Undertaker, Band 2 (Splitter) | Comicleser

Undertaker, Band 2 (Splitter)

Mai 19, 2016

Undertaker, Band 2 (Splitter)

Jetzt wissen wir also: Jonas Crow, der Undertaker, ist ein gesuchter, ehemaliger Revolverheld. Doch diese Enthüllung ist das geringste Problem, das Rose Prairie, Miss Lin und Crow selbst gerade haben. Wir erinnern uns: der despotische Minenbesitzer Cusco ist tot. Mit seinem ganzen Gold in seinem Magen. Wenn er nicht binnen drei Tagen in seine Red Chance Mine überführt wird, wird eine unbekannte Geisel sterben. Dumm nur, dass die ausgebeuteten Minenarbeiter aus Anoki City von der Sache Wind bekommen haben und die ohnehin schon chaotische wie kontroverse Mission des Trios verhindern wollen. Bei einer Hängebrücke kommt es zu einem ersten Showdown mit dem Mob aus Anoki und den Soldaten. Mit viel Glück und viel Gewalt können Jonas, Rose und Lin einmal mehr entkommen. Doch die goldgierigen Minenarbeiter bleiben ihnen dicht auf den Fersen und sind zahlenmäßig überlegen. Und da ist dann noch die Leiche Cuscos, die in ihrem löchrigen Holzsarg in der gleißenden Hitze mächtig zu stinken beginnt. Nach einem weiteren Showdown in einer verlassenen Minenstadt scheint sich das Blatt zu wenden. Nicht zum Guten. Jonas wird geschnappt, Rose und die verletzte Lin sind auf der Flucht. Doch keiner rechnet mit dem Mut der Verzweiflung und der Verschlagenheit des Undertakers…

Die Hauptfiguren sind nun bekannt. Jetzt geht es an deren Eigenschaften und Motive. Zwei tragende davon sind Ehre und Moral, die auch gleichzeitig die Anwesenheit der beiden Frauen begründen. Die Engländerin Rose wurde bei ihrer Einstellung von ihrem Chef Cusco erniedrigt und will nicht so werden wie er. Also bleibt sie ihrem verhassten Chef bis nach dessen Tod treu und zeigt dabei offenbar keinerlei Verlangen nach dem Gold. Außerdem ist ihr das Leben der unbekannten Geisel wichtig. Die Chinesin Lin will eine alte Ehrenschuld begleichen, indem sie den letzten Weg mit Cusco geht und dessen Leiche bestatten hilft. Und Crow? Ehre oder gar Moral? Der zeigt immer wieder durchgeknallte wie todesmutige Anwandlungen. Mal ist er der gnadenlose Killer, für den ihn alle halten, mit sadistischen Zügen, dann verschont er aber Rose und Lin und ergeht sich in Galgenhumor. Er will sehen, wie Rose mit ihren hehren Ansichten scheitert. Oder ist da noch ein anderes Gefühl im Spiel? Dann sind da noch die Verfolger: ein gieriger Haufen, dreckig und verkommen. Ohne Moral und völlig ehrlos. Selbst der moderate George Hill, den wir aus Band 1 kennen, schließt sich ihnen an, lässt sich zum Mord verleiten und sucht schließlich seine Buße im Tod.

Heimlicher Star des Bandes ist – nein, nicht der Geier Jed, den Crow als Haustier hält – sondern die Landschaft. Irgendwo zwischen Nevada und Kalifornien. Kernland des Westerns. Karg, staubig, trocken, von Ralph Meyer (Asgard) in atemberaubenden Panoramen nach bester Blueberry-Tradition in Szene gesetzt. Hohe Felsen, enge Passagen, Geisterstädte und ein waghalsiger Minenzugang bieten das passende Ambiente für eine turbulente Hatz mit diversen Enthüllungen und Wendungen, die wie auch im ersten Band mit einer gesunden Prise an trockenem Humor und Ironie angereichert werden (für die diesmal auch Miss Lin sorgt). Dazu die kontroverse wie charismatische Hauptfigur des Undertakers und zwei ungleiche, weibliche Sidekicks. Was für eine Mischung… Das Gespann Dorison (Ulysses 1781, Heiligtum, Red Skin) und Meyer liefert hier nach Band 1 erneut einen unterhaltsamen, munteren und turbulenten Beitrag zum Genre ab. Wie die kleine Reminiszenz an Django, als der Undertaker den Sarg zieht, kann man auch die ganze Story als eine Art Hommage an Blueberry werten, als „Ballade für einen Sarg“, nur eine Nummer kleiner. Und witziger. Der erste Zyklus ist damit beendet. Das ungleiche Trio hat sich gefunden und arrangiert. Weiter geht es in Band 3 mit „Der Kannibale vom Sutter Camp“. Was aber leider noch dauert, ist doch Band 2 auch in Frankreich erst Ende 2015 erschienen. (bw)

Undertaker, Band 2: Der Tanz der Geier
Text: Xavier Dorison
Bilder: Ralph Meyer
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
14,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-128-4

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