James Bond 007, Band 10 (Splitter) | Comicleser

James Bond 007, Band 10 (Splitter)

Oktober 26, 2020
James Bond 007, Band 10: Origins 2 (Splitter Verlag)

Geschäfte können auch gehörig schiefgehen. Diese Erfahrung muss die Besatzung eines norwegischen Versorgungschiffs machen, das seine Ladung gegen eine ordentliche Portion Gold dem russischen Kapitän Wassili verhökern will. Damit das Ganze nicht so auffällt, jagt Wassili nämlich kurzerhand das norwegische Schiff in die Luft und behält das Gold für sich. Auf einem in der Nähe kreuzenden englischen Kriegsschiff bekommt der Kadett Bond unterdessen von zu Hause chiffrierte Nachrichten, dass man in der Barentssee diverse Schurkereien vermutet, was sich in der Form der in einem Rettungsboot auftauchenden Leiche des norwegischen Kapitäns auch bewahrheitet. Als man auf die Matroschka, das Schiff von Kapitän Wassili, trifft, führt der die Briten hinters Licht: man sei von einer deutschen Junkers angegriffen worden, die Leichen an Bord seien die russischen Opfer.

Auf Basis seiner Ausbildung folgert Bond aber messerscharf, dass hier etwas nicht stimmt: zu klein die angeblichen Bombeneinschläge, zu unversehrt die Leichen. Als Kommandant Frees dem keinen Glauben schenkt, springt Bond bei Nacht kurzerhand über Bord und entert die Matroschka. Dort kann er sich gerade noch von den Betrügereien in Form des Goldes im Frachtraum überzeugen, als man ihn auch schon stellt und hochnotpeinlich befragt. Bond rettet sich in die Funkkabine und gibt einen Notruf ab, als man ihn überwältigt. Erstaunt kommt Bond nicht am Grunde des Meeres, sondern in Murmansk in der Obhut der zauberhaften Oksana zu sich. Wassili hat ihn kurzerhand dort abgeliefert, um herauszufinden, ob Bond ein Spion ist, der seine Machenschaften enttarnen könnte. Aber auch eine Suggestivdroge und sonstige ruppigen Methoden des Kommandeurs Jegor halten den jungen Agenten keinesfalls davon ab, ordentlich für Feuer unterm russischen Dach zu sorgen… 

Zurück in England: in Canterbury soll Bond sich erholen, aber den zieht es trotz diverser weiblicher Hoffnungsträgerinnen nach London zu seinem alten Ausbilder Commander Ronald Weldon. Dort angekommen, muss Bond die Nachricht hinnehmen, dass sein alter Weggefährte umgekommen ist – angeblich in Gibraltar bei einem Bombenangriff. Bonds Chef F. allerdings vermutet, dass hier ein abgekartetes Spiel läuft: die Fotos der Beerdigung sind zu offensichtlich Fälschungen. Zudem nahm Weldon mehrmals an illegalen Kartenspielen in einschlägigen Gegenden teil – dem so genannten Bohemian, einem Turnier, das zwielichtige Gestalten aus aller Welt anzieht. F. überlässt Bond den Schlüssel zu Weldons Haus, wo der tatsächlich Hinweise darauf findet, dass der gute Ronald an Spielen beteiligt war, bei denen per präparierten Karten chiffrierte Nachrichten der feindlichen Mächte ausgetauscht werden. Man schleust Bond in das nächste geheime Spiel ein – aber um einigermaßen glaubhaft zu wirken, wendet der sich an seinen Ausbildungsgenossen Eddie, mit dem er sich während seiner Lehrjahre im Geheimdienst gewaltig zerstritten hatte. Über diverse Spielrunden gelangen Bond und Eddie auf ein Schiff, das anscheinend Minen nach Italien schmuggeln soll…

Die limitierte Variante

Der zweite Band des James Bond-Spin Offs mit frühen Abenteuern, die nicht direkt aus dem Ian Fleming-Kanon entnommen sind, bringt mit „Russian Ruse“ und „The Debt“ zwei abgeschlossene Storylines, in denen sich unser Lieblingsagent durch mehr durch Findigkeit, Kombinationsgabe und Detektivarbeit als durch Prügeleien oder gar High Tech-Exzesse hervortut. Die durchaus plastisch-drastischen Methoden der Russen – so etwa wird der entdeckte Eindringling an Bord der Matroschka halbnackt mit eiskaltem Wasser traktiert und später dann in Murmansk von einem astreinen Mad Scientist mit einer experimentellen Droge vollgepumpt – atmen ebenso den Geist Flemings wie das Glücksspiel, das nicht in feschen Casinos, sondern in geheimen Hinterzimmern schäbiger Pubs oder gar in einem umgebauten Bus stattfindet. Wenig Roger Moore also, dafür deutlich mehr Fleming-Realismus liefern die Autoren Jeff Parker und Ibrahim Moustafa hier ab, eben wie im ersten Bond-Roman „Casino Royale“, den man im Rahmen dieser Reihe auch schon kongenial adaptierte.

Zeichnerisch läßt Ibrahim Moustafa dabei nichts anbrennen und setzt die wilde Hatz ebenso gekonnt in Szene wie die ruhigeren Momente – darunter viele Flashbacks und innere Monologe, in den sich Bond auf einzelne Szenen seiner Ausbildung (die wir in Band 1 von Origins verfolgten) besinnt und damit so manche brenzlige Situation meistert. Somit wieder eine lesenswerte, packende und kurzweilige Ergänzung des Bond-Kanon, die Splitter als feines Hardcover serviert und mit einer Galerie von Variant-Titelbildern garniert, darunter gelungene Beiträge von Stephen Mooney, Christian Ward und Moustafa selbst. Der Band bringt die Original-Hefte „James Bond Origins“ 7-12 aus dem Dynamite-Verlag, die im Original auch schon als Sammelband aufgelegt wurden. Wie immer bietet Splitter auch eine limitierte Edition an (555 Exemplare), mit Variant-Cover und diversen Zusatz-Seiten. (hb)

James Bond 007, Band 10: Origin, Teil 2
Text: Jeff Parker
Bilder: Ibrahim Moustafa
144/168 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
19,80 Euro (reguläre Edition)
35 Euro (limitierte Edition) 555 Stück

ISBN: 978-3-96219-350-8 (reguläre Edition)
ISBN: 978-3-96219-351-5 (limitierte Edition)

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