Das Erbe des Teufels, Band 2+3 (Bunte Dimensionen) | Comicleser

Das Erbe des Teufels, Band 2+3 (Bunte Dimensionen)

März 16, 2018

Auch nach der Entdeckung des Grabes bei Rennes-le-Château geht die Suche für alle Beteiligten weiter. Wer sucht eigentlich was? Zuerst die Guten: Constant, der von seinem Kumpel, dem bekannten Schriftsteller Maurice Lenoir und von der Diebin Diane, die es jetzt wohl ehrlich meint, unterstützt wird, sucht seine verflossene und verschwundene Eintagsliebe Juliette, der er seit vier Jahren hoffnungslos verfallen ist. Und die er ausgerechnet in dem Poussin Gemälde „Die arkadischen Hirten“ wiederzuerkennen glaubt. Dann die Bösen: da wir das Jahr 1938 schreiben, bieten sich hier natürlich die Nazis an, allen voran „Der Professor“, seines Zeichens Hitlers persönlicher Okkultismus-Guru. Federführend ist aber auch hier eine starke Frau: Emma Calvé, Operndiva. Verschlagen wie gierig. Gemeinsam mit ihrem Liebhaber Carl (ein Killer mit Glubschaugen) sucht man nach der ominösen Macht des Teufels, die einst angeblich Papst Clemens V. (Amtszeit: 1305-1314) in dem Gewölbe unter dem besagten Grab beschworen haben soll.

Obwohl verschiedene Ziele, kommen sich beide Parteien ständig ins Gehege. Die Konkurrenz ist hart, denn, als man sich im feinsten Dan Brown-Stil von Hinweis zu Hinweis hangelt, ohne der Lösung des Rätsels auch nur einen Schritt näher zu kommen, verdichtet sich die Theorie, dass ausgerechnet Juliette, die am Ende von Band 1 für einen ersten Cliffhanger-Auftritt sorgte, die Macht des Teufels besitze und daher auch unsterblich sei. Was ihr Konterfei auf einem Gemälde aus dem 17. Jahrhundert erklären würde. Später mischt sich auch noch eine dritte Gruppe in das Geschehen ein, die Constant als Rosenkreuzer identifiziert. Deren Motive bleiben vorerst völlig im Dunkeln. So führt die Suche Constant und Diane von Rennes-le-Château zurück nach Paris, dann einer neuen Spur folgend in die Bibliothek von Mont-Saint-Michel und schließlich nach Schottland in das Schloss Scarfskerry, ehe es wieder zurück nach Rennes-le-Château geht, immer verfolgt von Calvé und ihren Nazis und/oder den Rosenkreuzern mit ihren goldenen Masken.

Autor Jérôme Félix wartet hier wahrlich mit einem bunten Strauß aus allen möglichen Verschwörungstheorien auf und führt dabei sattsam bekannte Motive ins Feld. Einmal die Legenden um Rennes-le-Château und den Pfarrer Saunière. Und damit die Verbindung zum heiligen Gral. Die Geschichte der Templer wird gestreift. Dann kommt Unsterblichkeit ins Spiel, die die Rosenkreuzer per Trank anstreben. Schließlich die Teufelsbeschwörung, das allmächtige Böse, das die Welt bedroht. Und passend dazu die Nazis und ihre Manie für alles, was nach Okkultismus klingt und riecht. Ganz ehrlich: Félix macht das richtig gut. Trotz der wilden Mischung dosiert er die einzelnen Wendungen und Fügungen immer richtig und unterhält mit der atemlosen Schnitzeljagd, die dadurch entsteht, den Leser bestens. Neuen Hinweisen folgen neue Theorien, die nicht selten auch nur kurze Zeit haltbar sind. Von den drei wetteifernden Gruppierungen ist jede mit einer starken, attraktiven Frau besetzt: Rotschopf Diane, die sich in Constant verliebt hat. Emma Calvé, als mörderischer Vamp und Femme Fatale immer im Abendkleid anzutreffen und Juliette, um die noch die Aura des Geheimnisvollen weht. Nicht umsonst wird jeder dieser Damen ein Cover gewidmet.

Der gerade erschienene dritte und damit vorletzte Band startet fulminant mit der Explosion und dem Absturz des Zeppelins über Mont-Saint-Michel (es ist die „Graf Zeppelin“, während Calvé und ihre Schergen die „Hindenburg“ bevorzugen), ehe man in Schottland einer neuen Spur nachgeht. Hier ist man zuerst recht ratlos, die Fantasie schlägt Kapriolen, bis dann der Zufall in Form eines originellen Verständigungsfehlers (der nicht übersetzbar ist, aber erklärt wird) die Handlung weiter treibt. Am Ende des Bandes sind alle Figuren wieder in Rennes-le-Château positioniert, bereits zum großen Finale. Der Zeichenstil Paul Gastines entwickelt sich hier in Band 3 merklich. Er ist reifer geworden, opulenter, detaillierter und damit realistischer. Seine Panels, die Posen der Figuren sind dynamischer als in den Vorbänden, der Strich ist viel feiner, wobei die Farben gewohnt kräftig bleiben. Der abschließende Band 4 der Reihe (im Original „Die Apokalypse“, eine erste Vorschau ist in Band 3 enthalten) ist in Frankreich bereits 2016 erschienen und wird sicher noch für diverse Überraschungen sorgen. (bw)

Das Erbe des Teufels, Band 2: Das Geheimnis von Mont-Saint-Michel
Das Erbe des Teufels, Band 3: Rex Mundi
Text: Jérôme Félix
Bilder: Paul Gastine
je 56 Seiten in Farbe, Hardcover
Bunte Dimensionen
15 &16 Euro

ISBN: 978-3-944446-49-3 (Band 2)
ISBN: 978-3-944446-60-8 (Band 3)

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