Hellboy, Band 16 (Cross Cult) | Comicleser

Hellboy, Band 16 (Cross Cult)

November 3, 2017

Zwei in jeder Hinsicht völlig unterschiedliche Teile umfasst der aktuelle Hellboy Band, der nach 1952 (Band 14) wieder in der Vergangenheit des Helden spielt. Der erste Part beinhaltet vier Kurzgeschichten, spielt in England, wurde von Hellboy-Mastermind Mike Mignola geschrieben und vom Neuseeländer Ben Stenbeck gezeichnet. Der zweite Teil spielt in den USA. Hier erhielt Mignola Autoren-Unterstützung von Chris Roberson (iZombie, Fables: Cinderella) und die Zeichnungen stammen von Michael Walsh (die Kurzgeschichte) bzw. von Paolo Rivera (die lange Story). Auch stilistisch und optisch haben beide Teile nichts gemein, aber dazu gleich mehr.

Der Band behandelt, wie aus dem Titel bereits ersichtlich, die Abenteuer eines jungen Hellboy im Jahre 1953. In England ist er im Februar des Jahres mit seinem Mentor und Begründer der B.U.A.P., Trevor Bruttenholm, unterwegs, um übernatürliche Phänomene zu untersuchen. „Die Geisterhand“ beginnt wie eine klassische Haunted House Mär, eskaliert dann plötzlich und nimmt eine größere Dimension an, denn Hellboy muss sich (mal wieder) mit einem Dämon kloppen. In „Rawhead und Bloody Bones“ greift Mignola irisch-englische Folklore-Figuren auf, die einen Pub heimsuchen, welcher unglücklicherweise ihren Namen trägt. Auch „Der Hexenbaum“ greift auf eine uralte Legende zurück und bezieht sich im Ursprung auf Boudicca, die einst einen Aufstand gegen die Römer wagte. Und letztlich berichtet Bruttenholm von einer Begegnung mit einem Kelpie (er meint den in Schottland beliebten Wassergeist, nicht den Whisky von Ardbeg), der einst einem Kommilitonen zum Verhängnis geworden ist.

Alle vier Episoden sind auch in ihrer Kürze typische Mignola-Werke (zeichnerisch besorgte er lediglich das Cover). Und die Bilder Stenbecks, der bereits in „Frankenstein Underground“ wie auch in „Baltimore“ (beides ebenfalls von Mignola geschrieben) seine Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte, atmen den optischen Zeichen-Geist des Hellboy-Schöpfers. Finster, düster, viel schwarz, viel Tusche, mit wunderbaren Anklängen an deutschen Stummfilm-Expressionismus und gotischen Horror. So kennen und lieben wir die Reihe. Doch nun kommt ein Cut, wir setzen über nach Amerika. Vorhang auf für Teil 2: November 1953. Im verschneiten Wyoming gehen Hellboy und seine Kollegin Susan Xiang, die für Visionen empfänglich ist, seltsamen Erscheinungen nach und stoßen auf ein Massaker an chinesischen Bergleuten, deren Geister keine Ruhe finden. Eine unterhaltsame kurz-prägnante Gespenster Geschichte („Wandernde Seelen“).

Dann folgt mit „Hinter den Zäunen“ die längste Story des Bandes. Inzwischen haben wir Dezember 1953. In Kalifornien gilt es, den Fall von verschwundenen Kindern und Tieren zu lösen. Wieder mit Susan und mit Kollege Jacob Stegner, die wir bereits aus Band 14 kennen. Und natürlich steckt hinter dem Fall weit mehr als es den Anschein hat. Ein Hund, immun gegen Kugeln, häutet sich und mutiert zur Bestie, inkl. furiosem Kampf mit Hellboy, und dann mischt auch der russische Geheimdienst mit. „Hinter den Zäunen“ wurde von Paolo Rivera, der für seine Arbeit an Daredevil gleich zwei Eisner-Awards einheimste (gemeinsam mit seinem Vater und Inker Joe Rivera, der auch an der Hellboy Story mitarbeitete), gezeichnet. Sein Stil ist glasklar, durchaus farbenfroh und damit alles andere als dunkel und finster. Durch diesen realistischen, beinahe freundlichen Look scheint der Horror in den gewöhnlichen amerikanischen Alltag einzuziehen – mal eine ganz andere Präsentation eines Hellboy-Abenteuers.

Wie immer runden Skizzen, Entwürfe und Vorzeichnungen der beteiligten Künstler den Band ab. Fortsetzung folgt? Ganz sicher sogar: Die Hellboy/B.U.A.P.-Abenteuer des Jahres 1954 erscheinen Anfang 2018 bei Dark Horse in gesammelter Form. Und Cross Cult wird dann auf dem heimischen Markt sicher wieder nachziehen. Übrigens: Auch neuer Spielfilm, ein Reboot, ist ebenfalls in Vorbereitung und wird im nächsten Jahr in die Kinos kommen. Gerne doch. (bw)

Hellboy, Band 16: Hellboy und die B.U.A.P. 1953
Text: Mike Mignola, Chris Roberson
Bilder: Ben Stenbeck, Michael Walsh, Paolo Rivera, Joe Rivera
144 Seiten in Farbe, Hardcover
Cross Cult
22 Euro

ISBN: 978-3-95981-399-0

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