Alice Matheson, Band 1 (Splitter) | Comicleser

Alice Matheson, Band 1 (Splitter)

Juli 18, 2016

Alice Matheson, Band 1 (Splitter)

Krankenschwestern sind ja einiges, meist hilfreich, oft gerne sexy. Und in einigen Fällen trifft auch das schöne Damen-Leibchen zu, auf dem zu lesen steht: „kranke Schwester“. Denn genau eine solche ist Alice Matheson. Alice arbeitet in London im Krankenhaus, soweit nicht ungewöhnlich. Aber ihr Hobby ist dann doch abseitig: anstelle zu helfen, töten sie Patienten heimlich. Denn Alice ist Soziopathin (auf Deutsch, sie hat ein gewaltiges Rad ab). Und als solche nimmt sie sich immer wieder mal arme Geschöpfe vor, die sie um die Ecke bringt, wie etwa Susann Cross. Susann will ohnehin nicht mehr leben, also injiziert ihr eine Alice eine nicht nachweisbare Mischung Kaliumchlorid, fühlt sich dabei lebendig, und erledigt ist die Sache. Das Problem ist nur: Susann will nicht tot bleiben. Erst, als ihr Alice einen Akkuschrauber in die Schläfe jagt, endet der untote Spuk. Aber das Grauen hat erst begonnen: just als das Krankenhaus mit einem Rush konfrontiert wird – also einer Masse an Neuankömmlingen, die allesamt in einen verheerenden Autounfall verwickelt waren -, stellt man fest, dass in den Leichenhallen jede Menge Stimmung ist. Und auch die neuen Fälle haben es in sich: Mr. Petrowski etwa, der keine sichtbaren Unfallverletzungen hat, stirbt mitten auf dem Operationstisch.

Seltsam allerdings die Bisswunden, die alle Eingelieferten aufzuweisen scheinen. Auch Mr Petrowski bleibt nicht lange friedlich entschlafen, sondern stürzt sich auf seine Frau und macht ihr unsanft den Garaus – worauf auch die alte Dame alsbald mit irrem Blick und Mordlust wiederkommt. Unter der Anleitung des stellvertretenden Chefs Morgan Skinner schafft man die restlichen Unfallopfer in die Quarantänezellen und kommt langsam dahinter, was sich zugetragen hat: der Lastwagenfahrer Wise kommt ins Schleudern, als plötzlich eine Gestalt vor ihm auftaucht – und obwohl er den Mann überrollt, steht der ungerührt wieder auf und macht sich daran, die anderen Unfallopfer anzuknabbern, darunter die Petrowskis und Ms. Neuville. Nachdem deutlich wird, dass man es wohl mit einer tödlichen Form der Kontamination zu tun hat, setzt man auch die Behandlungsteams, darunter Dr. Simons, den Praktikanten Blair und unsere alte Bekannte Alice, in Quarantäne, während Agent Kitson von Scotland Yard die Ermittlungen aufnimmt, die alle in eine Richtung deuten: so unglaublich es scheinen mag, marschieren sechs lebende Tote mitten in London fröhlich durch die Krankenhausgänge, wodurch endgültig klar wird, dass Alice bei Weitem nicht das Schlimmste ist, was diese Mauern beherbergen…

Jean-Luc Istin lässt in seiner neuen Reihe nach „Die Nacht der lebenden Toten“ einmal mehr die wandelnden Leichen auf uns los. Im Gegensatz zur durchaus genre-treuen Variante des Romero‘schen Metzel-Klassikers setzt er hier allerdings auf das Resident Evil-Muster: die Plage der Untoten greift in einem abgeschlossenen, klaustrophobischen Raum um sich. Scotland Yard in Form des ermittelnden Agenten scheint verdächtig gut im Bilde über die Vorgänge zu sein, und auch das medizinische Personal ist überraschend wenig durch die Wiedergänger betroffen – offenbar sieht man in einem Unfallkrankenhaus so manches, und die Behörden wissen wieder mal mehr. Dazu gibt es einen bunten Blumenstrauß von spannenden und zweifelhaften Charakteren zu bewundern, darunter neben dem hemdsärmeligen Blair und der guten Seele Maggie Willis auch den Schwadroneur Dr. Jordan Barry, der die Schwestern reihenweise höchst persönlich „behandelt“. Hauptfokus liegt natürlich auf dem Todesengel Alice, einer finsteren Seele, die aufgrund ihrer Familiengeschichte offenbar unter einer massiven Bewusstseinsstörung leidet und im serienmäßigen Morden ihre eigene Vitalität findet.

Das hat zum einen grausigen Realitäts-Bezug zu immer wieder durch die Nachrichten geisternden Fällen, zum anderen liefert sie schon in der Namensgebung einen Querverweis auf die apokalyptischen Dimensionen, die uns erwarten: hier wandelt Alice durchs Zombieland, auch wenn es in Richard Mathesons „I Am Legend“ ja Vampir-Horden waren, die die Welt überrannten. Die Serie, die von Neuling Philippe Vandaële schlüssig-actionreich inszeniert wird, ist insgesamt auf sechs Bände angelegt, die allesamt zumindest angekündigt sind, womit die berechtigte Hoffnung besteht, dass wir spätestens in Band 6 erfahren, was denn nun „Der Ursprung des Übels“ ist. (hb)

Alice Matheson, Band 1: Tag Z
Text: Jean-Luc Istin
Bilder: Philippe Vandaële
48 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
14,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-300-4

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