Assassin’s Creed, Band 2 (Splitter) | Comicleser

Assassin’s Creed, Band 2 (Splitter)

April 16, 2017

Gerade eben noch in Salem, jetzt mitten unter den Inkas: Charlotte de la Cruz findet irgendwie keine Ruhe mehr, seit die Bruderschaft der Assassinen sie rekrutiert hat und mit dem Animus auf Zeitreise hin zu ihren früheren Inkarnationen schickt. In Salem konnte sie ihre Mitstreiterin Geraldine gerade noch retten und dem abtrünnigen Joseph zumindest beinahe das Handwerk legen. Aber der zeitlose Kampf der Assassinen gegen die Templer geht weiter: Charlotte, Geraldine und Kody werden in Mexiko City wüst attackiert und schlagen mit voller Kraft zurück, was einem gewissen Bandenkartell gar nicht schmeckt. Dazu kommt noch, dass Charlotte immer noch an den mysteriösen Aussagen zu kauen hat, die man ihr zu Zeiten der Hexenprozesse zukommen ließ: sie soll die ganze Wahrheit suchen, und die vermutet sie bei der internationalen Hacker-Organisation Erudito. Im Darknet braucht sie für den Zugang zu deren Seiten allerdings ein Passwort – und der dabei genannte Name Pishtaco bringt sie dabei auf die Spur ihrer Vorfahrin aus der Zeit des Niedergangs des Inka-Reichs, zu der sie sich per Animus aufmacht.

Ihre Inkarnation Quila ist im Peru des Jahres 1536 eine Chasqui, ein Läufer, der dringend benötigte Botschaften überbringt – in Form von Quipus, kleinen Gebinden, die nur Kundige lesen können. Quila hat es dabei nicht leicht, dringt sie doch in eine Männerdomäne ein, was ihr ihre Familie und ihre Berufskollegen durchaus missgönnen. Noch schwieriger wird die Gemengelage, als Quila eine Botschaft mit explosivem Inhalt in die Hände fällt: offenbar gibt es ein Komplott gegen den Inka-König Manco, der bei der von den Spaniern gehaltenen Hauptstadt Cusco von Sieg zu Sieg eilt und knapp davor ist, die Conquistadores entscheidend zu schlagen. Einigen reichen Inka-Kaufleuten wäre das allerdings wohl eher ein Dorn im Auge, und so stößt Quila auf eine Mauer der Ablehnung, als sie zusammen mit dem abtrünnigen Spanier Don Gonzalo Pardo nach Cusco reist, um den König zu warnen. Ganz im Gegenteil wird sie von ihrem Schwiegervater selbst zum Tode verurteilt, und niemand anders als ihr entfremdeter und entehrter Ehemann soll es vollstrecken. In der Gegenwart geraten Charlotte und ihre Kampfgenossen immer mehr in die Bredouille, denn der Banden- und Templerchef Ortega Sanchez treibt sie gefährlich in die Enge, aus der nur noch der Verrat zu führen scheint…

Die auf 666 Stück limitierte Variant-Edition

Im zweiten Handlungszyklus ihrer neuen Adaption der galoppierend erfolgreichen Konsolen-Game-Saga (die ersten Comicfassungen legte Eric Corbeyran vor, die 2011 bei Splitter herauskamen) bleiben Anthony del Col und Conor McCreery dem Rezept treu, welches auch die Spiele-Community seit Jahren fasziniert. Eine schmissige Action-Story gibt jede Menge Anlass zu Akrobatik, Martial-Arts-Kampfeinlagen, Rätsel-Lösungen und halsbrecherischen Stunts im Superhelden-Stil, die die Heldin Charlotte auch direkt auf der viel besungenen Meta-Ebene kommentiert und dabei nicht mit ironischen Seitenhieben auf das eigene Publikum spart: „Seht doch. Ich bin eine Comic-Heldin. Wenn mein Gamer-Girl-Ich sehen könnte, zu was ich jetzt imstande bin, würde sie ihre XXL-Cola über den Controller gießen und es nicht mal merken. In den Comics heißt es, so was ist berauschend und großartig. Und in Wahrheit? Bin ich nur genervt.“ Dazu gibt es eine gehörige Prise Zickenterror (Galina gönnt ihrer unfreiwilligen Kollegin Charlotte die Butter nicht auf dem Brot), vor allem aber einen akribisch recherchierten historischen Hintergrund der Zeitreise-Elemente.

Waren es in Band 1 („Assassin’s Creed: Feuerprobe“, auf Deutsch erschienen bei Splitter) noch die Hexenprozesse von Salem nebst historisch verbürgten Charakteren, die den Rahmen lieferten, bietet hier der Untergang des durchaus kurzlebigen Inka-Reiches die Kulisse. 1533 hatte Francisco Pizarro die Inka-Hauptstadt Cusco für die Spanier eingenommen und Manco als neuen Herrscher eingesetzt, der 1536 das Bündnis aufkündigte und Cusco belagerte – genau die Gemengelage also, in die Quila hineingerät.Die Chasquis trugen im Inka-Reich elementare Bedeutung für die Kommunikation, die mit den Quipus, den so genannten „sprechenden Knoten“, die sie selbst lesen konnten, Daten und Informationen über enorme Entfernungen transportierten. Die patriarchalische Gesellschaftsstruktur mit teilweise drakonischen Strafen und Menschenopfern fangen del Col und McCreery dabei genauso ein (Quilas Ehemann muss sich von ihr abwenden, als sie ihrer Bestimmung als Hausfrau zu entfliehen sucht) wie eine gehörige Portion Lokalkolorit, als Quila und ihr Gefährte Pardo auf eine entlegene Befestigungsanlage geschafft werden, die unschwer als die legendäre – und äußerst realitätsnah gezeichnete – Inka-Bastion Machu Picchu zu erkennen ist (wer allerdings schon die wunderschöne Zugreise hin zu diesem Monument unternommen hat, dem scheint die hier gezeigte Anfahrt mit Lama-gezogenem Karren doch etwas flott von statten zu gehen, das aber nur nebenbei).

Inszeniert wird das Geschehen von Neil Edwards dynamisch, im klaren Action/Helden-Stil, teilweise mit ganzseitigen Panels, die auch vor expliziter Gewaltdarstellung nicht zurückschreckt. Versehen mit einem ausführlichen Anhang zu Gesellschaft und Historie des Inka-Reichs sowie einer Cover-Galerie, präsentiert Splitter hier die US-Ausgaben 6-10, die den Storybogen „Assassin’s Creed: Setting Sun“ komplett umfassen und auch als limitierte Auflage in 666 Exemplaren zu haben sind. Ach ja, und den Film sollte es ja demnächst auch im Heimkino zu bestaunen geben. Wir werden es erproben. (hb)

Assassin’s Creed, Band 2: Sonnenuntergang
Text: Anthony del Col, Conor McCreery
Bilder: Neil Edwards
144 Seiten in Farbe, Hardcover (reguläre Edition)
176 Seiten in Farbe, Hardcover (limitierte Edition)
Splitter Verlag
19,80 Euro (reguläre Edition)
34,80 Euro (limitierte Edition)

ISBN: 978-3-95839-418-6 (reguläre Edition)
ISBN: 978-3-95839-419-3 (limitierte Edition)

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