Stonehenge, Band 1 (Splitter) | Comicleser

Stonehenge, Band 1 (Splitter)

Dezember 11, 2015

Stonehenge, Band 1 (Splitter)

Britische Inseln, graue Vorzeit: Druiden versammeln sich in einem spektakulären Kreis aus massiven Steinquadern um einen ominösen runden Stein. Aus dem Dunkel taucht eine Horde blau bemalter Unholde auf, die die Versammlung konsequent meucheln und sich mit dem Stein über alle Berge machen… Szenenwechsel, Zeitsprung ins Jahr 446. Das beschauliche Kloster Aquae Sulis bei Sorviodonum nahe der Küste Südenglands erhält illustren Besuch. In Person des Bischofs von Auxerre namens Germain kommt niemand anders als ein oberster Kirchenkontrolleur ins Haus, der die allzu freigeistigen Umtriebe, die in Britannien herrschen, unterbinden soll. Und tatsächlich wird er fündig: in der Zelle des jungen Ninian findet er verbotene Manuskripte, an denen der junge Mann (angeblich) seine Fertigkeiten in Runen und Übersetzung üben wollte – nicht verboten, aber nicht so recht erlaubt, leistet dies dem Vorwurf Vorschub, unter der Decke des Christentums praktiziere man in Großbritannien ja doch noch das alte, heidnische Druidentum.

Ninian zeigt sich bei seinem Verhör nicht gerade kooperativ, landet geradewegs im Kerker und ist kurz davor, nach Londinium deportiert zu werden, als ihm der seltsam androgyne Freund Kadog aus der Patsche hilft. Gemeinsam nehmen sie die Beine in die Hand und fliehen vor den Häschern mit einem Boot, das Kadog offenbar in weiser Voraussicht versteckt hat. Auf der Reise übers Meer zwingt Kadog (oder wer auch immer „er“ sein mag) seinem Schützling ab, eine faszinierende Geschichte zu erzählen: Ninian ist Teil einer Bewegung, die den sagenumwobenen Stein von Fal sucht, dem die Legende nachsagt, das Tor zu einer unglaublichen Macht in Form des Schwertes von Nuada zu sein, das die britischen Clans zu einen vermag. Der Stein ist zwar verschollen, aber es existieren Beschreibungen und Pläne, die auf den Verbleib hinweisen – diese sind allerdings in alle Winde zerstreut und auch das eigentliche Objekt der Begierde von Germain, der indessen versucht, auf der Suche nach den brisanten Schriftstücken mit dem Sachsenhäuptling Hengist zu paktieren. Und woher der geheimnisvolle Kadog in Wahrheit stammt, das zeigt sich in einer handfesten Überraschung, die Ninian auf der Flucht nach Irland enthüllt wird – wobei auch er selbst alles andere als der Mönch ist, für den er sich ausgibt…

Éric Corbeyran, bestens bekannt aus diversen Serien wie ‚Unter schwarzer Flagge‘, ‚Assassins Creed‘ und ‚Elfen‘, zaubert hier eine durchaus packende Mischung aus dem Namen der Rose – mittelalterliche Ränkespiele, eingehüllt in Klostermauern – und der englischen Sagenwelt – Merlin und die Ritter der Tafelrunde mitsamt Excalibur, um nur einige Motive zu nennen. Die Komplexität bleibt dabei dankenswerterweise durchaus überschaubar, wir verfolgen parallel das Geschick der beiden jungen Mönche Ninian und Kadog (wobei relativ schnell klar wird, dass es sich bei dem Novizen mit den kurzen Haaren und den weiblichen Zügen nicht um einen allerwelts-Knaben handelt) und der titelgebenden Erin, der Tochter eines irischen Fürsten, die von ihrem Vater die Mission übernimmt, nach dem verschollenen Stein von Fal zu suchen.

Die Idee mit einem Schwert der Macht, das alles beherrscht, kennen wir aus der ungleich vertrackteren Durandal-Saga von Nicolas Jarry, beim Konzept, dass Stonehenge für die Druiden eigentlich ein Dimensionstor war, lassen Herr von Däniken und Stargate grüßen, aber in erster Linie dürfen wir hier ein schmissiges Mittelalter-Spektakel mit (noch) leichten Fantasy-Anklängen erleben, die – wenn wir Herrn Corbeyran richtig kennen – im Verlauf durchaus noch zunehmen dürften. In seinem ersten Projekt liefert Zeichner Ugo Pinson aquarallhafte, großflächige Inszenierungen, die in ihrer Glätte bisweilen an die Welten eines Vicente Segrelles, insbesondere aber in Beleuchtung und Aufteilung an die Werke alter Meister der Renaissance erinnern. Und das ist beileibe kein schlechter Hintergrund. Band 2 ist in Vorbereitung. (hb)

Stonehenge, Band 1: Erin
Text: Éric Corbeyran
Bilder: Ugo Pinson
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
14,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-192-5

Tags: , , , ,

Comments are closed.