Gung Ho, Band 2 (Cross Cult) | Comicleser

Gung Ho, Band 2 (Cross Cult)

Juli 21, 2015

Gung Ho, Band 2 (Cross Cult)

Klappe zu, mutierter Reißeraffe tot – mit diesem Paukenschlag endete die erste Episode von ‚Gung Ho‘, dem Teenager-Rebellion meets Mad Max-Spektakel, mit dem Thomas von Kummant und Benjamin von Eckartsberg 2014 einen echten Kracher landen konnten. Etwas genauer: die beiden Herumstreuner Zack und Archer Goodwoody landen im Außenposten Fort Apache, weil sie sonst nirgends mehr unterkommen. Die Welt ist von der Weißen Plage überrannt, menschenfressenden Affenviechern, vor denen man sich in umzäunte und bewachte Siedlungen zurückgezogen hat – der Tod ist allgegenwärtig, und innen herrscht Korruption und Überlebenskampf. Aber das stört Archer nicht weiter, der seinem T-Shirt ‚Sexy Beast‘ alle Ehre macht und alles flachlegt, was nicht bei eins auf den Bäumen ist. Zack dagegen greift bei einer Attacke der Reißer tollkühn ein, macht einem der Biester den Garaus und rettet dabei Pauline das Leben. An diesem Punkt setzt Band 2 nahtlos an: in der Tat ohne Rücksicht auf Verluste gehen Kill-Teams gegen die Affenbrut vor, und ebenso gefahrenverachtend spielen die Jugendlichen ihr Spielchen gegen Macht und Autoritäten weiter aus.

Zack lässt sich gerne als Held abfeiern und genießt die tatkräftige Aufmerksamkeit Paulines, was nicht unbedingt jedem passt, was man dann auch mal handgreiflich austrägt. Dann erscheinen plötzlich zwei einsame Wanderer vor den Toren: der Schwertmeister Tanaka Hasegawa und seine Tochter Yuki treffen wie von Vorsteherin Miss Kingsten angefordert ein, um die Kämpfer von Fort Apache ordentlich auf Vordermann zu bringen. Auf den Versorgungszug, mit dem die beiden anreisen sollten und der jede Menge Waffen und Vorräte an Bord hat, wird man allerdings vergeblich warten: nach einer offenbar absichtlich herbeigeführten Entgleisung konnten sich Hasegawa und seine Tochter nur mit Mühe vor den angreifenden Reißern retten. Der neue Sensei wirft sich massiv ins Zeug und erweist sich dabei als rechter Schleifer, der die undisziplinierte Jugendbande mit beinhartem Drill in Form bringt. Zack wirft mehr als nur ein Auge auf die schmucke Yuki – als sein Widersacher Holden die „Kirschblüte“ anbaggert, eilt ihr Zack auf seinem Motorrad zu Hilfe und rast durch die Absperrung nach draußen, verfolgt von Holden und seinen Spießgesellen. Auf der offenen Pläne endet der Spaß, als sich eine ganze Horde von Reißern an ihre Fersen heftet und eine gnadenlose Hetzjagd beginnt…

Dass die Fanschar durchaus ungeduldig auf diese Fortsetzung wartete, das ließ sich schon beim Comicfestival in München unschwer erkennen, als Thomas von Kummant beim Signieren regelrecht belagert wurde, und zwar von durchaus anderem Publikum als den üblichen Fanboys (ja, sogar ansehnliche holde Weiblichkeit war darunter). Und das Warten hat sich definitiv gelohnt: auch in Teil 2 liefern die beiden (im übrigen äußerst sympathischen) deutschen Comic-Aushängeschilder (siehe ‚Die Chronik der Unsterblichen‘, Band 1+2) eine packende, krachige Mischung aus Endzeit-Drama à la Mad Max, John-Ford-Western (fehlt eigentlich nur die Kavallerie unter Führung von John Wayne) und Teenie-Rebellion. Lag der Schwerpunkt bei Band 1 allerdings noch eher auf den sozialen Spannungen, dem Mikrokosmos in Fort Apache und dem Versuch der beiden „schwarzen Schafe“ Zack und Archer, sich irgendwie einzufügen, würzt Benjamin von Eckartsberg das Geschehen nun noch mit Martial Arts-Motiven im klassischen Sieben Samurai- (der Schutz der Ansiedlung) und modernem Kung-Fu-Stil (der Sensei und sein Grünschnabel): nicht umsonst war Sensei Hasegawa in den Zeiten der Zivilisation nicht etwa Klosterbruder oder Shaolin-Mönch, sondern ein Action-Film-Star, der sein Brot jetzt damit verdient, verweichlichte Jungspunde aufzumöbeln.

