Usagi Yojimbo: Yōkai (Dantes Verlag) | Comicleser

Usagi Yojimbo: Yōkai (Dantes Verlag)

Juli 27, 2020

Während einer finsteren Nacht – Usagi ist wieder einmal alleine unterwegs – widerfährt dem herrenlosen Samurai Seltsames: Er trifft im Wald auf eine edle Dame, die ihn voller Verzweiflung bittet, ihre Tochter wiederzufinden, die von einem Fuchsgeist entführt worden ist. Natürlich lässt sich Usagi überreden, doch seine Suche verläuft ganz anders als erwartet. Denn in dieser Nacht sind auffallend viele Yōkai unterwegs, Fabelwesen, wie Monster und Kobolde. Nach diversen wundersamen wie auch kuriosen Begegnungen trifft Usagi auf Sasuke, den Dämonenjäger, der ihm Düsteres offenbart: Denn just in dieser Nacht steigt die Dämonenparade, die nur einmal alle hundert Jahre stattfindet. Ziel dieser Zusammenkunft ist die Unterwerfung der Welt, wofür die Yōkai eine lebendige Seele benötigen – nämlich das entführte Mädchen…

Usagi Yojimbo (Leibwächter Hase) wurde und wird von 1984 bis heute von Stan Sakai geschrieben und gezeichnet. Dass ein Künstler seiner Figur so lange treu bleibt und stetig erfolgreich neue Geschichten kreiert, ist eine absolute Seltenheit. Und wurde gerade mit zwei Eisner Awards ausgezeichnet, inkl. der Aufnahme in die Hall of Fame! Bereits vor elf Jahren feierte Usagi seinen 25. Geburtstag. Zu diesem Anlass zeichnete Sakai für Dark Horse mit „Yōkai“ eine Usagi-Graphic Novel, die so ganz anders war, als die bisherigen Abenteuer des Hasen-Ronins. Denn sie war nicht in Schwarz-Weiß gehalten, sondern in Farbe. Und zwar in kräftigen Aquarellfarben, die als Direktkolorierung aufgebracht wurden (in einem Interview, das den Band beschließt, nennt Sakai als Inspiration u.a. Hermanns „Die Türme von Bos-Maury“ oder „Blacksad“ von Juan Diaz Canales und Juanjo Guarnido). So entstand ein variierter, neuer Usagi-Stil. Die bunten Zeichnungen sind weniger detailliert, als die gewohnten Tusche-Arbeiten und wirken dadurch plakativer, ein Eindruck, der durch großzügige Panels noch verstärkt wird.

Dazu kommt eine gewisse Leichtigkeit, gepaart mit humoristischen Einsprengseln, was wie auch die Farbe dem eigentlichen Gruselambiente (finstere Nacht, unheimlicher Wald, Monster) entgegensteht. Denn das Aussehen der Yōkai ist mitunter skuril bis albern (wie der/das Sasosho – ein hüpfendes Bein mit Gesicht und Haarschopf) und dennoch genauso der japanischen Folklore entlehnt. Die Keilerei mit den Yōkai ist gewohnt furios inszeniert und erstreckt sich über viele Seiten, wobei Usagi sein Schwert einsetzt und Sasuke seine Magie. Am Ende folgt noch eine kleine Überraschung, ein gelungener Twist, wie sich das bei Sakai gehört. So dient dieser Jubiläums-Band mit seiner originellen Schauermär, der auch im kleinen Hardcover-Format veröffentlicht wird, als eine Ergänzung der Hauptserie der etwas anderen Art und unterstreicht einmal mehr eindrucksvoll die Vielseitigkeit von Stan Sakai. (bw)

Usagi Yojimbo: Yōkai
Text & Bilder: Stan Sakai
64 Seiten in Farbe, Hardcover
Dantes Verlag
15 Euro

ISBN: 978-3-946952-42-8

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