Deadpool: Draculas Braut (Panini) | Comicleser

Deadpool: Draculas Braut (Panini)

April 5, 2015

Deadpool: Draculas Braut (Panini)

Söldnerdasein, das ist nun wahrlich kein Zuckerschlecken. Und schon gar nicht, wenn man nicht nur für die Fremdenlegion streitet oder in irgendwelchen Krisengebieten umherhüpft, sondern mit einer erstaunlichen Selbstheilungsgabe und einer Klappe gesegnet ist, die eigens ins Jenseits befördert werden müsste, um sie endlich mal zum Schweigen zu bringen. Da hat man sich gerade erst mit einem durchgeknallten Symbionten und seiner psychopathischen Holden gezankt und ist dabei mehr als einmal in seine Einzelteile gesprengt worden (nachzulesen HIER bei ‚Deadpool vs. Carnage‘), hat sich nach Europa zurückgezogen, um mal ein wenig Ruhe zu haben – und der Prinz der Dunkelheit höchstselbst hat nichts anderes zu tun, als einen für ein Himmelfahrtskommando anzuheuern: nämlich die Auserwählte sicher zu ihm zu geleiten, damit der Herr Dracula sich vermählen kann. Aber Wade Wilson wäre nicht Deadpool, wenn er nicht auch diese Mission aufschneiderisch-großkotzig akzeptiert, und los geht die Achterbahnfahrt rund um die Welt: auf der arabischen Halbinsel eist unser Lieblingsangeber den Sarg der finstren Dame tatsächlich los, nur um in Griechenland dann vom Minotaurus – teilweise auf einer Vespa, soviel zur Schuldenkrise – gehetzt zu werden. Dabei fällt die Totenkiste ins Wasser, und schwups entsteigt ihr die zumindest auf den ersten Blick zauberhaftige Shiklah, nach eigenem Bekunden Königin der Untoten, die Dracula zu seiner Braut erkoren hat, um endgültig Herrscher über alle Gestorbenen, Untoten, Monster und sonstigem Kroppzeug zu werden. Atemlos (durch Tag und auch die Nacht) schnappt sich Deadpool einen Zug Richtung New York, nur um festzustellen, dass im gleichen Abteil bereits ein Daywalker namens Blade darauf brennt, Wilsons wertvoller Fracht einen Pfahl durchs Herz zu jagen, was diese jedoch durchaus geschickt zu verhindern weiß – ein Kuss, und alle Aggression ist vergessen.

In den Katakomben von Paris muss sich das ungleiche Paar dann zunächst mit dem Geist von Templern herumschlagen und kommt sich dabei schon gehörig nahe, bevor Deadpools alter Kumpel Bob von der Agenten-Truppe Hydra das letzte Wegstück nach Amerika begleiten soll. Woraus allerdings nichts wird, weil die bösen Gegenagenten von Aim zum Angriff blasen – und dabei genauso abgeschmettert werden wir alle zuvor. In der Unterwelt von New York stellt Dracula unterdessen fest, dass die beiden älteren Brüder von Shiklah und somit legitime Thronfolger noch am Leben sind, weshalb sein Plan irgendwie keinen Sinn mehr hat – immerhin funktioniert die Chose nur, wenn die Dame wirklich Königin ist. Das berichtigt der nicht umsonst als Pfähler bekannte Vlad flugs und hetzt den mittlerweile in London Angekommenen einen Werwolf auf den Hals. Als der genauso scheitert wie alle anderen Angreifer zuvor, versteht Dracula keinen Spaß mehr und entfesselt seine ultimative Waffe – ab jetzt sind Frankensteins Monster, die Mumie, das Alien Yzax und der Zentaur/Werwolf/Symbiont Marcus dafür zuständig, Deadpool zur Strecke zu bringen. Dieser Best Of Universal Monsters-Trupp treibt Wilson und seine Begleitung in einer Kirche in die Enge, nur um gnadenlos plattgemacht (im wörtlichsten Sinne) zu werden, während Shiklah ihren vermeintlich künftigen Göttergatten aufsucht. Der verwandelt sie durch Medusas Blick in Stein – die extreme Form von Weib, schweig still -, aber Wade springt in die Bresche und hämmert Dracula (der von Deadpools verpestetem Blut benebelt ist) mit den eigenen abgetrennten Gliedmaßen derart eine aufs Blutsaugerhirn, dass Ruhe im Karton ist. Und dann gibt es sogar so etwas wie ein Happy End: um Draculas finsteren Absichten einen Strich durch die Rechnung zu machen, haben sich Deadpool und die Königin der Untoten – festhalten! – längst das Ja-Wort gegeben, und so bemüht sich Wade Wilson nun, seiner angetrauten Holden die moderne Welt mit Airbags, Smartphones und Baseball nahezubringen…