Auch erhältlich: die Vorzugsausgabe

Auch erhältlich: die Vorzugsausgabe

Zusätzlich zum durchgängigen Außenseiter-Motiv nehmen die Spannungen innerhalb der Jugendbanden mehr Fahrt auf, zumal die Revierkämpfe umso heißer ausgetragen werden, je mehr die Hormone durchdrehen und die Alpha-Jungs um die Gunst der holden Weiblichkeit wirbt. So ist es letztendlich nur verblendeter Übermut, der in tödliche Gefahr führt – was bei James Deans Rebell ohne Grund das Autorennen mit fatalem Ausgang, das ist hier der wilde Motorradritt in die von Reißern verseuchte Außenwelt. Mehr als einmal rückt man hier in die Nähe des Manga-Megahits ‚Attack On Titan‘, in dem die Konfrontation Menschen gegen Monster auch zunehmend um zwischenmenschliche Konflikte angereichert wird, wobei Eckartsberg ein deutlich umfassenderes Panorama des Erwachsenwerdens entwirft, dessen übliche Schwierigkeiten durch die Extremsituation der Bedrohung von außen potenziert und auch gespiegelt wird.

Der Zeichenstil wirkt wie auch schon in Band 1 leicht stilisiert, am Computer entstanden, oftmals fokussiert auf das Geschehen im Vordergrund, wobei wir die atmosphärische Farbgebung – Pastelltöne am Tag, blau in der Nacht – aus Band 1 kennen. Teilweise arbeitet von Kummant mit filmischen Perspektiven, wie etwa überblickshaften Totalen über geschickt rasant „geschnittenen“ Wechseln der Blickwinkel beim Höhepunkt der wilden Motorrad-Verfolgungsjagd. Besonders hintersinnig sind kleine Details wie etwa ein Hofbräu-Logo auf einem Bierglas (irgendwie sind sie halt doch heimatverbunden) oder auch eine Werbeseite für die von Archer konsumierten und verschobenen Kippen der fiktiven Marke La Mort Blanche, die durchaus treffend an ein gewisses, in bestimmten pseudointellektuellen Kreisen als kultig geltendes französisches Glimmstengelfabrikat erinnert. Einziges Problem: nun müssen wir wieder einige Zeit warten, genauer gesagt bis 2017, bis wir Band 3 in Händen halten, in dem es nach Cover und Titel (Sexy Beast) zu urteilen mehr um den Bad Boy Archer gehen wird, nachdem in Band 2 Zack im Fokus stand. Wir warten, aber ungeduldig. Wie beim ersten Band gibt auch hier eine auf 1.444 Stück limitierte Vorzugsausgabe mit etlichen Zusatzseiten. (hb)

Gung Ho, Band 2: Ohne Rücksicht auf Verluste
Text: Benjamin von Eckartsberg
Bilder: Thomas von Kummant
80 Seiten in Farbe, Hardcover (Normalausgabe)
128 Seiten in Farbe, Hardcover (Vorzugsausgabe)
CrossCult
22 Euro (Normalausgabe)
35 Euro (Vorzugsausgabe)

ISBN 978-3-86425-385-0 (Normalausgabe)
ISBN 978-3-86425-407-9 (Vorzugsausgabe)

Tags: , , , , , , ,

Comments are closed.