A Train Called Love, Band 2 (Panini) | Comicleser

A Train Called Love, Band 2 (Panini)

Februar 15, 2017

Aaalso: sortieren wir kurz das Geschehen im finalen Band 2 von Garth Ennis‘ (Achtung Ironie!) romantischer Komödie auseinander: Marvin, Jev, Chip und Mike, allesamt Hasenfüße und nicht die hellsten Kerzen auf der Torte, wollen dem mächtig massiven Mista Monsta (es lebe die Alliteration!) ihre 50 Kilo Koks verkaufen. Das geht – euphemistisch ausgedrückt – schief. Mehrmals. Denn Gustav, Monstas rechte Hand und Gothic Nazi, will eigentlich nur seinen ermordeten Bruder rächen, was dann aber in einem Blutbad sondergleichen endet. Mitten im Geschehen mischen Killer Myles und seine Valerie mit, die an großen (Schieß)prügeln immer mehr Gefallen findet und die gemeinsam Gustav und Mista Monsta zur Strecke bringen wollen. Dann sind da noch Penny, die mit Marvin zusammen ist, die aber seine Neigung zu Pferdepornos nicht unbedingt zum wiehern findet (der musste jetzt sein) und Möchtegern Schauspieler Dave, der zwar endlich beim Film landet, dafür aber mit einem gewissen Körperteil einen hohen Preis zahlen muss. Die bange Frage: wird überhaupt jemand aus diesem Ensemble unbeschadet die Ereignisse überstehen?

Das was Kultautor Garth Ennis im ersten Band so behutsam aufgebaut hat – das Geflecht aus glücklichen, unglücklichen und unmöglichen Beziehungen, wird hier erst einmal gehörig zerbombt und ad absurdum geführt, indem es von dem blutigen Rachefeldzug Gustavs überlagert wird. Das Geschehen wird zur Groteske, die romantische Komödie, die es eh nie gab, wird zum Gorefest. Und mittendrin unsere vier Loser, die das große Geld witterten und nun froh sein können, wenn sie sich mit heiler Haut irgendwie aus der Affäre ziehen. Mister Monsta, so brutal wie tumb, arbeitet – so erfahren wir – eigentlich mit dem Bullen zusammen und wird in einer herrlich skurrilen „Jabba the Hut“-Szene in den Band eingeführt. Ebenso überdreht und überzeichnet ist die Darstellung des bleichen Gustav, der alle gängigen Naziklischees in sich vereint, auf die Spitze treibt und dadurch vom vermeintlichen Racheengel zur Witzfigur mutiert – mit entsprechend passendem Ende.

Insgesamt fürchtet man, dass Ennis etwas den Faden verliert. Das Subtile weicht dem Plakativen. Es wird bisweilen ganz schön albern, haarsträubend und konstruiert. Am Schluss kriegt der Ire aber wieder die Kurve und fädelt wieder in die Beziehungen der Personen ein, wobei er auch für Überraschungen sorgt und das (oder den) zusammenfügt, was letztendlich auch zusammen passt, als die Handlung einen Monat später – sozusagen als Epilog – wieder einsetzt und wir sehen, was aus den (überlebenden) Personen geworden ist. Die Zeichnungen von Mark dos Santos sind wieder viel näher am Funny als an der Realität und stellen so auch einen Gegenpol zum blutig überdrehten Geschehen dar, treffen dabei aber nuanciert die passenden Mimiken, was ein ums andere mal für Schmunzler beim Leser sorgt. Das, gepaart mit den saftigen Dialogen und Episoden voller schwarzem Humor, machen das Serienfinale für alle Ennis-Fans wieder absolut unverzichtbar. Der Band beinhaltet die US-Hefte 6-10 und ist – anders als Band 1 – NICHT als limitierte Hardcover-Variante zu haben. (bw)

A Train Called Love, Band 2
Text: Garth Ennis
Bilder: Mark Dos Santos
132 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
16,99 Euro

ISBN: 978-3-7416-0231-3

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