
Endlich zurück im richtigen Leben, in der richtigen Welt. Aber: Ist auch wieder nix. Denn Gertrude, kurz Gert genannt, versucht sich in allerlei Jobs, die zwar beileibe nicht zu den Anspruchsvollsten zählen, scheitert aber dennoch jedes Mal krachend. Da kommt ihr das unverhoffte Angebot eines Milliardärs gerade recht: William Wiggins‘ Sohn Wesley ist seit einem Jahr verschwunden, und (Nach)Forschungen deuten darauf hin, dass er wie und warum auch immer im Märchenland gelandet ist. Da Gert dort einschlägige Erfahrungen gemacht hat und praktisch ortskundig ist, soll sie den Filius suchen, finden und zurückbringen.
Und ganz nebenher plant Vater Wiggins noch – freilich aus rein finanziellen Gründen –, das Märchenland zu übernehmen und zu einem gigantischen Themenpark zu machen. Gert bekommt dabei einen Batzen Kohle ab, weshalb sie in das Vorhaben einwilligt. Gemeinsam mit der einäugigen Ratte (samt riesigem Glasauge) Gammelrich, die aus dem Märchenland stammt und die als ihr Aufpasser fungiert, wird sie losgeschickt, landet aber weit vom Märchenland entfernt in einer höllischen Gegend namens Inferno, wo sie von einer „teuflischen Ziege“ namens Virgil begrüßt wird – und ihr neues Abenteuer endgültig beginnt…
Mit Band 3 startet eine neue Quest für Gert, die sie entgegen ihrer Erwartungen nicht direkt zurück ins Märchenland bringt, sondern ins höllische Inferno. Von dort muss sie, jetzt begleitet von Gammelrich und Virgil, den Weg bzw. die Tür zum Märchenland finden, was sich natürlich einmal mehr als epische Aufgabe erweist, bei der sie mit diversen Widrigkeiten kämpfen muss. Schönstes Beispiel dafür ist die Gremlins Hommage (Joe Dante, 1984 – die Älteren werden sich erinnern…), aber auch die pseudo-erotische Episode (Gert ist inzwischen immerhin längst erwachsen) in den Innereien (!) eines riesigen Seemonsters – wie immer schön derb und am Rande des Fremdschämens.
Weiteres originelles Highlight in dieser ersten Storyline des Bandes ist die Schilderung der fortdauernden Suche nach jener Tür, die atemlos und wortlos, ohne Sprechblasen, über mehrere Seiten geht, nicht minder wortlos begleitet von den nicht zu hörenden Klängen einer Metal-Band, die von Gert prompt Schrottallica getauft wird. Jetzt aber zur zweiten Storyline: König Kumulus, Bruder von Ex-Königin Wolke, ist der neue Herrscher des Märchenlandes und erfährt zu seinem Leidwesen, dass Gert wieder in seinem Reich ihr Unwesen treibt (nebenbei erfahren wir, warum Gerts Flüche in den Sprechblasen lautmalerisch abstrahiert werden) und greift zu einer ungewöhnlichen Methode, Gert ein für alle Mal den Garaus zu machen – „Zurück in die Zukunft“ lässt grüßen…

Dass es Gertrude nicht lange in der realen Welt hält, war von vorneherein klar. Wie Autor und Zeichner Skottie Young (diesmal unterstützt von Brett Bean) es Story-technisch anstellt, sie wieder in das verhasste Märchenland zu locken, in dem sie immerhin mehr als 30 Jahre marodierend verbringend musste, ist clever gelöst. Später stellt er sogar alles auf Anfang, wobei Gert einen alten Bekannten wieder trifft, der im wahrsten Sinne den Schlüssel zum erneuten und diesmal endgültigen Verlassen des Märchenlandes darstellen könnte.
Wie seine beiden Vorgänger strotzt auch Band 3 vor grotesken und bizarren Momenten, sowohl erzählerisch als auch optisch (Beispiel: die visuelle Gestaltung der Reise von der realen Welt nach Inferno, oder der Weg durch die Innereien des Monsters). Der Band beinhaltet die Kapitel 21 bis 30. Der Abschlussband der Reihe ist in Vorbereitung und soll schon im Oktober dieses Jahres veröffentlicht werden. Als Dreingabe hier gibt es wieder eine ausführliche Galerie der US-Variant-Cover, sowie das Skript samt Tuschezeichnungen von Kapitel 27, wobei nebenher klar wird, welch großen Anteil am Gesamtbild der Reihe der Kolorist Jean-Francois Beaulieu hat. (bw)
I hate Fairyland, Band 3 – Deluxe Edition
Text & Story: Skottie Young
Bilder: Skottie Young, Brett Bean,
Jean-Francois Beaulieu (Farben)
312 Seiten in Farbe, Hardcover
Skinless Crow
59,50 Euro
ISBN: 978-3-03963-090-5