort erschießt er (wieder bereits nach drei Seiten) mit seiner schnellen Mauser-Pistole im Duell – will heißen: in Notwehr – gleich mal drei Männer, weshalb ihn Steelgrave, der starke Mann der Stadt und deren Bürgermeister, vom Fleck weg als Leibwächter engagiert. Durangos Schutzbefohlene ist Steelgraves viel jüngere Frau Lucy, die unbedingt mit ihrem reichen Gatten einen Jagdausflug machen will. Natürlich nicht aus Jux und Tollerei, wie sich bald herausstellt, sondern um den alten Knaben zu beseitigen und um an dessen Vermögen zu kommen. Zu diesem Zweck paktiert Lucy mit durchaus üblen Gesellen, wobei ihr Durango natürlich ebenfalls ein Dorn im Auge ist. Und dann greift auch noch der alternde Kopfgeldjäger Duncan ins Geschehen ein, der aus noch unbekannten Gründen eine persönliche Rechnung mit Lucy offen hat. In „Duncans Gold“, der Fortsetzung, macht sich Durango gemeinsam mit Lucy auf nach Wyoming, um den Schatz Duncans zu finden. Geleitet werden sie von der Schatzkarte, die Duncan vor seinem Tod anfertigte. Und ausgerechnet die wird gleich am Anfang der Episode gestohlen, was die Konkurrenz ins Spiel bringt: die Halunken rund um die fettleibige Dragon Lilly eröffnen gemeinsam mit dem Gangster und Ex-Marshal Ryan den Wettlauf um das versteckte Gold…

Lucy, die vermeintliche Schwarze Witwe, entpuppt sich in dem Zweiteiler als blonde Femme Fatale mit überaus tragischer Vita, weshalb sich Durango schließlich auf ihre Seite schlägt und doch noch als waschechter, lebensrettender Bodyguard fungiert. Die Hatz nach dem Schatz ist eher konventionelle und sattsam bekannte Westernkost: Diverse konkurrierende Parteien, die sich verbünden und sich gegenseitig ausspielen. Hier zitiert Swolfs bekannte Western-Werke, wie Sergio Leones „Zwei glorreiche Halunken“ (im Original viel passender „The Good, the Bad and the Ugly“) oder auch den epischen Blueberry-Zyklus rund um das Südstaaten-Gold. Wie in Leones Klassiker liegt auch hier das Objekt der Begierde auf einem Friedhof, wenngleich es sich um eine Begräbnisstätte der Indianer handelt. Am Ende, wie sollte es anders sein, begibt sich unser Held wieder in die freiwillige Einsamkeit und reitet davon. Wie dies ein anderer berühmter Cowboy stets tut, der wirklich schneller zieht als sein Schatten und der hier einen kleinen Gastauftritt absolviert. Der dritte Sammelband der Gesamtausgabe präsentiert damit wieder sehr unterschiedliche Stories, die üble, psychopathische Bösewichte gemeinsam haben, wobei Swolfs die Italo-Wurzeln der Serie immer im Auge behält. Dabei tut das realistische Artwork sein Übriges, das wie gehabt ganz in der Tradition eines Jean Giraud und dessen Blueberry steht und inzwischen sichtlich gereift ist. (bw)

Durango Gesamtausgabe, Band 3
Text & Bilder: Yves Swolfs
148 Seiten, Hardcover
Splitter Verlag
29,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-456-8

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