Tag X, Band 3 (Panini) | Comicleser

Tag X, Band 3 (Panini)

Mai 22, 2016

Tag X, Band 3 (Panini)

Mondorbit, im Juli 1969: ein Mikro-Meteorit zerstört die Raumfähre von Armstrong und Aldrin und macht den geplanten Triumpf der Amerikaner, als erste den Mond zu betreten, zunichte. Wenige Monate später landen die Russen erfolgreich auf dem Mond. Wie kontern, fragt sich ein wütender Präsident Nixon, und lässt trotzig die eigentlich ad acta gelegten Pläne einer Mondbasis wieder aufleben. Zehn Jahre später. Der Kalte Krieg ist weiter in vollem Gange. Auf dem Mond haben die Amerikaner ihre Station errichtet, nicht allzu weit davon entfernt steht Galaktika, die der Russen. Zu beiden Stationen sind Raumfähren unterwegs. Die Amis benötigen einen Arzt, weil eine Astronautin erkrankt ist und den Russen ist der Politkommissar auf ihrer Station suspekt, weil der kaum noch erreichbar ist. Man vermutet den schlechten Einfluss der Amerikaner. Oder gar Schlimmeres. Auf dem Mond gelandet, bieten sich gleich mehrere Überraschungen: die Frau ist nicht krank, sondern schwanger. Von einem Russen. Der Politkommissar ist tot. Und nach einem Unfall auf Galaktika sind die Russen klammheimlich zu den Amis gezogen. Denn man versteht sich gut, hier auf dem Mond. Eine Situation, die für die beiden neu angekommenen Hardliner auf russischer und amerikanischer Seite nicht nur überraschend, sondern auch untragbar ist. Mit fatalen Folgen…

Der aktuelle Band 3 der „Was wäre wenn“-Reihe erschien 2010 bei Delcourt im Original als Band 1. Duval und Pécau lassen hier die Russen das Duell um den Wettlauf zum Mond für sich entscheiden. Nur kurz nach dem Desaster um Apollo 11. Doch anders als die Russen in unserer Realität (inzwischen wissen wir, dass sie technisch weit den Amerikanern hinterherhinkten) geben sich die Amerikaner nicht geschlagen. Der Wettlauf geht weiter, parallel zum Wettrüsten und ist weiter Teil des kalten Krieges. Der bildet sich nach nur zehn Jahren nun auch in Miniatur auf dem Mond ab. Zwei Raumstationen sind entstanden. Man beäugt sich misstrauisch, belauert sich, sucht eigene Vorteile und versucht selbst, keine Schwächen zu zeigen. So die offizielle Darstellung. In Wahrheit hat man sich auf dem Mond längst verbrüdert. Dort findet der Kalte Krieg im Kleinen schon lange nicht mehr statt, ist die Gedankenwelt der Betonköpfe auf der Erde ad absurdum geführt. Gelang es bisher, diese Entwicklung zu verheimlichen, eskaliert die Situation recht flott nach Ankunft der Hardliner auf beiden Seiten. Die Supermächte greifen ein. Mit allen katastrophalen Konsequenzen für die Besatzungen auf dem Mond.

Natürlich bemüht man auch Klischees und Symboliken: die Russen brennen Wodka auf dem Mond und die Amis bauen Marihuana an. Und ob so ein riesiger Schwindel so ohne weitere möglich wäre, sei dahingestellt. Das Kind der Sterne, der Sohn der amerikanischen Astronautin und des russischen Kosmonauten, wird zum Friedenssymbol (inkl. einer schönen Hommage an Stanley Kubrick in einem Panel). Schließlich siegt die hohe Politik auf höchster Ebene über die Menschlichkeit. Man handelt linientreu, doch das Ende birgt eine versöhnliche Überraschung. Mit diesem Band der Reihe um bekannte Geschehen in alternativen Zeitlinien sitzt erstmals nicht der Neuseeländer Colin Wilson am Zeichentisch. Doch auch der „Neue“ ist kein Unbekannter: Philippe Buchet zeichnet seit etlichen Jahren die SF-Reihe „Sillage“ (Dt. bei Carlsen) und war auch für die Bild-Umsetzung der Marvel Graphic Novel „Wolverine: Saudade“ verantwortlich, die ebenfalls bei Panini erschien. Gemeinsam mit den Autoren, die auch die ersten beiden Bände schrieben, gelingt so erneut eine packende, realistisch gezeichnete Alternativ-Erzählung eines Ereignisses und dessen weitreichende Folgen, was die Welt gleichermaßen verändert und bewegt hat. (bw)

Tag X, Band 3: Russen auf dem Mond
Text: Fred Duval, Jean-Pierre Pécau, Fred Blanchard
Bilder: Philippe Buchet
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Panini Comics
14,99 Euro

ISBN: 978-3-95798-698-6

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