Gung Ho, Band 1: Schwarze Schafe (Cross Cult) | Comicleser

Gung Ho, Band 1: Schwarze Schafe (Cross Cult)

Juli 9, 2014

Gung Ho, Band 1

Fort Apache in nicht allzu ferner Zukunft! Und mittendrin die Halbstarken, James Deans, die Misfits, die es in jeder Generation gibt – also die Teenager, die es nicht für erforderlich erachten, sich an die Regeln zu halten, die die Erwachsenen (angeblich) zum besseren Funktionieren der Gemeinschaft (will hier heißen: zum nackten Überleben) aufgestellt haben. In einem nicht näher definierten Europa (das allerdings mehr nach Asien oder USA aussieht) einer nicht näher definierten Zukunft ist die Menschheit durch eine zunächst namenlose Bedrohung dezimiert, hat sich in wenige Städte und Außenposten zurückgezogen und ist permanent auf der Hut vor Angreifern aus der Außenwelt.

Man zählt die Tage zwischen den Angriffen, die erbeuteten Skalps und die roten Nägel, die für jeden Abschuss verliehen werden. Lebensmittel, Medikamente und Kleidung sind ein knappes Gut, das von Statthaltern verteilt wird, was natürlich der Korruption Tür und Tor öffnet. So auch in Siedlung Nr. 16, in die die beiden Waisen Zack und Archer Goodwoody abgeschoben werden, nachdem sie sich überall anderswo durch ihr aufmüpfiges Verhalten unmöglich gemacht haben. In der Siedlung ecken sie schnell mit einer Gang an, finden aber auch neue Freunde, kritische Gönner in Form der Gemeindeleiterin Kingsten – und lernen vor allem nach einigen Eskapaden, für die vor allem der Weiberheld Archer sorgt, auch endlich die namenlose Bedrohung kennen: offenbar mutierte Riesenaffen, genannt Reißer, durchbrechen die Absperrungen, und der eigentlich in sich gekehrte Zack zeigt, dass er mehr Gung Ho, also draufgängerisch und mutig, als alle anderen zusammen ist. Ende Band 1.

Benjamin von Eckartsberg macht gar keinen Hehl daraus, wo er das Motiv der belagerten Außenposten in der Wildnis entliehen hat – Siedlung 16 nennt sich nicht umsonst Fort Apache, nach einem Western-Klassiker von John Ford, in dem sich die US-Kavallerie an der Grenze zu Mexiko den Angriffen der Indianer erwehren muss. Das Ganze haben schon John Carpenter in Assault on Precinct 13 und George A. Romero in Dawn Of The Dead in die Gegenwart geholt, und von da an ist die Idee des immer mehr bedrängten Fähnleins der Aufrechten fast schon zum Versatzstück in Comic und Film geworden, was sich vor allem in den populären Zombie-Epen The Walking Dead, World War Z und zuletzt auch im Manga Attack On Titan äußerte. Was Eckartsberg geschickt anlegt, ist die erst sehr späte Aufdeckung dessen, was die Menschheit denn nun eigentlich bedroht – ganz nach dem klassischen Muster des Monsterfilms sollte die Kreatur immer erst nach längerem Spannungsaufbau ihr hässliches Gesicht zeigen (wie bei der Mutter aller Monsterheuler, King Kong, meisterhaft vorgeführt). Der erste Auftritt der Mutantenaffen wird um so wirkungsvoller, als er erst auf den letzten Seiten erfolgt.

Die limitierte Vorzugsausgabe.

Die limitierte Vorzugsausgabe

Genauso interessant ist die Idee, hier eben nicht die vernünftigen, heldenhaft kämpfenden Erwachsenen in den Mittelpunkt zu rücken, sondern die unangepassten, rebellierenden Teenager – der klassische Generationskonflikt in der Extremsituation also, wo doch eigentlich Unterordnung die Regel sein sollte: eine Versuchsanordnung sozialer Art, in der sich die Anführer oft weniger verantwortlich zeigen als die vermeintlichen, titelgebenden „Schwarzen Schafe“. Optisch inszeniert Thomas von Kummant das in oft großformatigen, ausladenden Bildern, die weniger durch Detailschärfe als durch atmosphärische, symbolische Farbgebung überzeugen. So etwa überzeugt der Auftritt der Reißer durch schockierende Rottöne, in Nachtszenen setzt Kummant effektvolle Hell-/Dunkel-Kontraste ein, und die Siedlung erscheint durch zahlreiche Brauntöne als heruntergekommen und dreckig. Der durchgängige starke Touch einer computerunterstützten Graphik mag nicht jedermanns Sache sein – unterm Strich bleibt ein flottes, zügig zu lesendes Action-Spektakel, bei dem man sich leider einige Zeit gedulden muss: Band 2 von insgesamt 5 ist für 2015 angesagt. Der Auftakt der neuen Reihe des erfolgreichen Chronik der Unsterblichen-Teams ist auch in einer auf 1.444 Stück limitierten Vorzugsausgabe mit 40 Extraseiten erhältlich. (hb)

Gung Ho, Band 1: Schwarze Schafe
Text: Benjamin von Eckartsberg
Zeichnungen: Thomas von Kummant
80 Seiten in Farbe, Hardcover
Cross Cult
22 Euro (Normalausgabe)
35 Euro (Vorzugsausgabe)

ISBN: 978-3-86425-385-0 (Normalausgabe)
ISBN: 978-3-86425-406-2 (Vorzugsausgabe)

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