Horrifying Delights (Erko) | Comicleser

Horrifying Delights (Erko)

April 10, 2017

Irgendwann in einer doch etwas dystopischen Zukunft: die Liebe zwischen Menschen und Aliens steht unter Strafe. Wer das nicht ernst nimmt und dennoch erotische Kontakte zu anderen Rassen, liebevoll „Stinker“ genannt, pflegt, gilt als pervers und wird in „Umerziehungslagern“ interniert. Genau das passiert Armand, dessen Geliebte Odona sich bei einer Polizei-Razzia als Kuhling (mehrere Euter, verstanden?) herausstellt, woraufhin die beiden auf die Raumstation Six verfrachtet werden. Dort sitzt man mit 800.000 Menschen und Aliens ein, die allesamt auf die rechte Bahn gebracht werden sollen. Der Wärter Sitim Walisko, selbst insgeheim ein „Stinker“-Liebhaber, bietet an, zumindest Armand wieder hinauszuschleusen – aber wird auf der Flucht von Agent Rothstein geschnappt. Jetzt drohen noch drakonischere Strafen…

Tief im Raum, Sperrgebiet, Sektor 10: die ex-Sträflinge Zoe und Jacob sind vom Piraten Byron aus dem Knast geholt worden, um auf einem vergessenen Raum-Schrottplatz jede Menge noch brauchbare Ersatzteile abzustauben und teuer zu verscherbeln. Man wird auch reichhaltig fündig, aber plötzlich sieht sich das Trio in Bedrängnis: alte Telekommunikations-Computer springen an und verkünden, dass sich das selbst ernannte „Königreich unsterblicher Technologie“ die Neuankömmlinge einverleiben will. Jacob schließt messerscharf, dass hier wohl einfache Reparatur-Roboter ein Eigenleben entwickelt und einen gewaltigen Maschinenkomplex geschaffen haben, der nicht gerade freundlich auf Eindringlinge reagiert.

Niederlande, 2101: die Starmoderatorin Carla Biermann begrüßt den Sieger eines globalen Foto-Wettbewerbs in ihrer Show. Das Siegerfoto unter dem Titel „Die Strasse“ zeigt ein ganz besonderes Motiv: jeder hat immerhin Zugang zu Zeitmaschinen, also reist Paul Smeley zurück in eine der dunkelsten Epochen der Weltgeschichte und fotografiert die Schienen, die am Tor von Auschwitz enden. Damit nicht genug: um seine historische Bilderserie möglichst schlüssig zu kreieren, ist Smeley in den Körper des Offiziers Uwe Jungmann geschlüpft, der sein Unwesen als Befehlshaber der Wachen treibt – was auch an dem Gast aus der Zukunft nicht spurlos vorbeigeht…

Der rührige Erko-Verlag bringt ja immer wieder gerne auch etwas unbekannteres Material unters hungrige Lese-Volk, was auch hier der Fall ist: der tschechische CG-Künstler Michal Suchánek lieferte mit diesen „fürchterlichen Freuden“ graphisch aufwendige Adaptionen einiger Stories des ebenfalls tschechischen Science-Fiction-Schreiberlings Ondreij Neff. Dieses Projekt, das seinen ersten Ausflug in Comic-Gefilde darstellt, stand 2012 schon auf der Kippe, als Suchánek an der Umsetzbarkeit und vor allem Vermarktbarkeit zweifelte. Irgendwie kriegte man dann aber doch noch die Kurve, so dass der Band nun schön aufgemacht und versehen mit einer Galerie aus Skizzen und Cover-Entwürfen vorliegt. Inhaltlich wird dabei die gute alte Tradition der Story-Anthologie fortgesetzt, die wir aus den Heavy-Metal-Heften inklusive Filmadaption ebenso gut kennen wie aus den Episoden-Filmen der 50er und 60er Jahre.

Inhaltlich unverbunden und ohne gemeinsamen Erzähler, werden drei Geschichten mit starkem SF-Einschlag erzählt („Der Morgen eines furchtbaren Glücks“, „Die Millionen-Dollar-Idee“ und „Ende gut, alles gut“), die jeweils ein durchaus überraschendes, für die Protagonisten nicht gerade erfreuliches Ende bereithalten – so war es im Hause EC Brauch, so kennen wir das auf Deutsch aus den Williams-Horror-Comics und den Gespenster-Geschichten. Durchaus europäisch im positiven Sinne kommen auch die Zeichnungen daher, mit deutlichen Anklängen an die Pin-Up-Tradition, die Zukunftswelten eines Moebius und filmischen Ikonen wie Blade Runner, Dark Star oder 2001. Wobei die Gesichter der männlichen Protagonisten ganz im Stile des jüngst leider verstorbenen Steve Dillon (Preacher, Punisher) daherkommen. Somit eine wunderbare Ergänzung zum immer wieder spannenden Erko-Universum. (hb)

Horrifying Delights
Text: Ondrej Neff
Bilder: Michal Suchánek
112 Seiten in Farbe, Hardcover
Erko Verlag
24,95 Euro

ISBN: 978-90-89821-14-0

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