I hate Fairyland, Band 1 (Skinless Crow) | Comicleser

I hate Fairyland, Band 1 (Skinless Crow)

Februar 13, 2026
I hate Fairyland, Band 1 – Deluxe Edition (Verlag Skinless Crow), von Skottie Young

Plötzlich und ohne Umschweife wird die kleine Gertrude durch die Finsternis in das Märchenland gezogen. In freiem Fall mit entsprechend blutigem Aufprall. Dort begrüßt sie sogleich Königin Wolke, die Herrscherin des Märchenlandes, als neuen Gast. Aber Gertrude würde lieber wieder nach Hause, was laut Königin auch kein Problem darstelle, gäbe es doch eine Tür zurück in ihre Welt. Gertrude müsse nur den Schlüssel dazu finden, was ruckzuck erledigt werden könne. Obendrein erhält Gertrude als helfenden Sidekick Larry, eine sprechende Fliege mit Fliege, Hut und Glupschaugen. All das passiert auf den ersten fünf Seiten der Geschichte, wovon eine noch eine Splashpage ist. Autor und Zeichner Skottie Young hält sich also nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf und geht gleich in die Vollen.

27 Jahre später. Gertrude, längst Gert genannt, ist nun über 30, aber noch immer mit dem Körper des kleinen Mädchens von damals unterwegs. Auch den besagten Schlüssel sucht sie noch immer. Weshalb sie inzwischen „leicht“ verbittert und gestresst, oder anders gesagt, hochgradig asozial unterwegs ist. Wer (oder was) ihr nicht passt oder sie nervt, wird platt gemacht, drastisch und blutig. Was ein sprechender Mond bzw. Asteroid, der als einleitender Erzähler fungiert (wir sind hier im Märchenland, hier ist alles möglich), gleich zu Beginn schmerzlich erfahren muss. Und wir erkennen: Das ganze Märchenland ist für Gert, die pervertierte „Alice in Wonderland“-Variante, längst ein einziger blutiger Spielplatz geworden. Und das kann und will Königin Wolke nun wirklich nicht mehr dulden.

Den Autor und Zeichner Skottie Young kennt man als Marvel-Leser, zeichnete er doch etliche „niedliche“ Variant-Cover für diverse Serien und Hefte. Außerdem ist er für seine Oz-Adaptionen bekannt, die ebenfalls bei Panini erscheinen und für die er mit diversen Eisner Awards ausgezeichnet wurde. „I hate Fairyland“ wurde bei uns erstmals von Popcom veröffentlicht, dem (inzwischen eingestellten) Comic-Ableger von Tokyopop. Dort erschienen 2017 und 2018 drei Bände, wahlweise auch als limitierte Luxusausgabe. Nun haben sich die Schweizer von Skinless Crow die Lizenz von Image Comics gesichert und bringen die Serie in aufwändig gestalteten, mächtigen Deluxe Ausgaben komplett und neu übersetzt heraus. Vier dicke Bände sollen es am Ende werden. Dieser erste enthält die US-Originalhefte 1–10 und damit die ersten beiden Story-Zyklen.

Zurück zu Königin Wolke. Die darf per Gesetzt nicht selbst Gertrude den Garaus machen und schickt deshalb „externe Spezialisten“, wie Bruud den Brutalen und die Hexe Horribella (die wir später wieder treffen) gegen Gert. Sie alle scheitern jedoch. Dann taucht plötzlich die Frohnatur Happy auf (aus Joyville, Wisconsin – woher auch sonst), noch ein Mädchen aus der realen Welt. Und eine mächtige Konkurrentin Gertrudes, denn auch Happy sucht nach dem Schlüssel… Szenenwechsel: Gert ist nun Königin. Eine lausige, wie sich herausstellt. Sie sorgt nur für Chaos und Unheil im Märchenland und wird daher nach einem Jahr entlassen. Höchste Zeit, sich wieder der Rückkehr in die reale Welt zu widmen. Eine Messieratte namens Marvin Mopsklau sammelt Artefakte aus dieser und könnte daher eine heiße Spur sein…

Das Geschehen in „I hate Fairyland“ bleibt durchgehend skurril und drastisch und wird dabei atemlos erzählt. Wie auch unwahrscheinlich originell und auf makabre Art witzig. Das betrifft sowohl die Zeichnungen als auch die Dialoge bzw. die Story. Skottie Young lässt seiner Fantasie freien Lauf und hat dabei scheinbar immer wieder Mühe, sie in Zaum zu halten. Wie seine blutig schillernde Heldin Gertrude, die sich gerne mit Streitaxt durch die Handlung schnetzelt und die sich rotzfrech, aber auch ohne jegliche Furcht, jedem Gegner stellt. Knallbunt sind die Seiten, die von Jean-Francois Beaulieu koloriert wurden. Und blutig, aber das wissen wir ja bereits.

Etliche lustige Namen und Bezeichnungen säumen die Story (Schädelspalter der Blutbringer, die schnarchenden Schniefer) – ab und an droht dabei sogar Reizüberflutung. Es gibt gelungene Running Gags (die Erzähler zu Beginn, die aus Gründen nicht lange erzählen können) und Flüche und Schimpfworte werden euphemisiert (wie „verdankt“ statt verdammt) und es lohnt sich immer einen Blick auf Hintergründe und Nebencharaktere zu werfen. Ein respektloser origineller Schnetzelspaß voller skurriler Einfälle und parodistischem Touch, für Leserinnen und Leser, die mit einem gewissen, gesunden Humor ausgestattet sind. Und für Märchenhasser natürlich. Als Extras gibt’s das Skript zu Heft 6 samt Tuschefassung, sowie diverse US-Variant-Cover. (bw)

I hate Fairyland, Band 1 – Deluxe Edition
Text & Story: Skottie Young
Bilder: Skottie Young, Jeffrey Cruz,
Jean-Francois Beaulieu (Farben)
312 Seiten in Farbe, Hardcover
Skinless Crow
59,50 Euro

ISBN: 978-3-03963-070-7

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