Olympus Mons, Band 2 (Splitter) | Comicleser

Olympus Mons, Band 2 (Splitter)

August 15, 2018

Eine UFO-Konferenz in New England im Jahr 2026: Hellseher Aaron Goodwin macht sich zum Vollhorst, indem er an die Öffentlichkeit geht und von seinen Visionen berichtet, in denen er die jüngst entdeckte Anomalie in der Barentssee als außerirdisches Flugobjekt identifiziert. Und noch mehr: er warnt vor einem Eindringen in das Objekt, was angeblich verheerende Folgen haben wird. Selbst für die anwesenden UFO-Gläubigen sind diese Aussagen zu dick aufgetragen und Goodwin erntet dafür auch in diversen Talkshows nur Spott. Derweil spitzt sich auf dem Mars die Situation unter den russischen Kosmonauten zu. Der Sauerstoff wird knapp. Zu knapp. Nur Jelena Schewtschenko überlebt, um von dem seltsamen Objekt am Olympus Mons, dem höchsten bekannten Berg des Sonnensystems, zu berichten. Erneuter Szenenwechsel: am Berg Ararat in der Türkei sucht ein windiges TV-Team nach Spuren der angeblich dort angelandeten Arche und macht ebenfalls eine Entdeckung, die sich offenbar als gefährlich erweist.

Im zweiten Band von Christophe Becs Sci-Fi/Mystery Serie passiert extrem viel. Bec verdichtet die Handlung und lässt die Spannungskurve steil ansteigen. Wie bei seinen Serien oft üblich, lässt er Begebenheiten aus dem Vorband vorerst auf sich beruhen (die Kolumbus-Episode). Hier konzentriert er sich in erster Linie auf die Handlungsstränge, die mit den drei entdeckten Anomalien in Verbindung stehen: die Kosmonautin, die wie in Ridley Scotts „Der Marsianer“ nun für Jahre auf dem roten Planeten auf sich allein gestellt ist, das TV-Team am Berg Ararat, das sich einem seltsamen (Teil-)Artefakt nähert und dafür den höchsten Preis zahlen muss und vor allem die neu entdeckte Anomalie in der arktischen Barentssee, die im Mittelpunkt der Medien steht – auch dank Aaron Goodwin, dem man unterstellt, zu Publicity-Zwecken mit Dan Henning, dem Chef von Oceans Pathfinder und Entdecker der Anomalie, gemeinsame Sache zu machen.

Natürlich streut Bec wieder diverse Rückblenden ein, die eine ständige Alien-Präsenz über die vergangenen Jahrhunderte suggerieren: Wikinger sichten Objekte am Himmel und wieder die Operation Mainbrace, jenes NATO-Manöver von 1952, um das sich diverse UFO-Mythen ranken. Neu hinzu kommt in der Story eine interessante Verbindung, die die Figur des „Hellsehers“ Aaron Goodwin in ein wichtiges Licht stellt: in den Zwanziger und Dreissiger Jahren führten die Russen geheime Experimente auf dem Gebiet der Parawissenschaften durch, um „geeignete“ Menschen zu finden, die mittels Telepathie andere beeinflussen können, beispielsweise in der Kriegsführung. Ausgerechnet die sechsjährige blinde Marta erweist sich dabei als äußerst begabt. Und ebendiese Marta, inzwischen über 100 Jahre alt, wird von einem russischen Geheimdienstler aufgesucht und bestätigt die Visionen von Goodwin nicht nur, sie sagt auch geradewegs die Apokalypse voraus, sollte man in das Artefakt auf dem Meeresgrund eindringen. Und genau das plant Dan Henning…

Bec hat die Story, die in mehrere Schauplätze und Zeiten verschachtelt ist, jederzeit im Griff, steigert die Spannung kontinuierlich und nimmt – auch ganz typisch für seinen Stil – dazwischen immer wieder durch diverse Rückblenden und Szenenwechsel das Tempo raus, nur um es dann wieder aufzunehmen. Am Ende scheint – ohne zu viel zu verraten – die Situation rund um das Objekt in der Barentssee zu eskalieren. Dass der öffentlich verspottete Goodwin Recht zu haben scheint, entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie, zumal ausgerechnet die Russen aufgrund ihrer Forschungsergebnisse dessen Visionen ernst zu nehmen gedenken. Entertainment versus Vernunft und rationales Denken. Stefano Raffaele, der u.a. auch Christophe Becs ähnlich gelagerte Reihe „Prometheus“ in Szene setzt, fasst das vielfältige Geschehen wieder gewohnt sachlich in aufgeräumte, realistische Bilder. Band 3 kommt leider erst im Februar nächsten Jahres. Bis dahin müssen wir uns noch gedulden. Oder auf andere (Science-Fiction) Serien von Christophe Bec ausweichen. Genügend Material ist ja vorhanden – siehe die Aufstellung unten. (bw)

Olympus Mons, Band 2: Operation Mainbrace
Text: Christophe Bec
Bilder: Stefano Raffaele
48 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
14,80 Euro

ISBN: 978-3-96219-021-7

Weitere Besprechungen von Titeln und Serien Christophe Becs:

 

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