Im Rahmen von Marvel Now! gerät der Merc with a Mouth immer mehr zum Experimentierfeld und zur Spielwiese, auf der sich die Herren Gerry Duggan, Brian Posehn und Reilly Brown nach Herzenslust austoben: ging es in ‚Deadpool vs. Carnage‘ noch um die phantasievollsten Arten, unseren Antihelden in seine unzerstörbaren Einzelteile zu zerlegen, regiert hier nun das „House of Dracula“-Prinzip: more monsters, more thrills, hieß es in den Universal-Filmen der 40er, da traf Frankenstein den Wolfsmensch, Dracula hatte eine Tochter, und im Haus von Frankenstein versammelten sich alle Protagonisten aus der schwarz-weißen Monsterwelt. In einer mehr als deutlichen Hommage an diese Ensemble-Filme geben sich hier Helden, Monster und sonstige Tunichtgute die Klinke in die Hand – sogar Stephen Strange hat zwei Kurzauftritte, nur der Unsichtbare fehlt zur Komplettierung des Reigens.

Die Story dient dabei eher als Aufhänger, Deadpool geht auf ein wildes Road Movie, bei denen wie in einem Serial der 30er Jahre jede Episode in einem neuen, fremden Land angesiedelt ist. Viel spannender als die Handlung kommen wie stets die Referenzen, Insider-Gags und Selbstbezüge aufs Medium Comic daher – die vielzitierte Meta-Ebene wird bemüht, dass die Schwarte kracht: der Minotaurus stellt fest „Jetzt geht’s rund!“, worauf Deadpool kontert, darauf habe ein menschlicher Steinhaufen Copyright, im Buchhandel entdeckt die Königin der Untoten entsetzt einen „Twilight“-Band und wundert sich, dass Draculas Rasse sich so verhöhnen lässt (was sie nicht davon abhält, das Teil komplett zu lesen), und am Ende warnt Deadpool Dracula in ominösem Obi Wan-Tonfall: „Wenn Du mich schlägst, werde ich mächtiger, als Du es Dir vorstellen kannst!“ – „Wie kann das sein?“ – „Keine Ahnung, hab ich auch nie kapiert.“ So entsteht wie immer bei Deadpool eine wunderbar selbstironische, schmissige Lektüre, die Reilly Brown ohne größere Stilisierungen straight actionmäßig auf die Panels bringt. Die letzten Seiten beherrscht sogar ein elegisch-ernsthafter Ton, als die Königin der Untoten beschließt, es tatsächlich ernsthaft mit dem offenbar gequälten Psycho Deadpool zu versuchen. Bestes Futter also wieder für alle Freunde der intelligent-satirischen Schule – es wird wirklich Zeit, dass der Film anläuft… Der vorliegende Band enthält die komplette US-Miniserie ‚Deadpool: Dracula’s Gauntlet‘ von 2014. (hb)

Deadpool: Draculas Braut
Text: Brian Posehn, Gerry Duggan
Bilder: Reilly Brown
188 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
16,99 Euro

ISBN: 978-3-95798-184-4

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