X-Men: Der letzte Mensch (Panini) | Comicleser

X-Men: Der letzte Mensch (Panini)

Dezember 1, 2014

X-Men: Der letzte Mensch (Panini)

Zeitreisen und Dimensionssprünge sind en vogue derzeit bei den X-Leuten: durfte schon Wolverine im letzten X-Men-Film versuchen, die Vergangenheit zurechtzurücken, so holt Hank McCoy in der aktuellen US-Heftserie New X-Men die Mutanten-Ausgaben der 60er in die Neuzeit, weil dort ein etwas übergeschnappter Cyclops Professor Xavier meuchelt und militant gegen Menschen vorzugehen droht. Dagegen haben allerdings Wolverine und Jean Grey etwas, die Xaviers Vermächtnis und seine Schule weiterführen, was naturgemäß zu diversen Konflikten führt. An dieser Storyline setzt nun auch Mike Carey an, der die Einwohner des Jean Grey-Instituts mit einer schockierenden Erkenntnis konfrontiert: Xaviers Mutantendetektor Cerebro findet Mutanten. Jede Menge. So weit so gut. Das Problem ist: nur noch. Ausnahmslos. So unglaublich dies auch scheinen mag, bewahrheitet sich doch bald: die Erde ist komplett von Menschen „gesäubert“. Und damit nicht genug – aus plötzlich überall auftauchenden Dimensionsportalen strömen weitere Mutanten, die in ihrer Heimat ebenso verfolgt sind wie ihre Artgenossen auf der Erde.

In dieser Situation schmiedet sich eine höchst fragile Allianz, denn was hier vorgeht, möchten auch die abtrünnigen X-Men unter Cyclops erkunden – und sogar Erik Lehnsherr, der mit seiner Bruderschaft zwar immer die Herrschaft über die Menschen wollte, aber so drastisch dann noch nicht. Schnell findet man die Fährte von Gregory Sale, einem Physiker, der eine Möglichkeit entwickelt hat, Dimensionen zu überbrücken und Milliarden Lebewesen verschwinden zu lassen. Diese Technik hat ihm allerdings einer entrissen, der sich selbst an die Spitze der Mutantenbewegung katapultieren möchte: hinter der ganzen Sache steckt niemand anders als Raze, (angeblich?) der Sohn von Logan und Mystique, der die absolute Herrschaft seiner Artgenossen durch einen unfassbaren Genozid herbeiführen will. Oder etwa doch nicht? Denn bald mehren sich Hinweise darauf, dass die Menschheit gar nicht wirklich verschwunden oder gar tot, sondern nur in einer Paralleldimension versteckt ist und Raze weniger von Überlebenstrieb als von unendlicher Geltungssucht getrieben wird. Als das Schicksal von Mensch und Mutant am Abgrund steht, muss eine junge Jean Grey dann gegen ihr späteres Alter Ego Phoenix antreten, um die ultimative Apokalypse doch noch abzuwenden…

Mike Carey (The Unwritten) führt in dieser Story, die inhaltlich nach den Vorkommnissen in New X-Men 8-11 („Battle Of The Atom“) angesiedelt ist und mit der Idee der entvölkerten Erde teilweise Züge aus Richard Mathesons I Am Legend verarbeitet, die Basis des Zusammenpralls zweier Welten gekonnt weiter: Logan wird im gestaltwandlerischen, gewalttätigen Raze mit seinen eigenen, negativen Zügen konfrontiert, die „alten“ X-Men sehen sich gezwungen, mit Abtrünnigen und Erzfeinden zu paktieren, und selbst ein Magneto muss zugestehen, dass eine vollkommen entmenschlichte Welt nicht seiner Utopie der Herrschaft des Homo Superior entspricht. Letztlich ist es Phoenix, die eine totale Gleichschaltung ablehnt und die Ordnung wieder herstellt: „Die Welt braucht Leben und Bewusstsein. Also Wesen mit Intellekt. Wir bringen sie zurück.“ So bedroht eine Minderheit auch sein mag, so fehlgeleitet ist jeder Extremismus, insbesondere wenn er sich nicht aus hehren Zielen, sondern platter Selbstsucht ableitet. Salvador Larroca bringt diese – für neu einsteigende Leser sicherlich eher hermetische – Geschichte passend ins Bild, leicht stilisiert, in Panels, die große Momente ganz- oder doppelseitig ausbreiten und ganz im klassischen Superhelden-Duktus gehalten sind. Action mit Anspruch, die sich nahtlos in die aktuelle X-Men-Mythologie einreiht und somit Freunde von Comics und Filmen gleichermaßen begeistern sollte. (hb)

Marvel Graphic Novel: X-Men – Der letzte Mensch
Text: Mike Carey
Bilder: Salvador Larroca
132 Seiten in Farbe, Hardcover
Panini Comics
19,99 Euro

ISBN: 978-3-86201-991-5

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