Black Hammer, Band 3 (Splitter) | Comicleser

Black Hammer, Band 3 (Splitter)

April 16, 2019
Black Hammer, Band 3: Age of Doom (Splitter)

Beinahe, aber auch nur beinahe hätten die verlorenen Helden von Spiral City erfahren, was mit ihnen geschehen ist. Da taucht Lucy Weber, Tochter des verstorbenen Anführers Black Hammer, unerwarteterweise auf ihrer Farm in Rockwood auf und will ihnen die Wahrheit eröffnen. Aber just in dem Moment fährt ein gewaltiger Blitz herbei, und Lucy findet sich in einer seltsamen Zwischenwelt wieder: dem Ante-Room, einer Art höllischem Pub, in dem sich wüste Gesellen namens die Verschrobenen treffen und wirre Zerrbilder der Realität abfeiern. Lucy lässt sich allerdings nicht beirren, sondern sucht mittels mächtigem Hammer den Weg zurück – und landet dabei prompt in der Hölle, wo ihr ein lustiger Kumpane namens Jack Sabbath zur Seite steht. Fast gelingt es dem Leibhaftigen, Lucy zu überzeugen, ihr Vater selbst sei in der Hölle gelandet – aber Lucy bleibt standhaft und findet tatsächlich den Weg nach draußen, der sie direkt nirgends anders hinführt als in die Hütte von Lady Dragonfly.

Irgendetwas stimmt ganz gewaltig nicht, das erkennen langsam aber sicher auch die gestrandeten Helden: urplötzlich entwickeln sich alles, wie man es sich immer gewünscht hat. Abe knüpft wieder zarte Bande zu Tammy, deren doch eigentlich so streitbarer Ex-Ehemann das Ganze zuckersüß lobt. Und auch der Marsianer Mark traut sich endlich, den Ortspfarrer mit seinen Gefühlen zu konfrontieren, der das auch noch wunderbar findet. Es scheint fast so, als ob man den Exilhelden ihr Schicksal mit aller Macht schmackhaft machen will – aber Lucy hat die Chose durchschaut und stellt Madam Dragonfly und Colonel Weird endgültig zur Rede, die irgendwie hinter der Sache zu stecken scheinen…

The Matrix meets Miracleman! So ähnlich könnte man die durchaus furiose Auflösung verorten, die Jeff Lemire in seiner wunderbaren Helden-Hommage endlich liefert. Natürlich konnte man sich denken, dass die Helden in einer Art Traumwelt gefangen sind, dass irgendeine finstere Macht die ominöse Form geschaffen hat, um das Bewusstsein der alten Recken ruhig zu stellen. Der Kniff, dass die Drahtzieher aus den eigenen Reihen stammen und durchaus überraschende Motive verfolgen, dieser Twist ist Lemire allerdings bestens gelungen.

Nachdem die Episode in den Höllenszenen ein wenig den Faden zu verlieren droht, bekommt Lemire glücklicherweise rechtzeitig die Kurve und schwenkt auf ein Szenario ein, das die ewige Frage beantwortet: ist ein Leben besser, das zumindest dem Anschein nach alle Wünsche erfüllt, aber nicht real ist, oder sollte man Enttäuschung und Leid lieber konfrontieren, wenn man so zumindest die wahre Existenz erfährt? Dazu vermischt sich wieder einiges an Humor (wunderbar eine zombie-artige Ramones-Kopie, die im Ante-Room auftritt), Helden-Verneigung (Abe Slam erntet nichts als haltloses Gelächter, als er sich für Tammy in seinen alten Anzug zwängt), aber auch apokalyptisches Endzeit-Szenario – immerhin ist die Rückkehr der Helden noch lange nicht garantiert. Wir verfolgen diese epischen Ereignisse weiter atemlos. (hb)

Black Hammer, Band 3: Age of Doom, Buch 1
Text: Jeff Lemire
Bilder: Dean Ormston, Dave Stewart
136 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
19,80 Euro

ISBN: 978-3-96219-040-8

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