Marvel Exklusiv, Band 111: Amazing Spider-Man (Panini) | Comicleser

Marvel Exklusiv, Band 111: Amazing Spider-Man (Panini)

Oktober 2, 2014

Marvel Exklusiv, Band 111: Spider-Man_SC

Spider-Man ist jetzt Doc Ock. Sonst ändert sich nix. So etwas Ähnliches haben wir schon damals in der Rebranding-Kampagne eines bekannten Schokoriegels gehört und nicht geglaubt. Stimmt auch hier ja nicht, denn der Kniff, Spider-Mans Körper durch den Geist von Otto Octavius bewohnt sein zu lassen, führt derzeit im Marvel Now!-Universum zu einem deutlich aggressiveren, zielstrebigeren und egoistischeren Wandkrabbler als bislang. Das Problem ist nur, dass es eben immer hartnäckige Fans gibt, für die Spider-Man eben immer der freundliche Nachbar Spinne zu sein hat, als der man ihn kennen- und schätzenlernte, und daran können auch sämtliche schwarzen Kostüme, Klone oder sonstige Verwicklungen etwas ändern. Genau das scheint man im Hause Marvel erahnt zu haben, denn just mit der Ausgabe 700 von Amazing Spider-Man, in der Doc Ock sich ins Leben und in den Körper unseres Helden schlich, begann man gewissermaßen einen Seitenableger der Serie. Unter den Nummern 700.1-700.5 durften sich diverse Gespanne damit vergnügen, den Traditionalisten unter der Spinnenfans genau das zu servieren, was sie erwarten: Stories um Peter Parker, Tante May und die altbekannten Feinde. Das kann man jetzt vielleicht langweilig und sicherheitsorientiert nennen – aber wenn dabei derartig gelungene und vor allem schlüssige Abenteuer herauskommen wie in diesem Band, dann lassen uns alte Hasen diese Vorwürfe maximal kalt.

Kalt ist gleich das richtige Stichwort: in der ersten Storyline fegt ein Schneesturm über New York, Spidey ist erschöpft und möchte nur sein Frösteln überwinden, aber die Sorge in Form des Spinnensinns treibt ihn durch die Stadt zu Tante May, die tatsächlich in Lebensgefahr schwebt. Dabei stellt unser Held fest, dass ihm viel mehr von Onkel Ben geblieben ist als er bislang wusste. In der nächsten, ebenfalls abgeschlossenen Geschichte landet ein vom Kampf mit Firebrand bis zur Unkenntlichkeit gezeichneter Peter Parker in einer Art ER from hell – langsam wird dem von Bandagen geschützten klar, dass er in einem Krankenhaus nur für Kriminelle gelandet ist, in der sich seine Erzfeinde zusammenflicken lassen, wenn sie wieder mal ordentlich auf die Glocke bekommen haben. Und dass denen der neue Patient gar nicht zusagt, dürfte selbstredend sein. Zusammen mit den Fantastischen Vier und insbesondere einem gewissen Johnny Storm muss unser Netzkopf dann gleich das ganze Universum retten, bevor er sich mit seiner Lieblingsfeindin Black Cat und ein paar Schulhofrowdys herumschlagen muss.

Die HC-Variante, limitiert auf 444 Stück

Die HC-Variante, limitiert auf 444 Stück

Was an diesen insgesamt sechs in sich abgeschlossenen Geschichten so gut gefällt, ist, dass sie eben ohne epische Handlungszyklen, Querverweise, vertauschte Identitäten oder ähnliche Kunstgriffe auskommen: jenseits des derzeitigen Universums demonstrieren die Autoren David Morrell (nie gehört? Von dem stammt ein Roman namens First Blood, der mit einem gewissen Sylvester Stallone verfilmt wurde. Kennt kaum jemand. Oder doch?), Joe Casey und Brian Reed, wie robust und ausbaufähig die Grundkonzeption von Stan Lee auch heute noch ist. Es braucht keine Klone, wiederbelebte Verstorbene oder massive Krisen – wenn Spidey sich um Tante May sorgt, allzumenschliche Züge aufweist („Wetten, Captain America hat solche Probleme nie!“) und mit JJJ darüber streitet, ob der Wandkletterer denn nun eine Bedrohung ist oder nicht, dann reicht das vollkommen aus. Auch die Inszenierung weiß zu gefallen, insbesondere der vor allem für seine Zusammenarbeiten mit dem Quartalsirren Frank Miller bekannte Klaus Janson bringt die Frost-Geschichte in stimmige Bildsprache. Somit ein sehr schöner, für sich allein funktionierender Band, der beweist, dass das ganz große Spektakel gar nicht nötig ist, sondern man sich einfach auf den Kern der Sache konzentrieren sollte. (hb)

Marvel Exklusiv, Band 111: Amazing Spider-Man
Text: David Morrell, Joe Casey
Bilder: Klaus Janson, Lee Weeks, Sean Chen
164 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
16,99 Euro (Softcover)
25 Euro (Hardcover)

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