Sinestro, Band 1 (Panini) | Comicleser

Sinestro, Band 1 (Panini)

Juni 11, 2015

Sinestro, Band 1 (Panini)

Superschurken haben es auch nicht immer leicht. Auch wenn sie aussehen wie Clark Gable, einen ganzen Trupp von Laternen anführen und sogar mit einem Überwesen der Furcht angebandelt haben. Nein, es geht Thaal Sinestro gar nicht gut am Anfang seiner eigenen Serie, die ihm DC im Rahmen der New 52 gönnt. Er ist endgültig diskreditiert, nachdem er sich mit dem Inbegriff der Angst Parallax eingelassen hat, sich gegen das Green Lantern Corps stellte und seinen Heimatplaneten Korugan nicht vor der Zerstörung retten konnte. Verständlicherweise gefrustet, hat er hingeschmissen, die Führung seines Yellow Lantern Corps dem ruchlosen Arkillo (einer Art durchgedrehtem Kilowog) übergeben und sich selbst ins Exil geschickt. Dort möchte er eigentlich nur in Ruhe sterben, aber daraus wird nichts: Lyssa Drak, eine seiner ersten Yellow Lanterns, stattet ihm einen Besuch ab und hat die durchaus spannende Neuigkeit, dass doch einige Koruganer der Zerstörung ihres Planeten entronnen sind und in den Winkeln der Galaxie versprengt ein klägliches Dasein fristen. Unter anderem dienen sie dem fahlen Kult der Anti-Emotionen – einer Sekte, die sich dem Ausschalten jeglicher Gefühle verschrieben hat und somit auch Sinestros Lieblings-Anwandlung Angst – als Opfer.

Das rüttelt selbst den verzweifeltsten Antihelden auf, Sinestro lässt sich nicht lange bitten, Drak lädt seinen Ring mit Parallax-Energie auf – und der gelbe Schurke reitet wieder. Nach der Befreiung einiger Koruganer aus der Hand des wirren Kultes erklärt der Herr mit dem roten Gesicht seinem Adlatus Arkillo gewaltsam, dass nun er wieder der Herr im Hause Yellow Lanterns ist und man sich nun gefälligst auf eine Rettungsaktion für die verbliebenen Koruganer zu machen hat. Widerwillig mit an Bord ist dabei Sinestros Tochter (und grüne Laterne) Soranik Natu, die Arkillo entführt hatte, um seinen Machtanspruch zu zementieren. Die bringt dem Daddy zwar alles andere als Zuneigung entgegen, macht sich aber gemeinsam mit der bunten Horde aus Gaunern und zwielichtigen Gestalten, die Arkillo rekrutiert hat, auf den Weg. Sinestros alte Weggefährten – Psychokiller Romat Ru, der entstellte Rigen Kale und der Templer Dez Trevius – lehren dabei allen Mores, die sich dem gelben Tross in den Weg stellen. Dabei macht man sehr gepflegt die Jünger des fahlen Kultes nebst ihrem Raumschiff platt und übergibt die verbleibenden Koruganer der Obhut eines gewissen Hal Jordan, der Sinestro für seine Missetaten zur Rede stellt. Dem platzt dabei gehörig der Kragen, und plötzlich stellt sich heraus, dass er sich keinesfalls von Parallax losgesagt, sondern die finstere Macht des Angstwesens vielmehr in sich aufgenommen und instrumentalisiert hat…

Das auf 222 St. limitierte Variant-Cover

Das auf 222 St. limitierte Variant-Cover

Cullen Bunn, der unter anderem die skurril-unterhaltsame Horror-Western-Serie ‚Die Sechste Waffe‘ (dt. im All-Verlag – HIER unsere Rezension) erschaffen hat, zeichnet hier eine durchaus vielschichtiges Bild eines der faszinierendsten Charaktere aus dem Universum der Grünen Laternen. Schon 1961 von John Broome und Lantern-Veteran Gil Kane ersonnen, hat der rothäutige Sinestro eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen: vom Mentor Hal Jordans über die finstere erste Yellow Lantern bis hin zu wiederholten Seitenwechseln, während derer er eine Hassliebe zur irdischen Grünen Leuchte aufgebaut hat – Hal Jordan ist sein ärgster Feind und einziger Freund gleichermaßen, wie er das verschiedentlich selbst sagt. Die Autoren setzen nach den Ereignissen des Mega-Super-Duper-Crossover-Events Forever Evil – Herrschaft des Bösen – an und skizzieren Sinestro dabei weniger als fröhlich-verschlagenen Halunken, sondern zunächst als existentialistisch geplagten Anti-Helden, der vor der Welt und letztendlich auch seinen Taten verzweifelt.

Sobald er allerdings wieder in Aktion tritt, changiert Bunn die Figur geschickt zwischen inneren Vorwürfen und der immer wieder aufblitzenden, rücksichtslosen Verschlagenheit (weshalb er ja seinerzeit optisch auf den Schauspieler hin gestaltet wurde, der sich durch ein unbeschwertes „frankly my dear, I don’t give a damn“ verewigte) und Machtgier, für die wir Thaal doch lieben: seine Yellow Lanterns regiert er mit eiserner Hand, sichert seine Herrschaft bewusst durch gewissenlose Morde und sucht dann doch wieder den ehrlich gemeinten Austausch mit seiner Tochter und auch Hal Jordan, gegenüber dem er glaubhaft darstellt, er sei ja wohl keinen Deut verantwortungsloser als sein grüner Gegenspieler. Dass er allerdings jenseits allen Trübsinns der alte Haudegen geblieben ist, zeigt sich, als er Parallax entfesselt und zu neuen Eroberungszügen auszieht. Somit weicht Bunn dankenswerterweise vom Strickmuster „psychopathischer Schurke“ ebenso ab wie von der Formel „zweifelnder, reumütiger Sünder“ – Sinestro ist und bleibt ein verschlagener Hund, mit dem zu rechnen ist. Gezeichnet ist das Ganze von Dale Eaglesham und teilweise auch vom hierzulande gerne gesehehen Star Rags Morales (Identity Crisis, Superman) im gängigen Superhero-Stil, wobei vor allem in den von Morales mitgestalteten Folgen ein stilisiert-malerisches Element die inhaltlichen Schwerpunkte (religiöser Wahn) in ölbildhaft-barocker Manier visuell transportiert. Die Ausgabe enthält die US-Hefte Sinestro 1-5 von Juni bis Oktober 2014, weiter geht’s ab November mit Band 2. Es existiert ein auf 222 Stück limitiertes Variant-Cover, das mit viel Glück noch zu haben ist. (hb)

Sinestro, Band 1: Die Macht der Furcht
Text: Cullen Bunn
Bilder: Dale Eaglesham, Rags Morales
116 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
12,99 Euro

ISBN: 978-395798-380-0

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